Kummerkastenantwort 6775: Ich sitze im Rollstuhl und kann mich deshalb nicht wo anders neu vorstellen. Außerdem ist mein Zwilling queer und denkt, dass ich ihn mit meiner Queerness kopiere.
Hi liebes Queer-Lexikon-Team!
Ich bin Berney, Candessgender, fray, lithromantisch, aegosexuell!
Ich sitze im Rollstuhl und hab einen Zwilling (Bi+Genderfluid). Durch meinen Rollstuhl bin ich immer überwacht. Heißt ich kann mich auch super schlecht mit meinem neuen Namen irgendwo vorstellen ohne dass mich jemand beobachtet! Und ich kann mich auch super schlecht outen weil Candessgender eine Identität ist die beschreibt dass dein Gender sich durch Musik ändert.
Ich meine, was soll ich jetzt sagen „Ey hii, ich bin Berney und mein Geschlecht ändert sich durch Musik! Ich verwende zwar das Pronomen sie aber nicht das Pronomen er (nur sehr selten) um das zu ersetzen habe ich mir mein eigenes Pronomen ausgedacht. Wave/waves dass ich auch benutze wenn ich Non-Binary Phasen habe!“ Außerdem reagiert mein Zwilling sehr empfindlich wenn ich das Thema anspreche, er hat das Gefühl ich würde ihn kopieren. Er hat mich eine Zeit lang echt angeschrien, es war so schlimm dass ich ein Trauma hab was mich sogar eine Zeitlang queerphob machte. Generell ist meine Familie wegen meinem Zwilling sehr angespannt und misgendert/deadnamet ihn immer noch! Ich habe Angst, dass sie das auch bei mir machen… Und mein Zwilling ist absolut keine Hilfe!
Könnt ihr mir helfen?
Liebe Grüße Berney!
Hallo Berney,
das mit deinem Rollstuhl klingt herausfordernd für das Ausprobieren deiner queeren Identität. Gibt es vielleicht Möglichkeiten für dich, an Assistenz zu kommen, die dich da unterstützt oder die vielleicht nicht so viel mit anderen Personen in deinem Leben spricht, damit du dich ausprobieren kannst? Je nachdem, wer dich da unterstützt, steht die Person ja vielleicht auch unter Schweigepflicht? Vielleicht gibt es die Möglichkeit für dich, Online-Angebote wie unseren Regenbogenchat selbstständig und etwas weniger beobachtet zu nutzen, wenn du das möchtest?
Und zu deiner Geschlechtsidentität: Du darfst dich damit outen oder nicht outen wie du möchtest. Du schuldest anderen keine Erklärung, aber du darfst es auch genau so sagen, wie du es uns hier schreibst. Es ist auch völlig in Ordnung, sich selbst Pronomen auszudenken. Alle Wörter in unserer Sprache hat sich irgendwer mal irgendwann ausgedacht, die meisten (auch schon etwas konventionalisierteren) Neopronomen haben genau so angefangen. Du darfst gern wave-Pronomen nutzen, wenn du das möchtest.
Dass dein Zwilling da nicht gut reagiert, ist ziemlich uncool. Nur weil dein Zwilling queer ist, heißt das aber nicht, dass du nicht queer sein darfst. Statistisch ist es sogar ziemlich unwahrscheinlich, dass es in einer Familie nur eine queere Person gibt. Vielleicht gibt es da die Möglichkeit, dass du dir anderweitig Unterstützung suchst, z. B. von Freund*innen, Bekannten, Vertrauenslehrkräften oä? Du verdienst es, ernst genommen zu werden und dich ausleben zu dürfen!
Viele Grüße
Hannah


