Kummerkastenantwort 267: Ich bin mir nicht sicher, ob ich non-binary bin.

Hey

ich bin 15 und ich bin mir nicht ganz sicher was ich bin. Ich glaube, dass ich non binary bin, aber sicher bin ich mir nicht. Ich kann nicht mit meiner Mutter reden, weil als ich mich als pan geoutet habe(14), hat sie mir nicht geglaubt und gesagt es sei nur so eine Phase. Ich habe angst, dass sie mich nicht verstehen wird und wie meine Freunde reagieren werden ganz zu schweigen von meinem Stiefvater (mein Vater ist als ich 6 Jahre alt war gestorben)

Hallo,

das klingt alles ein wenig kompliziert. Ich hoffe, ich kann dir ein paar gute Anstöße geben, um da fundiert und gut mitumzugehen.

Einerseits Coming Outs. Coming Outs sind immer noch wichtig, aber niemand hat ein Anrecht darauf, dass du ein Coming Out bei ihnen hast. Egal, wie sicher du dir über dich bist, niemand kann oder darf dich zu einem Coming Out zwingen. Wenn du also nicht sicher bist, wie Menschen reagieren, hast du auch immer die Möglichkeit, vorläufig oder dauerhaft auf ein Coming Out zu verzichten.

Andererseits: Unsicherheit. Unsicherheit ist für viele Menschen ein ständiger Begleiter. Gerade, wenn es um das eigene Geschlecht geht, kann ich aus leidlicher Erfahrung sagen, dass das frustrierend und nervig sein kann. Die gute Nachricht: Du musst dich einerseits nie endgültig festlegen, du darfst deine Label, Namen und Pronomen auch wieder wechseln, sollte irgendwas mal nicht mehr passend und andererseits müsst dich auch nicht sofort festlegen. Du darfst dir also Zeit lassen.

Zeit lassen und rausfinden. Wenn du mal drüber nachdenkst: Woher kommt die Idee, dass vielleicht non-binary bist? Was bestärkt dich darin? Was lässt dich vielleicht zweifeln? Das sind Sachen, die du für dich rausfinden kannst. Die kann dir niemand vorschreiben, du musst dich da nicht an die Ideen von anderen Personen halten. Und wenn du am Ende sagst, ja, non-binary passt als Label zu mir, dann verwendest du es. Und wenn nicht, dann nicht, zurück auf “Los” und schauen, was vielleicht passen könnte. Es ist dabei auch immer okay, auf Labels zu verzichten.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Liebe Grüße
Xenia

Kummerkastenantwort 265 – Bin ich nonbinary oder ein trans Mann?

TW: Hier geht es unter anderem um Dysphorie und Perioden

Hi Kummerkasten team hier ist C. 19 Jahre alt und afab.

Ich bin mir nicht sicher wie ich meine Frage ganz formulieren soll also beschreibe ich einfach mein Problem. Ich habe mich vor ca. nem halben Jahr als non binary geoutet und benutzte seit dem männliche Pronomen.

Ich stelle mir nun schon länger die Frage ob ich vllt doch ein Mann bin. Ich benutzte z.B. einen Binder und fühle mich damit sehr wohl. Ich trage auch maskuline Kleidung, Boxershorts und versuche als typ wahrgenommen zu werden.

Ich freue mich wenn mich andere für einen Jungen halten. Und habe Disphoria im Bezug auf meine Hüfte, Brust und meine Stimme.

So weit so gut aber es gibt auch dinge die nicht ganz dazu passen
z.B. habe ich eher wenig bis keine Disphoria mit meiner Periode ich mochte sie zwar noch nie und wäre glücklicher wenn sie nicht mehr da wäre aber ich bin an sie gewöhnt. Auch mein Verhalten passt nicht immer ganz denn ich mag es vom Charakter her eher ein Softboi zu sein als der maskulinste im Raum.

Ich habe einen nichtbinären Bruder und einen guten Trangender (ftm) freund. Ich vergleiche mich oft mit ihnen und bin noch viel verwirrter. Oft passt das was mein Bruder sagt gut zu dem wie ich mich fühle aber auch andersrum wenn mein ftm freund beschreibt wie er sich fühlt kann ich das nachempfinden.

Es ist wirklich schwer zu erklären aber ich wäre gerne ein Junge, bin mir aber nicht sicher ob ich auch einer bin. Ich weiß das ich eine Mastek möchte und das ich Testo nehmen will (eher eine kleine Dosis) aber weiß nicht ob das so gut ist bevor ich mir nicht 100% sicher bin.

Ich finde ebenfalls meinen Namen gut (er ist Unisex) weiß aber nicht ob ich ihn ändern soll weil er sehr feminin klingt und mich das manchmal stört oder ob ich mir nur einen maskulineren zweitnamen zulegen soll.

Ihr seht ich habe viele Probleme und Bin sehr verwirrt ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen
Danke im voraus für die Antwort
Lg. C.

