Wie ein bunter Traum – oder: Wieso Repräsentation wichtig ist

Von unserer Geschäftsführung (und Viel-Leserin) Annika

Wieso ist es eigentlich so wichtig, dass es queere Repräsentation gibt? Sind Geschichten nicht für alle da? Und was heißt das mit der Repräsentation eigentlich genau?

Vor einigen Jahren outete sich eine meiner Lieblings-Youtuber*innen als bisexuell. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon lange geoutet, hatte queere Freund*innen, war in der queeren Community aktiv und beschäftigte mich jeden Tag mit sexueller, romantischer und geschlechtlicher Vielfalt. Und trotzdem freute ich mich unendlich darüber, dass eine coole Frau, der ich in meiner Kaffeepause beim Möbelbauen auf YouTube zuschaue, auch Teil der queeren Community ist.

Ich glaube fest daran: Repräsentation ist für uns alle wichtig. Ab und zu brauchen wir in den Medien, die wir konsumieren – in Filmen, Serien, You-Tube-Videos, Twitch-Streams, Comics, Video Games, Insta-Reels, TikToks, Zeitschriften, Romanen, Gedichten – Menschen, die sind wie wir. Wir brauchen queere Menschen in den Medien, die uns zeigen, dass es möglich ist, in einer Welt, die so häufig feindlich gegenüber queeeren Menschen gestimmt ist, zu existieren. Wir brauchen es manchmal, uns nicht ganz so alleine in der Welt zu fühlen. Und wir brauchen es manchmal auch zu sehen, dass queere Menschen glückliche und spannende Leben führen können.

Gerade in Medien für Kinder und Jugendliche sind Darstellungen von queeren Menschen aber noch sehr selten – vor allem abgesehen von lesbischen und schwulen Menschen. Dabei haben queere Kinder und Jugendliche, sowie Kinder aus Regenbogenfamilien es genauso verdient, ihre Lebensrealität zu sehen und Geschichten zu erleben, in denen sie und ihre Lebensrealität ganz normal sind.

Kinderträume

Und genau deswegen hat Juliane Seidel zwei Anthologien herausgebracht, also zwei Sammlungen mit queeren Geschichten, für Kinder und für Jugendliche, die ich hier kurz vorstellen will. Und nicht nur sind diese Bücher voller wunderschöner Zeichnungen und toller Geschichten, sondern der Gewinn der Bücher geht auch an das Queer Lexikon, damit wir weiterhin gute Arbeit machen können, damit die Welt für junge queere Menschen ein bisschen besser wird.

Die Anthologie ‚Kinderträume‘ ist 2022 erschienen und versammelt insgesamt neun Geschichten von verschiedenen Autor*innen. Das Buch ist für Kinder ab 10 Jahren geeignet, manche Geschichten können aber definitiv auch schon früher mit Kindern gelesen werden. In den Geschichten geht es z. B. um ein nichtbinäres Kind, das auf dem Mars lebt und gegen Diskriminierung kämpft, um magische Mäuse in einer Zauberschule, um eine held*innenhafte Rettungsaktion bei einer Mutprobe, um ein Abenteuer auf einer Regenbogeninsel, um magischen Kuchen, um Paralleluniversen und um einen goldenen Ritter. In den Geschichten finden sich Regenbogenfamilien, trans Kinder und schwule und lesbische Jugendliche. In manchen Geschichten sind die Charaktere einfach queer und es wird kein Aufhebens darum gemacht, in anderen geht es explizit um Themen wie Coming Out, Mobbing und queeren Aktivismus.

Teenie-Träume

In der Anthologie ‚Teenie-Träume‘ (ebenfalls 2022 erschienen) sind ebenfalls neun verschiedene Geschichten von verschiedenen Autor*innen enthalten. Das Buch ist für junge Menschen ab 12 Jahren gedacht. Wie auch bei den Geschichten für Kinder sind viele verschiedene Genres vertreten, darunter ein Märchen, eine Kurzgeschichte in Briefen, Fantasy oder Science Fiction. Es geht um Superheld*innen, Waldbesetzungen, Klassenfahrten, PC-Spiele, Schultheaterstücke, Krähen und griechische Gottheiten und es spielen unter anderem nicht-binäre, schwule, aromantische, inter*, lesbische und agender Charaktere in den Geschichten eine Rolle. Dabei handeln mache Geschichten von schwierigen Themen, wie Mobbing, Verlust, Angst und Krankheit, in anderen geht es aber auch leichter zu.

In ‚Kinderträume‘ war meine Lieblingsgeschichte „Enthüllungskuchen“ von Judith Vogt. In dieser Fantasy-Geschichte rettet sich Anik vor zwei gemeinen Mitschüler*innen in eine magische Bäckerei und findet dort queere Freund*innen und transinklusive magische gender reveal cupcakes. Meine Lieblingsgeschichte in ‚Teenie-Träume‘ war „Quarantäne“ von Andi Bottlinger. Die Geschichte spielt bei einer Waldbesetzung, bei der eine Gruppe queerer Menschen versuchen, einen Wald zu retten und nebenbei Solarzellen konstruieren und eine sorgende Gemeinschaft aufbauen, in der alle Menschen akzeptiert und respektiert sind. Die Hauptfigur, Ayla, kommt als Spion*in für die Regierung in die Besetzer*innen-Szene – aber was passiert, wenn Ayla sich mit den Besetzer*innen anfreundet?

Ich freue mich so sehr, dass heute alle Kinder und Jugendlichen von bunten und queerinklusiven Geschichten profitieren können: Cisgeschlechtliche, heterosexuelle und allosexuelle bzw. -romantische junge Menschen können etwas über Lebensrealitäten lernen, die nicht ihre eigenen sind. Und queere junge Menschen können sich endlich repräsentiert sehen und mit ihren Fragen und Problemen nicht mehr ganz so alleine fühlen wie früher.

Hier könnt ihr mehr über die Anthologien erfahren und sie kaufen: https://www.koriko.de/wie-ein-bunter-traum/

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