Kummerkastenantwort 6596: Ich habe wenig bis kein Bedürfnis nach Sex und es belastet meine Beziehung
Als junges Mädchen habe ich mitgemacht, wenn andere für einen Jungen geschwärmt haben. Sexuelle Gedanken waren da nie dabei. Zum ersten Mal verliebt war ich mit 19 – ich habe mich nach Nähe gesehnt, aber nicht nach Sex. In meiner ersten Beziehung mit 21 gab es Sex, aber ich empfand sie schnell als Pflichterfüllung. Im Verlauf hatte ich 2-3 One-Night-Stands, die waren aufregend. Aber das Gefühl „ich brauche Sex“ war da nicht dabei. Mit 28 fand ich meinen aktuellen Partner – mit ihm hatte ich im ersten Jahr tatsächlich viele Momente, in denen ich Sex wollte, tatsächlich auch sexuell Nähe suchte und Verlangen empfand. Ich dachte, oh cool, so gehts auch, doch alles okay! Ein Jahr später brach es dann ein, ich konnte plötzlich nicht mehr, fühlte mich unter Druck. Ich suchte sogar einen Sexualtherapeuten – das ganze Gerede über sexuelle Wünsche machte mich aber schnell völlig verrückt. Und immer der Fokus auf mir: Mit dir stimmt was nicht! Es kamen trotzdem zwei Kinder, wir fanden unseren Weg. Trotzdem dazwischen immer wieder die Frage, warum ich denn nicht richtig will. Ich suchte Ausflüchte – Stress, Stillen, Schlafmangel… Mein Partner fühlt sich trotzdem verletzt und nicht wahrgenommen. Er wirft mir wiederholt vor, seine Bedürfnisse zu missachten. In den letzten zwei Jahren hatten wir praktisch keinen Sex mehr und er drängt mich nicht. Aber die potentielle Frage, sein Wunsch nach wieder Sex, schwebt praktisch jeden Tag über mir. Nun frage ich mich – wo ist mein Bedrüfnis dazu hin? Was ist normal? Bin ich vielleicht a- oder demisexuell? Oder ist es ganz okay nach zwei Kindern nicht mehr zu wollen? Warum muss Sexualität überhaupt definiert sein? Und wie findet man wieder zueinander?
Hallo!
Es kann ganz viele verschiedene Gründe geben, warum du kein Bedürfnis nach Sex hast. Das ist völlig in Ordnung und du schuldest niemandem, Sex zu haben, wenn du das nicht möchtest! Wenn asexuell oder demisexuell Begriffe sind, in denen du dich wiederfindest, darfst du die gern benutzen. Du bist definitiv nicht allein mit deinem Erleben! Vielleicht kann es dir auch helfen, dich mit anderen Personen auszutauschen, denen es ähnlich geht?
Wir sind nicht medizinisch ausgebildet, das heißt, ich kann zu möglichen medizinischen Gründen, nicht so viel sagen. Wenn du das möchtest, kann es aber auch Sinn machen, dass du abklärst, ob bei dir körperlich alles in Ordnung ist. Du kannst z. B. auf Queermed nach einer sensibilisierten Praxis suchen. Es klingt für mich auch, als ist bei dir schon ein Leidensdruck vorhanden, dann kann es Sinn machen, sich da therapeutisch begleiten zu lassen. Vielleicht könnte dir das helfen, dich selbst und deine Wünsche zu sortieren, oder ihr könntet euch als Paar begleiten lassen, wenn das etwas ist, was ihr euch vorstellen könntet? Lass dich bitte zu nichts drängen, was du nicht möchtest, es ist dein gutes Recht, nein zu sagen! Ich wünsche dir alles Gute!
Viele Grüße
Hannah