Hallo C,

es ist voll okay, dir nicht ganz sicher zu sein – manchmal verschwimmen die Grenzen, die wir zwischen den Geschlechtern gezogen haben, und es stellt sich heraus, dass wir vielleicht alle gar nicht so verschieden sind und dass Geschlecht nur ein Faktor von vielen ist, der uns ausmacht.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die nichtbinäre Erfahrungen und die trans Mann Erfahrungen sehr viele Überschneidungen für viele Menschen haben. Es gibt viele Menschen, die nichtbinär sind und Zugriff auf OPs und Hormone brauchen, um sich wohl zu fühlen. Es gibt außerdem trans Männer, die z.B. vor einer OP zurückschrecken oder sich bewusst gegen eine entscheiden. Es gibt nicht die eine Art und Weise, trans oder nichtbinär zu sein, und alle wählen unterschiedliche Wege, haben unterschiedliche Empfindungen und gehen unterschiedlich damit um. Es ist z.B. auch nicht zwingend so, dass alle trans Männer Dysphorie wegen ihrer Periode haben, oder dass eine solche Dysphorie ein Zeichen dafür ist, dass eine Person ein trans Mann ist. Manche trans Männer haben recht wenig Dysphorie, manche nichtbinäre Menschen sehr viel. Manche nichtbinäre Menschen möchten gern super maskulin oder feminin sein, manche trans Männer möchten nicht dem männlichen Stereotyp entsprechen, sondern lieber selbst bestimmen, was es für sie bedeutet, ein Mann zu sein. Wenn wir so lange dafür gekämpft haben, dass Männer auch Kleider, Makeup und Nagellack tragen dürfen, auch Gefühle zeigen und einfühlsam sein dürfen, auch verletzlich sind – warum sollte das dann nur für cis Männer gelten und nicht erst recht für trans Männer?

Ob du nun nichtbinär oder ein trans Mann bist, das kann ich dir leider nicht beantworten, da musst du herausfinden, was sich am besten anfühlt. Vielleicht was dazwischen, wie z.B. “demiboy“? Oder vielleicht kann dir der Youtuber Aaron Ansuini helfen – er bezeichnet sich als beides, trans Mann UND nichtbinär, und sagt, dass seine Nichtbinarität etwas ist, was er zusätzlich zu seiner trans Männlichkeit in sich trägt. (Aaron ist sowieso ganz toll und macht super videos!)

Was solche Maßnahmen wie Mastek und Testo betrifft: Zum einen ist es vielleicht gut, wenn du dich über beides ausführlich informierst, bevor du da irgendwelche Schritte einleitest. Die Wirkungen von Testosteron sind größtenteils wieder rückgängig zu machen, wenn du damit aufhörst, aber bei einer Mastek ist das schon was anderes. Testosteron kann ganz verschiedene Auswirkungen haben und du solltest dir Gedanken darüber machen, ob du mit allen einverstanden bist. Ich traue dir allerdings zu, dass du dich gut informierst und auch schon informiert hast. Und dann frage dich: Hängt die Entscheidung, was für Maßnahmen du ergreifen willst, denn überhaupt davon ab, welches Label du für dein Geschlecht verwendest? Es klingt für mich so, als wäre die Entscheidung mit der Mastektomie und dem Testosteron für dich schon getroffen und du klingst sehr sicher darüber, obwohl du über dein Geschlecht unsicher bist. Die Maßnahmen, die du ergreifen willst, können für dich gut und richtig sein, egal wie du dich bezeichnest. Es ist aber gut, dass du deine Unsicherheit nicht einfach ignorierst, sondern zu Wort kommen lässt. Es ist gut, erst mehr Sicherheit für diese Entscheidungen zu gewinnen, bevor du diese Schritte machst.

Und zuletzt zu deinem Namen: Wie wäre es, wenn du dir z.B. einen Zweitnamen zulegst, der etwas maskuliner ist als dein jetziger, und eine Weile lang ausprobierst, ob der neue Name sich besser anfühlt als dein bisheriger? Dann hast du in Zukunft beide Optionen und kannst dir aussuchen, ob Leute dich lieber mit deinem bisherigen Namen oder mit deinem neuen Zweitnamen ansprechen sollen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig bei deinen Fragen helfen und ich wünsche dir alles Gute!

Viele Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 252 – Bin ich ein Junge oder will ich nur einer sein?

Hallo Queerkumerkasten-Team,

ich bin 15 Jahrealt und biologisch gesehen ein Mädchen aber ich denke zurzeit oft darüber nach ob ich vielleicht ein Junge bin.
Ich sehe äußerlich wegen meinen kurzen Haaren und meinem Klamottenstyle aus wie ein Junge. Also alle Personen die ich neu kennenlernen denken ich wär männlich und sprechen mich auch mit männlichen Pronomen und allem an. Was mich verwirrt:
Ich sah als Kind schonmal aus wie ein Junge(hatte früher kurze dann lange und jetzt wieder kurze Haare) und es hat mich damals immer gestört wenn andere dachten ich wäre ein Junge. Teilweise stört es mich heute immernoch. Vor paar Monaten hab ich erst angefangen mein Geschlecht zu hinterfragen. Aber wenn ich ein Junge bin würde es mich dann stören wenn fremde mich für einen Jungen halten?

