Kummerkastenantwort 5.979 – Kann ich statt Stimmtraining einfach eine OP machen?
Hallo ihr Lieben,
ich befinde mich gerade in der Transition (mtf). Ein zukünftiger wichtiger Punkt ist für mich die weibliche Stimme.
Lässt sich nur durch eine Stimm-OP ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen, sodass das Passing in dieser Hinsicht problemlos gelingt? Die Unterschiede in der Stimme betreffen natürlich nicht nur die Tonhöhe, aber für mich wäre das schon der wichtigste Aspekt.
Ich haber bisher versucht, mich in dieses Thema einzuarbeiten und eine Meinung, die vertreten wurde, war, dass man erst mittels Logopädie verfahren sollte und dann (falls nötig) eine Operation in Betracht zieht.
Mir persönlich wäre es am liebsten, ganz auf die Sitzungen bei einem Logopäden zu verzichten und mir die nötigen weiteren Schritte autodidaktisch anzueignen. Oder als Plan B, die Operation vornehmen zu lassen und dann hinterher mit einem Logopäden vor Ort weiter zu üben.
Wäre der erstgenannte Wunsch denn umsetzbar (oder zumindest Plan B)?
Alles Liebe
Hannah-Sophia
Hallo Hanna-Sophia!
Grundsätzlich kannst du das so machen. Grundsätzlich hast du aber wesentlich bessere Chancen damit, Voice Training erfolgreich abzuschließen, wenn du es mit eine*r Logopäd*in zusammen machst. Klar, das nimmt viel Zeit und Aufwand in Anspruch, aber jemand außenstehendes kann dir dabei helfen, alles richtig zu machen ohne der selbst zu schaden oder vor Frustration aufzugeben.
Eine OP, ganz ohne Voice Training, würde ich dir nicht empfehlen – das ist quasi direkt die nuklearste Option, obwohl man eben mit Voice Training schon sehr weit kommen kann. Dementsprechend währe der sinnvollste Weg Logopäd*in -> ggf. OP. Nicht andersrum.
Liebe Grüße,
Kim


Stimmtraining kann sehr viel bewirken, auch was die Höhe angeht. Es kann sein, dass du nach einigen Monaten eine Stimme hast, mit der du dich sehr wohl fühlst und mit der du ein wirklich gutes Passing hast.
Leider hängt es aber auch von deinem Körper ab, ob die Stimme so hoch wird, wie du sie haben willst. Einen Versuch ist es aber Wert und möglicherweise fühlst du dich mit deiner Stimme dann zumindest schon besser als vorher.
Falls dich das Ergebnis des Stimmtrainings nicht zufrieden stellt, gibt es natürlich noch die Möglichkeit einer OP.
Wahrscheinlich kannst du aber schneller mit Stimmtraining anfangen, als du einen OP-Termin bekommst. Wenn du es mit einer*m Logopäd*in machst, hast du einen Nachweis und sowas ist auch ganz sinnvoll, wenn du die Kostenübernahme der Krankenkasse beantragst… Zudem würde ich dich an dieser Stelle gerne mal daran erinnern, dass du nach der OP für einige Wochen Sprechverbot haben wirst. Da ist vielleicht Stimmtraining die einfachere Lösung.
Zum autodidaktischen Stimmtraining:
Ich hab selber Erfahrungen damit, hab das aus Spaß gemacht, nicht im Rahmen einer Transition. Deshalb hab ich es ohne Logopäd*in gemacht. Ich singe gerne und kann’s halt nicht lassen, mit meiner Stimme zu spielen.
Das führte übrigens dazu, dass ich anfangs dauernd heiser war und mir mehrmals für einige Tage Sprechverbot erteilen musste, weil ich meine Stimme vielleicht ein bisschen überansprucht habe…
Da ich dich aber vielleicht nicht davon abhalten kann, es selbest zu machen, geb ich dir trotzdem mal ein paar Tipps, dann musst du wenigstens nicht alle meine Fehler machen:
1. Schau dir an, wie sich Sänger*innen einsingen. Deine Stimme nutzt Muskeln und wie beim Sport solltest du sie aufwärmen.
2. Fang langsam an, nur ein paar Minuten am Tag. Versuch nicht gleich so hoch zu kommen, wie es irgendwie geht, das ist zu anstrengend.
3. Setz dich zum Üben aufrecht und entspannt hin.
4. Achte auf deinen Körper. Mit der richtigen Technik sollte es nicht anstrengend sein und nicht weh tun.
5. Mach Pausen und trink genug. Am besten Wasser oder Tee.
6. Solltest du merken, dass du deine Stimme überansprucht hast, schone sie erst mal ein bisschen
7. Nimm mal deine Stimme auf. Es kann sein, dass sie sich für dich selber tiefer anhört, als sie ist.
Vielen Dank für diese wertvollen Tips!