Queere Serien- und Filmtipps 2020

Daniela ist Teil des Queer Lexikon Teams und schreibt u.a. für den Blog. Für die Extravaganza gibt es heute einen Listicle für ein Best-of 2020 Sehenswertes im Bewegbild.

Es ist die Zeit „zwischen den Jahren” (oder auch eher zwischen den Feiertagen), während ich diesen Artikel schreibe – die beste Zeit für Rückblicke, aber auch Empfehlungen, um das Jahr gemütlich zu beenden und endlich mal Zeit zu haben für liegen gebliebene Bücher, Serien, Filme, die eins schon immer mal lesen/gucken wollte… 

In diesem Beitrag für unsere Blogreihe Extravaganza geht es deshalb nun um queere Filme, Serien, Dokumentationen, die mich 2020 begleitet haben, und teilweise selbst noch auf meiner Zu-Gucken-Liste stehen, weil sie mir empfohlen wurden.

Die Auswahl ist natürlich individuell und es gibt sicher auf den verschiedensten Plattformen noch viel mehr anzuschauen mit queerer Repräsentation. Die Tipps sind also eher als ein persönliches Best-of des Jahres zu verstehen. Vielleicht ja auch etwas, was jedes Jahr aktualisiert werden kann, 

Weil nicht alle immer die gleichen Zugänge zu Streaming-Plattformen haben, ist die Liste sortiert nach Anbieter*in; verlinkt ist entweder direkt auf die Sendung oder den freier zugänglichen Trailer auf YouTube.

Mediatheken

Being Sasha: Die 3sat Doku-Reihe „Ab 18!” porträtiert junge Erwachsene. „Being Sascha” erzählt dabei sensibel die Geschichte von Sascha. Sascha lebt in der Schweiz, ist trans nicht-binär und erzählt selbst vom eigenen Leben, von Gendernormen und dem Durchbrechen selbiger. Dadurch, dass hauptsächlich Sascha selbst zu Wort kommt und die Kamera eher so etwas wie ein stiller Begleiter ist, ist die 34-minütige Doku unglaublich sehenswert und gelungen, vor allem, was inklusive Sprache und ganz persönliche Erlebnisse betrifft. Being Sascha ist in der ZDF-Mediathek abrufbar 

Ein Mädchen (leider nicht mehr in der Mediathek): Der Film „Petite fille”, wie er im Original heißt, feierte im Februar diesen Jahres auf der Berlinale Weltpremiere und wurde in der Kategorie Panorama Dokumente gezeigt. Die französische Dokumentation erzählt von der 7-jährigen Sasha, die seit dem sie 3 Jahre alt ist, weiß, dass sie trans ist. Linus Giese hat u.a. über den Film auf Twitter ausführlich geschrieben, der noch bis 30. Januar 2021 in der Arte-Mediathek kostenlos zur Verfügung steht.

YouTube

These Thems: Die kurzweilige Comedy-Webserie besticht durch ihren queeren Cast, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Das ist bis heute leider noch eher die Seltenheit, dass schon beim Drehbuch schreiben die Stimmen zu Wort kommen, um die es auch später in der Geschichte gehen wird. Wer Lust hat, auf eine lustige, romantische, informative queere und einfach wunderbare Serie mit Themen rund ums Coming Out, Sex, und Geschlechtsidentitäten, ist hier genau richtig. Leider ist die Serie bisher nur auf Englisch (optional mit englischen Untertiteln) verfügbar.

Der Kanal OML: Gegründet 2009 als „One more lesbian” kuratiert und veröffentlicht OML queere, ebenfalls englisch-sprachige (Web-)Serien, die auch in Deutschland auf YouTube frei zugänglich sind (wie zum Beispiel die o.g. Serie These Thems). Der Schwerpunkt liegt noch immer auf lesbischen Geschichten, ist aber inzwischen facettenreicher und diverser geworden als zu Gründungszeiten. Auf der Originalseite OML.tv gibt es zudem viele Trailer zu queeren Büchern, weiteren Filmtipps und queeren Musikvideos.