Weshalb ich mir auch nicht sicher bin onöb ich Trans bin: Ich wäre gerne ein Junge aber das bedeutet ja nicht gleich das ich Trans bin weil Trans bedeutet ja das man sich so fühlt und ich bin mir nicht sicher ob ich mich wie ein Junge fühle oder nur gerne einer wär.
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen
Lg J

Hallo J,

deine Frage ist schwer zu beantworten – niemand außer dir weiß, ob du ein Junge bist oder ob du trans bist, das kannst nur du wissen. Es ist auch sehr schwierig zu beschreiben, wie es sich denn anfühlt, ein Junge zu sein – ich glaube, das ist für alle anders, egal, ob sie cis Jungen sind (also auch bei der Geburt schon männlich zugewiesen) oder trans Jungen. Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied für dich gibt, ob du “nur” gerne ein Junge wärst oder ob du einer bist. Es kann gut sein, dass das das gleiche ist.

Du sagst allerdings auch, dass du dich früher wie heute nicht immer ganz wohl fühlst, nur als Junge gesehen zu werden. Das könnte vielleicht daran liegen, dass du zwar trans bist, aber vielleicht nichtbinär? Das bedeutet dass du nicht ganz, nicht immer, oder nicht ausschließlich ein Junge oder ein Mädchen bist. Manche Menschen bezeichnen sich z.B. als “demiboy”, wenn sie zeigen möchten, dass sie sich zwar als Junge sehen oder so präsentieren, aber eben nicht immer 100% Junge sind, sondern nur manchmal oder nur teilweise. Es kann ja durchaus sein, dass das besser für dich passt.

Vielleicht hilft es dir am ehesten, dich einfach mal auszuprobieren: Du kannst z.B. Leute bitten, dich auf eine bestimmte Weise anzusprechen, mit einem bestimmten Namen oder Pronomen (z.B. “er”) und zu schauen, ob du dich damit wohl fühlst, und wenn nicht, was sich für dich besser anfühlen würde.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deiner Suche und wünsche dir alles Gute!
Liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 245 – Geschlecht ist verwirrend

Hi Leute.
Ich stelle mich jetzt einfach mal kurz vor, ich bin ein 18 Jahre altes Mädchen, bin asexuell und panromantik. So viel weiß ich mittlerweile aber mir stellt sich immer die Frage was für ein Geschlecht ich bin. Ich weiß ich bin eine Frau aber fühle mich so nicht wohl. Also ich akzeptiere größtenteils meinen Körper aber das wars auch schon. Ich hatte schon immer kurze Haare, wollte mich nie schinken und fühle mich in Frauen Klamotten unwohl. Ich trage meist weite pullover weil ich meinen zum Glück sehr kleinen Vorbau nicht so mag und am liebsten einen Binder tragen würde. Aber dann gibt es vereinzelt Tage wo ich wiederum voll das Mädchen raushängen lasse mit Kleid schminke ect. Ich bin sogar mit meinem Namen zufrieden (Nadine) der ja keine neutrale oder männlich version hat. Ich bin einfach richtig verwirrt. Ich hoffe ihr könnt mir helfen und so grob sagen was ich bitteschön bin, es belastet mich nämlich ziemlich und gibt mir zu denken.

LG eure Nadine

Hallo Nadine,

Ich verstehe deine Verwirrung sehr gut – Geschlecht kann echt kompliziert sein. Du schreibst, dass du eine Frau bist, dich damit aber nicht wohl fühlst. Woran machst du es denn fest, dass du eine Frau bist? An deinem Körper? Der Art und Weise, wie du aufgewachsen und erzogen worden bist? Wie du aussiehst? All das kann dein Geschlecht beeinflussen, muss es aber nicht, wenn du den Eindruck hast, dass es nicht passt. Was Geschlecht wirklich ist, ist nur sehr schwer zu beschreiben, aber es muss jedenfalls nichts damit zu tun haben, wie dein Körper aussieht oder mit welchem Spielzeug du als Kind gern gespielt hast oder so. Geschlecht ist tief in dir drin, und deshalb kannst letztlich nur du sagen, ob du eine Frau bist oder nicht.

Wichtig ist zuerst mal: Du bist nicht alleine. Es gibt super viele Menschen, die genauso verwirrt sind wie du, die auch nicht so richtig klar kommen mit den Kategorien und Schubladen, in die wir alle gesteckt werden, und die sich genauso fragen wie du, was das alles bedeutet. Und es ist voll okay, so zu sein.

Es kann absolut sein, dass du eine Frau bist. Frauen dürfen maskuline Kleidung tragen, ihre Brust abbinden wollen, kurze Haare tragen und das alles, und trotzdem immer noch Frauen sein. In lesbischen Communities werden solche Frauen oft als Butches beschrieben. Es ist vollkommen egal, wie du aussiehst, was du tust und wie du dich verhältst – solange du dich als Frau fühlst, bist du eine Frau.

