Kummerkastenantwort 6421 – Ich bin unsicher ob ich bi bin
Hallo,
ich bin 13 Jahre alt und gehe in die 8. Klasse. Im Moment bin ich ziemlich verwirrt, weil ich nicht genau weiß, ob ich bi bin. Ich bin katholisch aufgewachsen und meine Familie ist sehr religiös. Zuhause wurde über LGBTQ+ nie gesprochen, eher im Gegenteil: Meine Eltern sagen, dass es das eigentlich nicht gibt, und würden es schlimm finden, wenn sie wüssten, dass ich vielleicht Gefühle für Mädchen habe. Das macht mir Angst, und manchmal fühle ich mich schuldig, weil ich denke, dass ich das eigentlich nicht „darf“.
In der Schule und bei meinen Freundinnen ist es ganz anders. Wir reden offen über LGBTQ+, und ich habe drei meiner sechs besten Freundinnen erzählt, was ich fühle. Sie akzeptieren und unterstützen mich, was mir sehr hilft.
Bisher war ich nur mit Jungs zusammen, aber in der 7. Klasse habe ich ein Mädchen aus der 8. Klasse bemerkt. Sie ist hübsch, nett, hat einen tollen Charakter und einen schönen Körper. Ich habe besonders auf ihre Oberweite geschaut, weil ich selbst nicht viel habe und das attraktiv finde. Gegen Mitte der 7. Klasse kam ein anderes Mädchen in meine Parallelklasse. Viele sagten, sie sähe aus wie ein Junge wegen ihrer kurzen Haare, und später habe ich erfahren, dass sie lesbisch ist. Jetzt in der 8. Klasse finde ich sie extrem süß: ihr Lächeln, ihre Haare, ihr Stil und ihren Körper gefallen mir total, auch wenn sie nicht viel Oberweite hat. Ich weiß oft gar nicht, warum ich sie plötzlich so mag.
Es ist nicht nur körperliche Anziehung, manchmal denke ich, dass es auch Verliebtheit ist. Ich wünsche mir Nähe, Küssen, Kuscheln oder tiefe Gespräche. Ich fühle mich zwar nicht „falsch“, aber es stresst mich, dass ich noch nicht genau weiß, wie ich mich fühle. Ich will gern alles klar haben, und nicht zu wissen, ob ich bi bin, macht mich unsicher.
Hallo!
Es kann gut sein, dass bi ein passender Begriff ist für das, was du hier beschreibst. Wie geht es dir denn damit, wenn du überlegst, dich so zu bezeichnen? Oft kann es schwierig sein, aus dem ganzen Mix an Gefühlen die internalisierte Homofeindlichkeit aufgrund der religiösen Erziehung rauszusortieren. Vielleicht hilft es dir ja schon ein bisschen, wenn ich dir sage: Du darfst auf jeden Fall Interesse an Mädchen haben, das ist völlig in Ordnung!
Und du musst deinen Eltern auch nicht unbedingt davon erzählen, wenn du das nicht möchtest, vor allem nicht, wenn du Sorge vor einer negativen Reaktion haben musst. Du verdienst es, ernst genommen zu werden! Ich finde es deswegen schön zu hören, dass du bei deinen Freundinnen Unterstützung finden kannst und die Möglichkeit, über deine Erfahrungen zu reden.
Du darfst auch Interesse an dem Mädchen haben, was du beschreibst. Dafür musst du kein separates Label verwenden, sondern es einfach einen Crush/Verliebtheit/was auch immer nennen und in Ruhe schauen, was diese Gefühle mit dir machen. Sie sind ja offensichtlich da, wie du sie dann nennst, ist zweitrangig.
Viele Grüße
Hannah


