Kummerkastenantwort 6179 – Ich gebe mich männlich, damit ich ernst genommen werde, habe aber kein Problem damit eine Frau zu sein.

Hallo liebes Kk-Team,

ich denke schon etwas länger über mein Geschlecht nach.

Ich habe das Gefühl, dass es erst anfing als ich nicht mehr auf eine Mädchenschule ging, obwohl ich mich davor auch nicht in der typisch weiblichen Rolle gesehen habe.

Ich habe das Gefühl, dass ich nicht typisch weiblich bin oder besser gesagt, nicht typisch weiblich sein/ herüberkommen möchte.

Ich stelle mir schon etwas länger die Frage, ob ich trans sein könnte.

Das Problem ist nur, dass ich (eventuell) manchmal nur männlich herüberkommen möchte, damit andere mich so behandeln, wie sie aus meiner Sicht Jungs behandeln. zb mutig

Ich mag es irgendwie selbst an mir nicht, dass ich so konservativ und vorurteilshaft denke.

Ich merke es im Unterricht, dass es okay ist, als weiblich gelesene Person als Beispiel vor der Klasse nicht reden zu wollen und irgendwie fühlt sich diese Trennung schlecht an.

Außerdem habe ich eher weibliche Freunde und ich habe (als ich sehr viele Teile des Internets durchgeschaut hatte zum Thema trans) gehört, dass sich manche schon länger mit dem „anderen“ Geschlecht (ich rede jetzt nur von transbinären Leuten) identifiziert haben und auch in dem Freundeskreis waren, in dem es größtenteils Person mit dem „anderen biologischen Geschlecht“ gab.

Ich kleide mich generell unisex bis eher typisch männlich, bloß weiß ich nicht, ob das daher rührt, dass mir die Klamotten gefallen oder da ich von anderen als männliche Person gelesen werden möchte. Ich habe versucht aktiv das tiefer reden zu üben und mir die Haare kurz geschnitten, also eher unisex, damit es nicht zu eindeutig ist. Und wenn ich draußen rumlaufe, achte ich auch meist darauf, dass mein Oberkörper relativ flach aussieht, bzw mache ich meine Schultern etwas nach vorne, wenn ich laufe.

Letzens hatte ich ein Praktikum und wurde mit Frau angesprochen und das machte mir weniger aus als ich dachte.

Ich wollte mir das von der Seele schreiben und hoffe, dass jemensch eine Idee hat, wie ich auf eine Antwort komme.

Nic

Guten Tag,

ich sag mal so. Nicht so super viele Leute machen so super viele Gedanken über ihr Geschlecht, probieren sich derart aus und versuchen für ihren Alltag zu passen, wenn auch nur zu Anlässen, die ich nicht trans oder nicht binär oder genderfluid sind. Solls geben, aber naja, ich stelle mal vorsichtig in den Raum, dass das eher die Ausnahme wäre.

Gleichzeitig: ich finde das schon nicht verkehrt, wie du das angehst. Du stellst „was brauch ich jetzt?“ und „was tut mir gut?“ deutlich vorne an gegenüber „weches label passt da jetzt?“ oder „bin ich vielleicht trans?“. Und das fällt vielen oft schwer. Das ist dann so ein Ding von, wenn ich wüsste, dass ich trans bin, würde ich all die Dinge tun. Aber wissen tut mans nicht und dann naja, stehen sich Leute da manchmal ein bisschen selbst und ihrem Glück im Weg. Du dagegen hast das in der Reihenfolge direkt redensartlich umschifft. Und wenn du dich auf die Art und Weise weiter vortastest, vielleicht auch für Namen, für Pronomen, für Hormone, für was auch immer, kommt vielleicht auch irgendwann der Moment, wo du dir gezielt Gedanken über ein Label machen wirst. Label haben muss niemand, insofern ist da kein Stress hinter. Gutes Leben haben sollten wir alle und ich glaube, das wird bei dir nach und nach.

Liebe Grüße
Xenia

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Eine Antwort

  1. M. sagt:

    Hallo ^-^

    Ich möchte dir von meiner ähnlichen Erfahrung erzählen. Vielleicht hilft dir das irgendwie weiter.

    Als junges Menschi habe ich angefangen zu merken, dass etwas „nicht stimmt“. Ich hab lieber Männerklamotten getragen, versucht einen flachen Oberkörper zu präsentieren. Das hat sich sehr gut angefühlt. Leicht weibliche Klamotten waren noch okay für mich. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eher so ein Zwischending bin. Weder das eine, noch das andere. Am Liebsten wollte ich nichts sein. Neutral. Androgyn zu sein war mein Ziel. Im Hinblick auf die Gesellschaft/Zukunft wusste ich aber, dass das nichts „safes“ ist. Ich beschritt also den ftm Trans* Weg. Das hat sich auch gefestigt. Mein Deadname, die falschen Pronomen… das zu hören tat alles weh. Aber ich hatte immer im Hinterkopf, dass das trotzdem nicht „Ich“ bin. In meiner konservativen Umgebung hatte ich allerdings super viel Angst, das überhaupt zu erwähnen. Inzwischen, nach Hormonen und vielen OPs, hat sich das etwas geändert. Aufgrund meiner relativ hoch gebliebenen Stimme werde ich vor allem am Telefon oft als Frau angesprochen. Das stört mich überhaupt nicht. Ich hab auch nicht viel unternommen um super männlich zu wirken. Alles was ich wollte war im Endeffekt ein Bart xD Inzwischen besitze ich auch einige „Frauen“klamotten und ziehe sie zuhause gerne mal an. Einfach weil ich sie cute finde und mich drin wohl fühle. Dennoch möchte ich gern „male“ bleiben. Ein Label habe ich mir schlussendlich nie gegeben.

    Nun zu meinem eigentlichen Punkt: Vor den Hormonen, Namensänderung, etc. hatte ich die Therapie für meine ftm Gutachten. In den Sitzungen wurde mir öfter erklärt, dass es gaaanz viele Varianten von Menschis gibt. Manche möchten einfach nur maskulin sein ohne sich als Trans* zu sehen. Manche möchten nur eine OP für einen flachen Oberkörper und sind sonst super zufrieden. Es gibt Menschis, die gerne Hormone für einen tiefere Stimme und Bart haben möchten. Ebenso bei den geschlechtsangleichenden OPs. Es gibt niemanden, der einen zwingt bis „zum Ende“ zu gehen. Es gibt auch viele, die sich für beide Geschlechterparts entscheiden (und das in jeglichen erdenklichen Kombinationen).
    Die Person mir gegenüber hat womöglich schon gespürt, dass tief in mir etwas anderes ist. Als mir das oben genannte erklärt wurde habe ich sofort gedacht: Ja, das bin ich. Ich will eigentlich nur einen flachen Oberkörper, Bart und eine tiefere Stimme. Aber aus Angst, dass mir das Gutachten verwehrt wird habe ich nichts gesagt. Das wäre für mich zum damaligen Zeitpunkt viel schlimmer gewesen.
    Im Endeffekt war das aber Quatsch. Ich hätte ruhig sagen können, was ich wirklich fühle. Auch wenn sich das für einen erstmal nach totaler Verwirrung anhört. Jemand da draußen hat bereits diesen Weg beschritten. Und dieses Wirrwarr einfach gelebt. Schließlich ist das vollkommen in Ordnung. Probier dich aus, sei einfach wie du bist und was sich gut anfühlt. Heute so. Morgen so. Du bist du. Egal wie.

    Liebe Grüße, M.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.