Wenn du aber merkst, dass der Begriff “Frau” sich einfach nicht richtig für dich anfühlt, dann kann es auch sein, dass du z.B. trans und/oder nichtbinär bist. Trans sind alle Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde – in deinem Fall weiblich. Das muss aber nicht gleich bedeuten, dass du deshalb ein Mann bist. Es gibt super viele Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, oder nur ein bisschen weiblich, oder nur manchmal maskulin, oder vielleicht beides, oder ein ganz anderes Geschlecht, das nichts mit Männlichkeit und Weiblichkeit zu tun hat. Diese Menschen nennen sich oft nichtbinär.

Du schreibst, dass es sich bei dir manchmal ändert, mit welcher Kleidung und mit welchen Teilen deines Körpers du dich wohl fühlst. Das könnte darauf hinweisen, dass du genderfluid bist. Genderfluid sind Menschen, deren Geschlecht sich ändert, entweder nur ab und zu oder sehr oft, und manchmal auch je nach Situation.

Vielleicht hilft dir einer dieser Begriffe weiter. Falls dir noch irgendetwas unklar ist, kannst du gern jederzeit weiter nachfragen. Am wichtigsten finde ich immer, dass du einfach tust, was sich für dich gut und richtig anfühlt, und dass du immer so gut wie möglich auf deine Instinkte hörst. Wenn du gerne mal einen Binder tragen möchtest, dann kannst du das ganz einfach ausprobieren, ohne erst zu überlegen, ob das jetzt zu deinem Geschlecht oder deiner Identität passt. Wenn du Lust hast auf Makeup und Kleider, dann kannst du das genauso machen, wie du Lust hast. Du musst dich nicht in irgendeine enge Schublade zwängen, sondern verdienst immer Respekt und Akzeptanz, egal, ob du deinen Begriff schon gefunden hast oder nicht.

Viele Grüße und alles Liebe,
Balthazar

Kummerkasten Antwort 167: Soll ich mich als bigender outen?

Hallo!
Ich bin zwar kein Jugendlicher mehr, aber ich hoffe, ihr könnt mir trotzdem weiterhelfen.
Ich bin mit weiblichen Genen geboren, aber identifiziere mich nicht “nur” als Frau. Von Anfang zwanzig an habe ich mich gefragt, ob ich trans bin, aber so richtig wohl fühlte ich mich mit diesem Label nie. Vor ca. 5 Jahren bin ich über den Begriff Bigender gestolpert und nach ein wenig Recherche wusste ich, dass ich dort “zu Hause” bin. Außerdem bin ich androsexuell. Ich fühle mich in Bezug auf manche Bereiche meines Lebens weiblich (z.b. als Mutter) und in anderen männlich (insbesondere was Liebe, Sexualität usw. angeht). Außerdem habe ich immer mal wieder Tage, an denen ich mich im allgemeinen eher männlich oder weiblich fühle.
Ich bin seit 13 Jahren mit meinem Mann verheiratet. Wir lieben uns sehr, aber er könnte wahrscheinlich nicht damit umgehen, wenn er wüsste, dass er mit jemandem schläft, der sich in dem Moment als Mann sieht. Auch sonst weiß in meinem realen Leben niemand von meiner geschlechtlichen Identität, größtenteils weil wahrscheinlich niemand der Leute, die ich kenne, weiß, dass es neben schwul, lesbisch, bi und trans noch etwas anderes gibt. Sex als Mann mit einem Mann erlebe ich stellvertretend durch das Lesen von Gay Romance.
Nun zu meinem Problem: In letzter Zeit denke ich oft darüber nach mich zu outen. Ich habe nicht vor, an meinem Erscheinungsbild oder meinen Pronomen etwas zu ändern und will auch keinen geschlechtsneutralen Vornamen anzunehmen. Es fühlt sich nicht falsch an, wenn ich als “Frau XY” angesprochen werde. Ich mag meine Brüste und es stört mich auch nicht, wenn ich meine Periode habe.
Also warum? Was hätte ich davon, Unruhe in mein Leben zu bringen, wenn sich sowieso nichts ändern würde? Ich habe viele gesundheitliche und familiäre Belastungen (Kinder&demente Mutter), sodass ich mir nicht noch mehr aufhalsen will. Trotzdem lässt mich der Gedanke an ein Outing nicht los. Könnt ihr mir helfen, mich besser zu verstehen?
Schonmal danke im Voraus!
Gruß, Jutta

Hallo Jutta,

vielen Dank für deine Frage! Wir nehmen gerne Fragen aller Art von allen Menschen an, auch wenn sie nicht (mehr) jugendlich sind.

