Kummerkastenantwort 6595: Bin ich graygender oder will ich nur Aufmerksamkeit?
Hi, ihr hilfreichen menschen, danke für eure tolle, wichtige Arbeit hier.
Ich bin 14, bi und total verwirrt in Bezug auf Geschlecht.
Ich habe erst vor kürzerem angefangen mich mit dem Thema Geschlechtsidentität auseinaderzusetzen, glaube allerdings, dass ich ich schon länger nicht ins binäre geschlechter verhältniss passe. Aber von vorne:
Ich habe schon immer und ganz grundsätzlich eine Abneigung gegen Geschlechterschpezische Stereotypen (das habe ich wahrscheinlich vor allem meiner links, fiministischer Erzihung zu verdanken). Ich habe nie „typisch weibliche Kleidung“ getragen und ab und an wissen die Leute nicht ob sie mich als weiblich oder männlich lesen sollen, was ich schon als kleines kind gemocht habe. Aber ich glaube nicht das ich ein problem damit hatte, viiiiieleicht auch immer noch nicht habe, dass ich mich alle als mädchen kennen. Und ich finde meinen körper auch ganz in ordnung.
Ich habe mich die letzten tage in die Recherche und nächtelange Grübelei gestürtzt und ich glaube mir gefallen die Labels graygender und demigirl. Ich habe aber das gefühl zu wenig darüber zu wissen.
Ich habe Angst, dass es einfach nur eine phase ist, das ich meine Geschlechtsidentität in Frage setelle. Denn ich beschäftige mich erst so intesiv mit dem Thema seit ich ein buch gelesen habe dessen Hauptfigur Trans ist. Und ich habe schon öfters meine Ansichten, Interessen und meine Art geändert nach dem ich ein gutes Buch gelesen habe.
Mir geht es auch psychisch nicht sonderlich gut, ich verberge dies allerdings so gut, dass nicht einmal meine Therapeutin alles weiss und ich kann es ihr nicht erzählen da ich nicht die richtigen Worte dafür finde.
Was wenn ich also nur Aufmersamkeit will um zu zeigen, dass mit mir etwas nicht „normal“ ist, anders?
Leo
PS: sorry das die Nachricht so lang und Verwirrlich geschrieben ist.
PPS: wo finde ich mehr Infos zu dem Ansatz: „Geschlecht: ein soziales Kostrukt?
Hallo Leo,
Es ist völlig in Ordnung, dass du dein Geschlecht hinterfragst. Oft brauchen wir ja einen Auslöser, wie z. B. ein gutes Buch, um überhaupt auf die Idee zu kommen, dass es Worte für das gibt, was wir fühlen, das ist okay. Du schreibst, dass es schon Labels gibt, die dir gefallen. Du darfst dir einfach in Ruhe Zeit nehmen, über diese Labels zu recherchieren, sie auszuprobieren, dich mit Leuten auszutauschen, die diese Labels verwenden, und schauen, wie du dich damit fühlst. Wenn du die Labels dann weiterhin magst, kannst du sie weiter verwenden. Wenn du feststellst, dass sie doch nicht so gut zu dir passen, darfst du deine Labels wieder ändern. Das ist voll okay.
Und: Bisher scheinen diese Gedanken ja nur in deinem Kopf zu sein, du teilst sie nichtmal mit deiner Therapeutin. Ich würde sagen, das ist ein ziemlich guter Hinweis dafür, dass du es nicht „nur für Aufmerksamkeit“ machst, sondern dir ernsthaft Fragen stellst. Und: Wir alle benötigen manchmal mehr und manchmal weniger Aufmerksamkeit und verdienen es, die von den Menschen in unserem Leben auch zu bekommen. Ich hoffe, dass du mit deiner Therapeutin einen guten Weg finden, du dich ihr oder anderen Menschen in deinem Leben anvertrauen kannst und dass du eine Möglichkeit findest, wie es dir psychisch besser gehen kann (auch unabhängig davon, welche Label du letztendlich nutzen möchtest). Ich wünsche dir alles Gute!
Viele Grüße
Hannah


