Kummerkastenantwort 6158 – Rede ich mir nur ein, lesbisch zu sein?

Hi,



Also vielleicht ist diese Frage ein wenig sinnlos, da ich eher nach Personen suche, denen es ähnlich geht, aber ich will mir generell mal alles von der Seele schreiben.

Ich labele mich seit einiger Zeit als lesbisch und bin auch geouted. Aber es lässt mich nicht los, das ich mir dass vielleicht nur einreden will, und eigentlich eher bi oder Pan bin. Die Sache ist die, ich habe Angst vor einer Beziehung mit einer männlichen Person, vermutlich, weil ich dort auch sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich kann mir dass auch in meinem Kopf gar nicht vorstellen. Trotzdem „verliebe“ ich mich immer wieder in männliche Personen. Aber ich glaube auch nicht, dass es so ein richtiges verlieben ist. Eher so ein schwärmen, und das vorstellen einer Beziehung, aber kein echtes wünschen einer Beziehung, oder Schmetterlinge im Bauch. Es ist glaube ich so ein richtig richtig tolles Mögen, aber eigentlich nur im Kopf. Ich mag diese Person, aber nur die Vorstellung und den Gedanken dieser Person in meinem Kopf, ist die mit der ich eine Beziehung führen will. Bei der eigentlichen Person spüre ich gar nichts. Auch ist es, dass wenn ich mir vorstelle mit einer männlichen Person zusammen zu sein, ich eine heterosexuelle Frau sein möchte. Was ich definitv nicht bin, weder hetero noch cisfrau. Ich hatte ursprünglich gedacht dass ich vielleicht auf dem aroace Spektrum sein könnte, aber bei Mädchen verliebe ich mich ja ganz typisch. Ist das normal, gibt es dafür ein Label?

Die andere Sache, vor der ich Angst habe, ist dadurch, das ich geouted bin (hauptsächlich unfreiwillig aber das tut nichts zur Sache), und alle mich jetzt als lesbisch im Kopf haben, möchte ich dass nicht nochmal ändern. Weil ich glaube dass würde eine Person, die sich nicht mit queeren Themen auskennt nicht verstehen. Und ich möchte auch nicht dass Gefühl haben, die anderen angelogen zu haben. Irgendwie bin ich da in eine unangenehme Situation geraten. Habt ihr Ideen, was ich tun sollte?



Ganz liebe grüße <3

Hallo,

ich hab hier zweierlei Hinweise für dich: Einerseits sprechen wir öfter mal vom Split-Attraction-Model, das im Prinzip da ansetzt, wo auch die Trennung zwischen aro und ace ist, zwischen Sexualität und Romantik. Wenn du sagst, ja, in Männer mal verlieben ist schon ein Ding, aber so richtig für Beziehung tut das alles irgendwo nicht, biromantisch und lesbisch und dann ist beides irgendwo beschrieben. Beispielhaft. Können auch andere Labels jeweils sein.

Und: nicht alle Menschen müssen alles verstehen. Coming Outs sind genau so für dich, wie sie für andere sind. Wenn es dir wichtig ist, dass Leute spezifische Labels für dich kennen, dann kannst du die benennen. Gleichzeitig müssen auch nicht alle Leute die selbe Information haben, zum Beispiel, weil sie gar nicht relevant für sie wäre. (Beispiel hier ist zum Beispiel im Arbeitsumfeld ist es oft deutlich weniger entscheidend, dass das Kollegium weiß, ob jemand bi ist, als zu wissen, dass die Person nicht-binär ist und welche Pronomen sie nutzt, während im freundschaftlichen Umfeld beides eine Bedeutung haben kann). Weiterhin: Menschen können sich ändern. Berufe, Wohnorte, Stil, Geschmack, Hobbys, Namen – wieso sollten sich Labels nicht ändern können? All das zusammen: Mehrere Coming Outs haben ist okay, viele Personen haben mehrere Coming Outs. Ein müssen gibts da nicht, aber ein dürfen, und wenn der Gedanke wichtig oder gut fühlt, ist das schon ein guter Weg zu gehen.

Liebe Grüße
Xenia

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