Ein Coming Out ist immer eine schwierige Entscheidung. Vor allem, wenn viel davon abhängt (eine langjährige Beziehung zum Beispiel), ist es mehr als verständlich, dass du zögerst. Es ist aber auch sehr verständlich, dass dich der Gedanke so sehr beschäftigt, dich deinen  nächsten anzuvertrauen, damit du die Möglichkeit bekommst, du selbst zu sein und dich nicht verstecken zu müssen. Ich möchte dich weder entmutigen, noch möchte ich leere Versprechungen machen – ich kann dir lediglich deine Optionen zeigen, die Entscheidung liegt allerdings ganz bei dir.

Eine Möglichkeit ist immer, deine bigender-Identität für dich zu behalten. Vor allem, wenn sich durch ein Coming Out nichts weiter ändern würde, ist das immer eine Option. Im Bezug auf queere Identitäten gibt es einen gewissen gesellschaftlichen Druck, sich outen zu müssen, aber in Wahrheit musst du gar nichts. Sich nicht zu outen (aus egal welchem Grund) ist vollkommen okay, und du bist niemandem verpflichtet.

Du sagst allerdings auch, dass dich der Gedanke nicht mehr los lässt – es ist vollkommen verständlich, dass du das Bedürfnis hast, dich darüber zu öffnen und mit vertrauten Menschen über dein Geschlecht (bzw. deine Geschlechter) zu reden. Vielleicht ist es da eine gute Möglichkeit, dich eng vertrauten Menschen zu outen? Vielleicht gibt es ja in deinem Freund*innenkreis Menschen, bei denen du mit einer positiven Reaktion rechnen kannst, oder vielleicht einfach Menschen, denen du grundsätzlich sehr vertraust? Ein Coming Out dort anzufangen, wo es nur wenige Hürden gibt, ist für viele Leute eine gute und bestärkende Option. Und wenn sich das erste Coming Out gut und richtig anfühlt, dann kannst du von da aus weitersehen und herausfinden, ob du dich noch vor anderen Menschen outen willst, und wenn ja, vor wem.

Viele Menschen versuchen auch, sich bei ihrem Coming Out langsam vorzutasten, indem sie Themen wie Queerness und Geschlecht in anderen Kontexten erwähnen. Du könntest zum Beispiel von einem Artikel erzählen, den du über eine bigender Person gelesen hast (da lässt sich sicher was finden), oder ein Youtube-Video von einer bigender Person teilen. So kannst du die Reaktionen deines Umfeldes auf diese Themen austesten, ohne dich direkt selbst verletzbar zu machen. Es bleibt allerdings zu bedenken, dass für viele diese Themen schwieriger zu begreifen sind, wenn sie nicht direkt mit ihnen zu tun haben – für eine fremde Person aus einem Artikel oder einem Video wird dadurch vllt. weniger Verständnis aufgebracht als für dich direkt. Sowas wie ein Artikel oder Video kann also ein guter Gesprächsstarter sein, muss aber nicht unbedingt und zu 100% widerspiegeln, wie eine Person auf dein persönliches Coming Out reagieren würde.

Wenn du dich vor Menschen outen willst, über deren Reaktion du dir unsicher bist (z.B. vor deinem Mann), dann ist es gut, wenn du dir vorher ein Sicherheits-Netzwerk aufgebaut hast, also Menschen, die dich auffangen und dich unterstützen können, falls etwas schief geht. Ich wünschte, dass wir davon nicht ausgehen müssten, aber leider kann es immer passieren, dass eine Person uns nicht annehmen kann, wie wir sind. Darum ist es wichtig, dass es Menschen gibt, auf die du dich verlassen kannst, egal ob die Bescheid wissen oder nicht.

Rückhalt kannst du z.B. auch in Communities finden. Vielleicht gibt es bei dir vor Ort eine Gruppe, einen Stammtisch o.ä. für nichtbinäre und trans Menschen mit Raum für Menschen, die bigender sind, oder vielleicht findest du eine Online-Gruppe, in der du dich austauschen kannst. Mit anderen über Erfahrungen zu reden, positive wie negative, und Unterstützung zu bekommen, ist immer hilfreich, vor allem, wenn du in anderen Kontexten nicht über das Thema bigender reden kannst.

Letztlich kannst nur du entscheiden, was für dich der richtige Weg ist. Wichtig ist nur: Ein Coming Out ist weder verpflichtend, noch muss es alle Menschen in deinem Umfeld umfassen. Nur du darfst entscheiden, vor wem du dich wie und wann outen möchtest.

Egal, wie du dich entscheidest, ich wünsche dir alles Gute. Der Kummerkasten und das Queer Lexikon sind jederzeit für dich da.

Alles Liebe,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 166: Frage zu Skoliosexualität

Liebes Team vom Queer Lexikon,

ich habe eine Frage und Anmerkung zum Begriff Skoliosexuell bzw. romantisch.
Woher kommt dieser Begriff und wie ist dieser entstanden, wisst ihr etwas dazu?
Ich habe gelesen, dass der Begriff sich auf das lateinische skolio = gebeugt bezieht.