Amazon Prime

The Bold Type: die feministisch & intersektionale Version von „Sex and The City”, die es in den 90ern schon gebraucht hätte – es geht ums lesbisch sein, um trans Themen (von trans Schauspieler*innen gespielt), aber auch um Rassismus, Freundschaft und natürlich ganz viel um die Modebranche, Karrierethemen und Vorbild sein. Bemerkenswert hier auch: wer dran bleibt, wird belohnt. Die Serie wird von Staffel zu Staffel immer besser und politischer.

Steven Universe – Der Film: Der Film folgt handlungsmäßig der auf Netflix verfügbaren und gleichnamigen Zeichentrickserie. Steven Universe lebt mit seinen Freund*innen, den „Crystal Gems” (drei magischen Außerirdischen) zusammen und bestreitet mit ihnen sein Coming-of-Age. Steven Universe ist die erste Serie einer nicht-binären Frau (Eigenbezeichnung von Rebecca Sugar, Pronomen: sie/they) für den Sender Cartoon Network. Es geht in der vermeintlichen Kinderserie um Diversität, Inklusivität, alternative Familien- und Rollenbilder. Warum das alles so besonders und sehenswert ist, ist auch in Beccis Artikel über Steven Universe auf dem Blog Feminismus oder Schlägerei nachzulesen.

Happiest Season: Wer Weihnachten mag, ist bei dem Film genau richtig. Die US-amerikanische Komödie ist der Klassiker schlechthin: Es geht um den Familienbesuch an den Weihnachtsfeiertagen. Der gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht, denn die Eltern von Harper (Mackenzie Davis) wissen noch gar nichts von ihrer Partnerin Abby (Kristin Stewart) und so nimmt das Chaos seinen Lauf.

Netflix

Prom: Gerade erst auf Netflix erschienen und mit vielen bekannten Alt-Schauspieler*innen besetzt, geht es um Emma Nolan, die sich dafür einsetzt, dass sie als lesbische Schülerin mit ihrer Partnerin zum Schulabschlussball kommen darf. Wenngleich der Film durch die vielen musikalisch gesungenen Dialoge sicher nicht jede*n ansprechen mag, ist die Kernbotschaft des Films doch klar: es braucht unbedingt und überall auf der Welt queere Repräsentation, für die leider immer noch allzu oft gekämpft werden muss.

Hollywood: Was wäre, wenn eins die Geschichte von Hollywood in den 40ern und 50ern nach dem Zweiten Weltkrieg nochmal neu schreiben könnte? Diese Miniserie zeigt in 7 Episoden, dass es viel emanzipatorischer, repräsentativer und queerer gehen kann, als es die echte Geschichtsschreibung um die einstige Welthauptstadt der Filmindustrie je tat.

Weitere Tipps für 17 Netflix-Serien mit queerer Repräsentation könnt ihr hier nachlesen – der Artikel ist von 2019 und immer noch ist alles Genannte dort auch sehr sehenswert.

Disclaimer: Leider folgen viele Serien und Filme mit queeren Geschichten immer noch dem Stigma, dass es für die LGBTIQA*-Protagonist*innen u.a. kein Happy End geben darf. Viele Themen aus dem queeren Spektrum werden bisweilen in Filmjahren gezählt gar nicht thematisiert. Bitte passt deshalb auf euch auf, und lest u.U. weitere Rezensionen bevor ihr etwas anschaut, um euch ein Bild zu machen, ob die Serien/Filme/Dokus etc. etwas für euch sind. Auch könnt ihr euch bei den Filmlöwinnen und der Queer Media Society weiter über Klischees, Repräsentation und queere Diskrimierung in den Medien informieren.

Dieser Blogpost ist Teil der 2020-Weihnachtsextravaganza: Ab Weihnachten täglich ein neuer Blog-Beitrag hier im Queer Lexikon. Neben diesem Blog produzieren wir als gemeinnützigeer Verein auch Infovideos, veröffentlichen Broschüren, betreuen einen anonymen Kummerkasten, moderieren den Regenbogenchat und vieles mehr. Wenn du Xenia, die diese Aktion verantwortet, mal eine Pause gönnen magst, kannst du ihr einen Ko-Fi ausgeben. Für Unterstützung für das Queer Lexikon gibts noch mehr Möglichkeiten.

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