Kummerkastenantwort 6.061 – Ich will mich als trans outen.

Hallo!

Ich bin trans, möchte aber zumindest mittelfristig (ggf. auch langfristig) keine medizinische Transition machen.



Ich überlege jetzt, mich in einem etwas größeren Kreis zu outen. (Momentan weiß es fast niemand.)



Dabei habe ich aber ein paar Probleme:



a) Ich weiß, dass mein Passing weitab von perfekt ist.

Mit dem Wissen macht es mir auch nicht so viel aus, wenn mich Leute misgendern, die ich z. B. nur kurz auf der Straße treffe und dann nie wieder sehe.

Wenn ich mich aber z. B. im beruflichen Umfeld outen würde, habe ich die Befürchtung, dass die Leute mich da nicht ernst nehmen, wenn ich als Mann auftrete und dann nicht dem entspreche, was erwartet wird, z. B. bei der Stimme am Telefon, und dass das das Geschäftliche ggf. „überschattet“.

Im privaten Umfeld mache ich mir keine so großen Sorgen; es geht eher um alles, was irgendwie professionell/beruflich bzw. offiziell ist.



b) Weil ich ziemlich klein bin und auch kein Testosteron nehme, werde ich oft für sehr viel jünger gehalten als ich bin.

Ich habe das Gefühl, dass dieser Effekt meine Befürchtung von „die Leute nehmen mich nicht ernst“ noch verstärkt.



(Es ist allerdings möglich, dass ich zusätzlich unabhängig vom Geschlecht irgendwie eine „junge Ausstrahlung/Körpersprache“ (oder so?) habe. Das spielt vielleicht auch noch mit rein. Da muss ich vielleicht dran arbeiten, mir da mehr Awareness und ggf. Änderungen anzugewöhnen.)



Ich will auch versuchen, an meiner Stimme zu arbeiten, um da im Rahmen der Möglichkeiten ohne Testo noch etwas rauszuholen.



Aus diesen Gründen habe ich auch noch keine SBGG-Anmeldung/-Erklärung gemacht.

Ich habe als nicht-passende Person eben auch teilweise Angst vor den Konsequenzen, weil ich es dann z. B. beim Arbeitgeber melden muss und um diese Probleme nicht herum komme.



Freundliche Grüße und danke für eure Arbeit!

Hallo!

Ich kann deine Befürchtungen sehr gut verstehen. Gerade, sich im beruflichen Kontext zu outen ist ein riesiger Schritt, der im allerschlimmsten Fall zum Jobverlust führen kann, und das ist natürlich ein sehr großes Risiko. Und gerade transmaskuline Personen werden nochmal stärker infantilisiert als andere.
Ich kann dir nicht raten, dass du dich outen sollst oder nicht. Das hängt sehr stark von der Branche und letzten Endes auch von dem speziellen Unternehmen ab, in dem du beschäftigt bist. Meiner Erfahrung nach gibt es meistens ein paar Monate Gerede und vielleicht auch den ein oder anderen blöden Spruch, frühder oder später gewöhnen sich die meisten aber dran. Es gibt nur leider keine Garantie, dass das so passiert.
Falls es bei dir einen Vorgesetzten gibt, in dendie du Vertrauen hast, könnte es sich lohnen, zunächst ein Gespräch mit dieser Person zu suchen und sich dort zu outen. Dann könnt ihr gemeinsam abschätzen, welche Reaktionen (ggf. auch von Kundinnen) zu erwarten sind und wie mit diesen umzugehen ist.

Es gibt einige Sachen, die man machen kann, um auch ohne Testosteron ein besseres Passing zu haben und vielleicht auch als etwas älter durchzugehen – wobei da in vielen Situationen nur hilft, es einfach anzusprechen. In dieser Antwort habe ich mehr dazu gesagt.

Ich wünsche dir viel Glück!
Liebe Grüße,
Elias

 

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