Kummerkastenantwort 6397: Mein Gefühl zu meinem Körper und meiner weiblichen Identität hat sich geändert. Das macht mein Nicht-Hetero-Sein komplizierter.

Biologisch bin ich ein Mädchen, aber mein Gefühl dazu ist nicht immer gleich. Manchmal fühle ich mich damit wohl, manchmal überhaupt nicht. Es gibt Tage, an denen ich meinen Körper gerne zeige, meistens aber vermeide ich das. Wenn mich Menschen als Jungen lesen, stört mich das nicht. Wenn in der Schule Mädchen und Jungen getrennt werden, fühle ich mich unwohl und fehl am Platz.



Wenn ich gefragt werde, ob ich ein Mädchen oder ein Junge bin, zögere ich oft. Und wenn meine Mutter sagt, wie froh sie ist, vier Töchter zu haben, bekomme ich ein unangenehmes Gefühl im Bauch.



Früher (3.–7. Klasse) war ich sehr maskulin. Damals habe ich meine langen Haare ständig unter einer Mütze versteckt – auch zuhause. Habe alles abgelehnt das mich weiblich machen könnte. Ich hatte nur Jungs als Freunde, und Mädchen finde ich bis heute eher anstrengend. ich habe versuch wie die Jungs zu sein, Laufen, Reden, Interessen und ich habe mich wohl gefühlt und nicht wie als würde ich mich verstellen. Als ich mir meine Haare schließlich abschneiden ließ, fühlte sich das richtig gut und befreiend an. In dieser Zeit war ich mir fast sicher, dass ich selbst trans bin.



Dann kam die Pubertät. Ich begann, meinen weiblichen Körper mehr zu mögen, hatte meinen ersten Freund und auch mit körperlicher Nähe hatte ich keine Probleme. Aber inzwischen hat sich dieses Gefühl wieder verändert, und ich fühle mich als Mädchen deutlich weniger wohl.



Mein bester Freund ist trans durch und durch, seit er sich erinnern kann, seit ich mich erinnern kann. So extrem und durchgehend ist es bei mir nicht, deshalb bin ich so verwirrt.



Ich verliebe mich nach Person, nicht nach Geschlecht, und hatte Beziehungen und sexuelle Erfahrungen mit Menschen unterschiedlicher Geschlechter. Ich weiß, dass ich nicht hetero bin, und allein damit hatte ich schon genug soziale Schwierigkeiten und Blessuren. Jetzt habe ich das Gefühl, dass meine Unsicherheit über mein Geschlecht noch dazukommt und alles komplizierter macht.

Hallo!

Ich bin nicht ganz sicher, was deine genaue Frage an uns ist, wenn du überhaupt eine hast. Vielleicht so viel: Es kann total schwierig sein, festzustellen, dass man queer ist, egal ob in Bezug auf das eigene Geschlecht oder die sexuelle/romantische Orientierung. Und weil so viele Labels für sexuelle Orientierung auch vom eigenen Geschlecht eingehen, macht ein Hinterfragen dessen es natürlich schwieriger, sich da gut zu verorten. Vielleicht magst du ja erstmal probieren, dich als „nicht-hetero“ oder „queer“ zu bezeichnen und zu schauen, wie es dir damit geht? Wenn du mit der Zeit dann ein Label findest, das besser zu dir passt, darfst du dein Label immer ändern.

Und zu den Fragen zum Thema Geschlecht: Hast du schonmal überlegt, ob z. B. Begriffe wie nicht-binär oder genderfluid etwas für dich sein könnten? Du darfst aber auch einfach ein Mädchen sein, das sich nicht stereotyp verhält, wenn das ist, wie du dich bezeichnen möchtest. Aber: Du musst nicht dauerhaft und schon immer wissen, dass du dein Geschlecht in Frage stellst und dich im Körper unwohl fühlen, das sind alles keine Voraussetzungen, um trans oder nicht-binär zu sein. Du darfst dir in Ruhe Zeit nehmen, um über dich und deine Identität nachzudenken. Vielleicht magst du auch mal in unsere Broschüre zum Thema Labels nach ein paar Tipps schauen.

Viele Grüße
Hannah

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