Ich verorte mich selbst als nicht-binär und finde diesen Begriff überhaupt nicht passend, eigentlich sogar diskriminierend: Warum?
Ich habe selbst eine Form der Skoliose, eine Erkrankung der Wirbelsäule, die überhaupt nicht toll ist. Sowohl im deutschen, als auch englischen ist im Begriff SKOLIOSExuell auch Skoliose enthalten. Der Begriff bezieht sich somit indirekt auch auf die Krankheit. Ich denke, das es nicht die Absicht von Menschen ist, sich auf diese Krankheit zu beziehen. Dennoch wird sie indirekt damit angesprochen und ich finde es mit meiner Mehrfachzugehörigkeit irritierend, wenn eine Person sich so identifiziert. Steht die Person, dann wohlmöglich auf nicht-binäre Körper / Identitäten oder auch auf Menschen mit dieser Krankheit?
Zudem ist die Verbindung mit dem skolio = gebeugt überhaupt keine empowernde Wendung. Ich möchte nicht, als nicht-binäre Identität in eine Verbindung mit gebeugt gebracht werden und ich vermute viele andere auch nicht. Das geht jeglichen Pride Verständnis meinerseits entgegen.
Ich würde gerne einen neuen Begriff dafür haben, wenn Menschen ausdrücken wollen, dass sie auf nicht-binäre Identitäten stehen (falls das überhaupt notwendig ist): Hier ein paar spontane Gedanken: enbysexuell, nbsexuell, nonby-sexuell. Ich hoffe das bringt einige Menschen zum Nachdenken und nicht Weiterverbreitung dieses Begriffes.

Hallo lieber Mensch,

danke für deine Anmerkung. Viele neue Labels und Bezeichnungen sind ein Prozess, um herauszufinden, was eine Community braucht und wie Menschen sich gerne bezeichnen wollen. Es ist immer wichtig, auf Probleme aufmerksam zu machen, um, wenn möglich, bessere Lösungen zu finden.

Zuerst zu deiner Frage: Der Begriff stammt anscheinend von einer Person namens Nelde auf DeviantArt – Nelde hat den Begriff 2010 erfunden, um Anziehung zu genderqueeren/nichtbinären Menschen zu beschreiben. Und ja, der Begriff leitet sich vom altgriechischen “skolios” ab, was soviel heißt wie “verbogen” oder “gekrümmt”. Gewählt wurde dieser Begriff aber nicht, weil er irgendwas mit Skoliose zu tun hat, sondern weil er die altgriechische Variante von “queer” sein soll, was ja auch “seltsam” oder “verquer” bedeutet (auf Englisch funktionieren die beiden Begriffe noch besser als Synonyme). Es wird außerdem stark betont, dass es eben nicht um irgendwelche körperlichen Merkmale der Menschen geht, zu denen eins sich hingezogen fühlt, sondern einzig und allein um die Identifikation dieser Menschen. (Hier ist übrigens meine Quelle für diese Infos.)

Die Person, die diesen Begriff erfunden hat, meinte den also überhaupt nicht böse oder in irgendeinem Zusammenhang mit Skoliose, sondern im Gegenteil, es wird sich auf einen empowernden, reclaimten Begriff bezogen. Ein guter Wille heißt aber noch lange nicht, dass dieser Begriff deshalb nicht verletzen kann. Es ist vollkommen in Ordnung und verständlich, wenn der Begriff für dich schmerzhaft ist und ja, du hast voll und ganz das Recht, nach neuen Begriffen zu suchen und/oder deinen eigenen Begriff zu prägen. “Enbysexuell” finde ich persönlich auch sehr gut und kann das gerne in unser Glossar aufnehmen. “Ceterosexuell” ist übrigens ein weiterer Begriff, der spezifisch die Anziehung von nichtbinären Menschen zu anderen nichtbinären Menschen beschreibt (im Gegensatz zu “skoliosexuell”, wo das Geschlecht der eigenen Person keine Rolle spielt).

Allerdings bin ich mir aktuell nicht sicher, wie wir weiter mit dem Begriff “skoliosexuell” umgehen sollen. In unserem Glossar stehen viele Begriffe, die aus dem ein oder anderen Grund für manche Menschen schwierig sind; unser Ziel ist es aber erstmal, alle Begriffe zu sammeln, damit Menschen, die über ein bestimmtes Wort stolpern, hier erstmal herausfinden können, was es bedeutet. Daher möchte ich den Begriff ungern ganz aus dem Lexikon streichen. Es wird auch immer so sein, dass in unseren Communities Begriffe verwendet werden, die für manche empowernd und für andere sehr negativ sind – ich z.B. bin selbst auch nichtbinär und habe Skoliose und habe kein Problem mit dem Begriff, mag aber z.B. “ceterosexuell” nicht, weil sich das von “et cetera” ableitet und halt mal wieder nichtbinäre Menschen als “alles weitere”/”das übrige”/”der Rest” abstempelt (ähnlich wie “divers” als Geschlechtseintrag). Andere werden wiederum nicht glücklich sein mit “enbysexuell”, vielleicht weil es nicht inklusiv genug ist oder weil “enby” zu verniedlichend ist. Es wird also schwierig sein, ein einziges Wort zu finden, mit dem alle zufrieden sind.

