Kummerkastenantwort 6.726 – Es ging mir lange psychisch nicht gut genug, mich mit meinem Geschlecht zu befassen. Jetzt überlege ich, Testosteron zu nehmen.
CN: Depressionen, Essstörung, psychische Krankheiten
Hallo zusammen. Es geht um ein sehr intimes Thema über das ich so nicht wirklich sprechen kann und ich bin wirklich sehr verzweifelt.
Ich habe allgemein Depressionen diagnostiziert und momentan ist es wieder schlimmer geworden. Seit ich mich erinnern kann, fühle ich mich unwohl in meinem Körper. Ich hatte eine Essstörung, war damit lange in Behandlung und habe diese überwunden. Das erste mal, dass ich damit konfrontiert wurde lieber ein Mann sein zu wollen bzw mich wie einer zu fühlen, war in meiner letzten stationären Therapie, wo mein Therapeut mich gefragt hat, ob ich mich mich eher als Mann fühle, damals habe ich es verneint, ich war in einer schlechten psychischen Verfassung, so dass ich mich gar nicht damit auseinandersetzen konnte. Rückblickend gesehen hatte dieser Therapeut ins Schwarze getroffen. Mit Anfang 20 habe ich ein FSJ im Krankenhaus gemacht, als ich dann ein Jahr später gleich meine Ausbildung als Pflegefachkraft begonnen habe, habe ich mich als trans geoutet, mit Namen und Pronomen und alles. Ich hatte eine sehr gute Therapeutin, ich habe mich endlich wohl gefühlt. Dann habe ich meinen Ex kennengelernt, er hat mich nicht so akzeptiert, ich jung und naiv und verliebt habe alles in Frage gestellt so dass ich mich gegen Testosteron entschieden habe. Nun sind wir seit einem halben Jahr getrennt und ich sitze hier und struggle erneut. Zwischendurch habe ich mich als nicht binär identifiziert. Der Wunsch Testosteron zu nehmen ist wieder sehr präsent. Zudem kann ich mich in einer Beziehung nicht als Frau sehen, ich bin bi und sehe mich dann als Mann in einer Beziehung. Ich tendiere aber zu Männern und bin allgemein sehr obsessed mit schwulen Paaren in Serien, Games etc., da ich mich so gut damit identifizieren kann. Ich wollte früher auch immer männliche Rollen spielen, habe nur männliche Figuren idolisiert etc. Ich weiß man kann mir meine finale Entscheidung nicht abnehmen, aber gibt es jemanden, der genau so fühlt? Vielen Dank für eure Zeit und Gedul
Hallo,
Vielleicht kann es dir helfen, dich mit anderen queeren, trans und questioning Menschen zu deinen Erfahrungen austauschen? Das ginge z. B. online in unserem QueerChat, wenn du das möchtest. Du schreibst ja auch, dass du schon einige Therapieerfahrung hinter dir hast. Vielleicht könnte es dir helfen, dir wieder professionelle Unterstützung zu suchen? Du kannst z. B. auf Queermed nach einer sensibilisierten Praxis in deiner Nähe suchen. Und: Es ist okay, dass sich deine Labels und deine Identifikation mit der Zeit ändern, du darfst dich ausprobieren, ob da nicht-binär oder männlich, oder beides, oder wechselnd, oder nichts davon am besten zu dir passt. Ich wünsche dir, dass die Leute in deinem Leben dich dabei unterstützen! Du darfst dir in Ruhe Zeit nehmen und die Überlegungen bzgl. Testosteron durchzugehen. Vielleicht magst du dich auch mal über die Option des Microdosings informieren? Ich wünsche dir alles Gute!
Viele Grüße
Hannah


