Kummerkastenantwort 6284 – Wie regele ich mein Coming out am besten? Wie funktioniert ein Outing Brief?
Hi, hier ist Leo (xier/xiem)
Zunächst einmal wollte ich mich bedanken, ihr habt mir so sehr dabei geholfen, herauszufinden wer ich bin. DANKE DANKE DANKE!!
Nun, einige Monate nach meinem inneren Coming-Out wird der Wunsch mich zu outen immer größer. Nur ist es so, das die Freundin vor der ich mich gerne (erstmal nur als queer, die Sache mit dem Nichtbinärsein bleibt erstmal geheim) outen möchte, überhaupt nichts mit dem Thema am Hut hat und auch schon bei dummes Kommentaren einer Klassenkameradin gelacht hat. Ich habe Angst das sie mich verstößt, überlege aber trotzdem einen Outingbrief zu schreiben. Drei Fragen:
1. Wie erkläre ich es ihr am besten, das ich queer bin ohne sie zu überfordern?
2. Gibt es bestimmte Dinge die auf jeden Fall in einen Outingbrief müssen oder eine bestimmte Struktur nach der ich mich ungefähr richten kann?
3. Wie überwinde ich diese Angst, nicht akzeptiert zu werden? Gibt es irgendeine Möglichkeit zu lernen endlich stolz darauf zu sein, wer ich bin?
Danke schonmal im Vorraus 😀
Leo
Hallo Leo,
erstmal herzlichen Glückwunsch zum inneren Coming Out! Ich finde es mutig und verständlich, dass du dich bei der Freundin outen möchtest. Achte aber vorab als erstes auf deine Sicherheit, also: Droht dir (körperliche) Gefahr, wenn du dich outest? Mit wem kannst du sprechen, sollte das Coming Out nicht so verlaufen, wie du es dir wünschst? Wenn du diese Fragen beantworten kannst, halte ich ein Coming Out in einem Brief für eine gute Idee, da hast du genug Zeit, in Ruhe alles zu erklären und die Freundin kann im Zweifel nochmal nachlesen. Du kannst vielleicht auch im Vorfeld versuchen, die Freundin für queere Themen zu sensiblisieren, bspw. über eine Serie mit queeren Charakteren oder queere Musiker*innen?
Zu deinen Fragen:
1. + 2. Es gibt keine allgemeingültige Struktur für einen Coming Out Brief. Du könntest z. B. zunächst allgemein beginnen, ihr schreiben, dass du ihr etwas wichtiges mitteilen möchtest und sie bitten, es für sich zu behalten. Dann könntest du dein Label nennen, mit dem du dich bei ihr outen möchtest und eine Erklärung benutzen, was dieses Label bedeutet. Du kannst dabei auch spezifischer werden, was dieses Label konkret für dich bedeutet. Wenn du magst, kannst du auch auf unsere Website verweisen, wo sie sich weiter informieren kann. Wenn du magst, kannst du auch in den Brief schreiben, dass du Angst vor ihrer Reaktion hast und was du dir von ihr wünschst (oder welche Reaktionen du eben nicht haben möchtest).
3. Mit dieser Angst haben viele queere Menschen zu kämpfen, du bist also nicht allein! Meiner Erfahrung nach kann es hilfreich sein, sich mit anderen queeren Menschen auszutauschen und dabei gegenseitig Bestätigung zu bekommen. Es ist oft einfacher, stolz auf die eigene Identität zu sein, wenn man sie eben nicht erklären muss, sondern sogar mit anderen eine Gemeinsamkeit findet. Du kannst z. B. mal in unserem Regenbogenchat oder QueerChat (je nachdem wie alt du bist) vorbeischauen und andere queere Menschen kennenlernen.
Zum Thema Coming Out kannst du auch in unsere Coming Out Broschüre schauen, da haben wir einige Infos zusammengetragen.
Viele Grüße
Hannah