Ich persönlich denke, das ist okay. So wie trans Menschen über die Jahrzehnte und an unterschiedlichen Orten der Welt unterschiedliche Begriffe gefunden haben, um sich zu beschreiben, so wie Leute sich immer noch streiten, ob Begriffe wie “queer”, “dyke” oder “fag” zurückerobert werden dürfen oder nicht, so darf es auch unterschiedliche Worte und Ansichten zu Begriffen über die Anziehung zu nichtbinären Menschen geben. Wichtig ist nur, dass wir einander gegenüber Respekt zeigen und niemandem ein Wort aufdrängen, mit dem diese Person sich nicht wohl fühlt.

Du hast also vollkommen das Recht, dein eigenes Umfeld um eine Sprache zu bitten, die dich nicht verletzt, deinen eigenen Begriff in deinen Communities zu verbreiten und weiter mit Menschen darüber im Gespräch zu bleiben, was eine gute Alternative ist.

Das ist hoffentlich fürs erste eine Möglichkeit, und falls du dazu noch weitere Gedanken hast, können wir gerne weiter im Gespräch bleiben.

Liebe Grüße und alles Gute,

Balthazar

Queer und Sexworker sein

Für den folgenden Gastbeitrag gibt es einige Content Notes: Sexwork, Sex, Genitalien, Transfeindlichkeit, Pornos, transfeindlicher Slur, Deadnaming, Misgendern, Dysphoria, Euphoria und Masturbation.

Hi! Mein Name ist Ylvie und ich bin queer (Non-binary und pansexuell) und Sexworker. Meinen Job habe ich vor ca. drei Jahren, also mit 18, angefangen und nach einer langen Pause habe ich diese Tätigkeit wieder aufgenommen. Damals habe ich mich noch als cis und bisexuell bezeichnet, auch wenn es unangenehm war, wenn Menschen mich als Frau bezeichnet haben. Vor ein paar Monaten hatte ich dann mein Coming-Out, im privaten Bereich haben viele gut reagiert, andere eher schlecht, anderes habe ich aber auch nicht wirklich erwartet. Im Job war es jedoch ein wenig schwieriger.

Ein Photo von Ylvie, der diesen Text verfasst hat.

Größtenteils bin ich in meinem Job nicht geoutet, vorallem nicht auf den Clipseiten. Aber warum gebe ich mich als Cis aus? Aus Angst vor Anfeindungen, davor dass weniger Menschen meinen porn kaufen, weil ich keine Spoons (Spoons sind ein Symbolbild für meine Energie für einen Tag. Zum Beispiel wache ich an einem Tag mit 20, an einem andern Tag mit nur 10 Spoons, also wenig Energie, auf.) dafür habe, mich jeden Tag zu erklären. Auf meinem Twitter Account gehe ich offen damit um, queer zu sein, jedoch gibt es dort genau die Probleme, die ich fürchte – Transfeindlichkeit, ich werde ständig misgendert, Menschen lehnen es ab, meinen Content zu kaufen sobald sie erfahren, dass ich nicht cis bin. Also gebe ich auf anderen (Clip)seiten an, cis zu sein. Auch, weil es dort meist keine andere Option gibt. Höchstens FTM und MTF, das trifft aber beides nicht auf mich zu. Wie bei vielen Datingseiten ist es auch hier der Fall, dass mensch nur zwischen hetero, homo und bi auswählen kann, und da bi als Nächstes an pansexuell rankommt, gebe ich dies an (wobei dann mehr Anfragen für Content mit Frauen kommen, da ich aber nur alleine arbeite, muss ich dies immer ablehnen).

Ab und zu treffe ich mich mit Sugardaddys – auf den dafür zuständigen Seiten erwähne ich ebenso nichts von meiner Queerness, nur wenn die Personen meine privaten Datingprofile finden, erfahren sie es. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit einem sehr netten Mann getroffen, welcher sich ebenso sofort korrigiert und entschuldigt hat, da er in der dritten Person von mir gesprochen und „sie“ anstatt „er“ verwendet hat. Dieser Mann hat eines meiner „normalen“ Datingprofile wo ich geoutet bin gefunden, und gibt sich ebenso sehr viel Mühe, die richtigen Pronomen zu nutzen. Das hat wirklich sehr gut getan, er war höflich, hat nachgefragt, welche Bezeichnung okay ist und welche nicht. Das ist leider nicht immer so. Wenn es andere nicht wissen und mich als Frau bezeichnen, sage ich nichts – schlichtweg aus Angst, dass sie das Verhältnis beenden oder gar keines beginnen wollen, dass sie mich eventuell auf der Seite melden, weil ich das falsche Geschlecht angegeben habe und somit „Männer hinters Licht führe“, wie es mir mal gesagt wurde.

