Kummerkastenantwort 6426 – Ich bin verwirrt von meinem Gender

Hallo ihr, ich hoffe euch geht’s allen gut und falls nicht fühlt euch gedrückt 🤗

Danke, dass es diesen Kummerkasten und insgesamt eure Website gibt, eure Arbeit ist so wertvoll, danke dafür🙏



Ich melde mich weil mich mein Gender sehr verwirrt.

Ich bin afab und 17 Jahre alt und fühle mich aber oft unwohl, wenn ich als Frau, Dame oder Mädchen bezeichnet werde. Zudem habe ich eine Tokophobie weshalb ich auch keine Elternperson werden möchte (was laut manchen gegen die Natur des weiblichen Körpers und der Frau ist) und zudem bin ich noch neurodivergent weshalb ich vielleicht einfach auch das Konzept von Geschlechterrollen nicht verstehe.

Ich habe einfach das Gefühl, dass ich der Rolle als Frau nicht gerecht werden kann, ich kann und will es einfach nicht. Ich weiß aber eigentlich auch, dass ich kein Mann bin. Jedoch habe ich oft den Wunsch z.b. eine tiefere Stimme, leichten Oberlippenbart und eine flache Brust zu haben und am liebsten würde ich auch keine Gebärmutter und Eierstöcke haben. Aber das ist Wunschdenken.

All das verwirrt mich und ich überlege, ob ich nichtbinär/agender/genderqueer bin, weil ich mich weder mit Frau sein noch mit Mann sein identifizieren kann (tut mir leid, ich weiß, dass das dieses Denken Geschlechterrollen nur verfestigt und nicht abschafft). Allerdings weiß ich ja, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist und ich vielleicht einfach eine Frau bin, die sich dem Frauenbild widersetzt, auch wenn ich das Wort Frau und Mädchen mit mir einfach nicht verbinde? Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich nun genau in dem Alter zwischen Kind sein und Erwachsen sein befinde und deshalb so unsicher bin? (Allerdings struggle ich mit meiner Geschlechtsidentität schon seitdem ich 13 bin)



Was sagt ihr dazu und habt ihr Tipps wie ich herausfinden kann ob ich cis, also eine Frau bin?

Hallo!

Das klingt ganz schön schwierig für dich, das alles auseinanderzusortieren. Was mir wichtig ist: Du musst keiner Rolle als Frau gerecht werden, obwohl die Gesellschaft das einem oft suggeriert. Aber: Rollenbilder sind immer unerreichbare Idealtypen, das heißt da kann man sowieso nur verlieren. Und: Die Tatsache, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist, macht es nicht weniger real, es kann uns trotzdem beeinflussen. Das heißt, es ist völlig valide, dass du dich fragst, wie du da reinpasst, oder eben nicht.
Von dem, was du beschreibst, würde ich sagen kann es gut sein, dass du nichtbinär/agender/genderqueer bist. Grade dass du dich schon so lange damit beschäftigst, kann ein guter Hinweis sein. Natürlich können wir dir nicht sagen, was deine Geschlechtsidentität ist, sondern das Label kannst du nur selbst bestimmen. Wie geht es dir denn, wenn du diese Labels für dich ausprobierst? Vielleicht magst du dir online mal ein paar Erfahrungsberichte von Menschen anschauen, die diese Labels verwenden, und schauen, ob du dich in manchem davon wiedererkennst? Du kannst auch unserem Regenbogenchat beitreten und dich mit anderen queeren und questioning Jugendlichen austauschen, wenn du möchtest. Ich wünsche dir alles Gute!

Viele Grüße
Hannah

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