Kummerkastenantwort 6.070 – Meine Mutter und meine restliche Familie sind queerfeindlich und akzeptieren mich nicht, das macht mir Angst.
Hi, ich bins wieder, Riley
Ich hab mich vor ca. einem Monat bei meiner Mutter per Brief als queer geoutet. Aber nur die Tatsache das ich Frauen mehr liebe als Männer. Sie war dann recht misstrauisch und hat mir verboten auf demos zu gehen und so was. Sie wusste auch nicht so genau was das ist und so und hat mit auch solche Webseiten die mit Queerness zu tun haben gesperrt (ich kann so ein bisschen programmieren deswegen hab ich die Sperre bei den meisten Chats wieder raus bekommen) ein paar wochen später hab ich dann noch gesagt das ich mich nicht als Mädchen fühle und ein paar Beispiele aus meiner Kindheit genannt woran ich das dann auch verfestigt habe. Sie hat dann gemeint das ist ne Phase und alles Schwachsinn. Das ihre TOCHTER kein Junge ist. Ein paar weitere Wochen später hab ich dann gesagt ich wäre nonbinär und würde gerne Riley genannt werden. Da hat sie mich angeschrieben das sie mir einen Namen gegeben hat und der bleibt auch und hat sich total aufgeregt das es doch viel zu viele Labels gibt und das man sich heutzutage als wirklich alles indentivizieren kann und so. Und anscheinend hat sie früher jemanden mal gekannt der auch Riley geheißen hat und der war sehr erfolgslos im Leben und sie möchte halt nicht das ich auch so werde.
Meine Mutter hat sich bei solchen Gesprächen immer als queerfreundlichstes Familienmitglied herausgegeben. Bei meinen anderen Familienangehörigen denke ich des dann schon auch Teller oder Hausschuhe fliegen könnten. Da gabs auch mal ne queere Hochzeit in der Familie und mein Vater hat die Hochzeitseinladung zerschnitten und in den Müll geworfen. Leider hab ich keinen Kontakt zu dem Paar aufbauen können (und dürfen). Ich hab jedenfalls Angst das ich wenn ich später mal leben kann wie ich leben will dass ich dann genauso von der Familie verstoßen werde wie dieses Paar…
Heyyo Riley,
entschuldige bitte, dass unsere Antwort länger gebraucht hat! :/
Ich kann mir vorstellen, dass das alles richtig schwer ist und es ist einfach eine mega unfaire Situation. Du machst aber nichts falsch, nur weil deine Mutter sich so ablehnend verhält und deine Identität nicht verstehen möchte. Du hast jedes Recht, dir einen Namen zu geben, mit dem du dich identifizieren kannst!
Die Angst, irgendwann wie das queere Paar in deiner Familie abgestoßen zu werden, ist total nachvollziehbar. Leider passiert das manchmal. Aber das heißt nicht, dass du allein bleiben musst. Es gibt viele Menschen, die dich genauso akzeptieren, wie du bist – Freund*innen, queere Gruppen, Beratungsstellen, Online-Communities. Sich Stück für Stück ein Netz außerhalb der Familie aufzubauen, kann sehr viel Halt geben. Auch wenn es gleichzeitig verletzend ist, von der eigenen Familie abgelehnt zu werden.
Falls Gespräche mit deiner Mutter zu schmerzhaft oder gefährlich sind, ist es okay, Pausen einzulegen und nicht alles auf einmal zu klären. Du darfst Grenzen setzen und dich schützen. Gleichzeitig kannst du kleine Schritte gehen, wenn du möchtest, indem du ihr ruhig erklärst, dass dir der Name Riley wichtig ist und dass es dir nicht darum geht, sie zu provozieren, sondern ehrlich zu dir selbst zu sein. Vielleicht braucht sie lange, um das zu verstehen – aber ihre Schwierigkeiten ändern nichts daran, dass du wertvoll bist und ein gutes Leben vor dir hast. Du bist nicht dazu bestimmt, „erfolglos“ zu sein, nur weil deine Mutter eine negative Erfahrung mit jemand anderem verbindet!
Es kann hilfreich sein, wenn du dich an eine passende Beratungsstelle in deiner Nähe wendest, die können nochmal anders und besser helfen und dir auch konkrete Unterstützung anbieten.
Queere Grüße und gutes Durchhalten, Kay