Auch bekomme ich, besonders auf twitter, Nachrichten ob ich denn „noch“ einen Penis habe, ich werde als Tr*nny und Sh*m*le bezeichnet, fetischisiert, weil Menschen denken, ich sei eine trans Frau. Manchmal reicht es mir auch, wenn ich 10 mal am Tag misgendert werde, wenn 10 Mal am Tag Menschen meinen Deadname sehen, weil sie mir etwas per Paypal schicken. Dann muss ich mich stoppen, runterfahren, höflich bleiben, was mir nicht immer gelingt (dann trifft es aber die richtigen Personen, die sowieso nichts erwerben wollten).

Mein Job macht mir sehr viel Spaß, auch wenn es mich unglaublich viel Energie (und Nerven) kostet. Ich habe in den letzten Monaten viel lernen können, auch über meinen eigenen Körper. Ein Privileg was ich habe, abgesehen von meinem Weißsein, ist es, dass ich kaum Dysphoria habe. Es kommt selten vor, Euphoria taucht eher auf (und Körperschemastörung, was aber ein anderes Thema ist). Von daher ist es zu 80% der Zeit relativ einfach, Porn zu drehen. Ich habe keine Probleme damit, meine Genitalien zu sehen und zu fühlen, im Gegenteil, ich habe gelernt ihn zu lieben, durch Porn.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Sexwork mir geholfen hat und immer noch hilft. Jedoch ist dies nicht für jede Person, bzw. nicht jede Person ist dafür geschaffen, aber ich habe keine Entscheidungskraft darüber. Das muss jeder Mensch, welcher im legalen Alter ist, für sich selbst herausfinden, experimentieren, dabei aber auf sich und seine Bedürfnisse achten.

Kummerkasten Antwort 76 – Furry und queer?

Hallo.

Ich hatte noch nie eine Freundin, so wie man das eben schon in der Schule hat. Ich habe das bislang immer damit begründet, dass mein Umfeld immer sehr Jungs-lastig war, auch in der Hochschule. Da gab es ein paar schwule Männer, ich akzeptiere sie so wie sie sind. Da ist für mich nichts besonderes dabei, im Gegensatz zu meinen Eltern. Mittlerweile bin ich 27. Ich habe schnell akzeptiert, dass die Vorstellung von Sex nicht so meins ist und ich wohl asexuell sein könnte. Ich bin im zweiten Anlauf vor ein paar Monaten über Cosplay ins Furry-Fandom reingekommen. Aus unbekannten Gründen haben sich in dieser Gruppe überdurchschnittlich viele queree Menschen eingefunden. Trotzdem bedeutet ein Furry zu sein nicht zwingend queer zu sein. Aber trotzdem habe ich darüber nachgedacht, aber nichts so recht gefunden was mit mir ist. Ich fühle mich auch nicht so recht zu Männern hingezogen. Nur dass ich gerne einen sportlichen Körper haben will. Für mich ist es eine schöne Vorstellung mit einer Freundin zu kuscheln und aneinander zu liegen. Aromantisch bin ich wohl auch nicht? Mir ist aber aufgefallen, dass mir Charactere (Fursonas) ohne Geschlechtsdefinition besonders gefallen.

Hallo,

ich hoffe, ich kann deine Frage beantworten – in unserem Team kennen wir uns nicht gut mit dem Furry-Fandom aus, deswegen versuche ich mich vor allem auf den Teil mit der Sexualität und dem Geschlecht zu konzentrieren.

Es ist vollkommen okay, noch keine Beziehung gehabt zu haben und vielleicht auch insgesamt keine zu haben – es ist eine unfaire Erwartungshaltung von der Gesellschaft, dass alle Menschen eine (romantische, sexuelle) Paarbeziehung wollen und haben und dass sie am besten damit schon in der Schulzeit anfangen sollen. Viele Menschen haben keine Paarbeziehung, vor allem nicht in der Schulzeit, und es gibt viele verschiedene Gründe dafür.

Es klingt durchaus für mich so, als könntest du asexuell sein. Asexualität ist Teil der queeren Community, von daher ergibt es durchaus Sinn für mich, dass du dich unter queeren Furrys unter deinesgleichen fühlst. Kuscheln und körperliche Nähe haben ja an sich nichts mit Sex (und auch nicht unbedingt mit romantischen Gefühlen) zu tun, d.h. wenn du das Gefühl hast, dass das Label “asexuell” für dich passt, dann steht dem nichts im Wege.

Vielleicht ist das Furry-Fandom für dich auch ein Einstieg, um dich mehr mit Geschlecht auseinanderzusetzen. Du schreibst, dass dir die geschlechtsneutralen Varianten besonders gefallen – vielleicht kann dich das zum Nachdenken anregen über deine eigene Geschlechtsidentität oder die deiner bevorzugten Partner*innen. Du könntest dich ja mal mit dem Begriff “nichtbinär”/”nonbinary” auseinandersetzen, falls dich das interessiert.

Hoffentlich war das hilfreich. Weiterhin viel Erfolg bei deiner Suche!

Viele Grüße, Balthazar