Kummerkastenantwort 274: Bin ich nichtbinär?

Hallo alle zusammen,

also meine Frage ist: Bin ich Nonbinär? Ich bin 18 und kann es nicht ganz sicher Sagen denn ich will Mädchen UND Junge sein. Mir gefällt beides sehr. Ich fühle mich auch nicht im Falschen Körper aber mögen tu ich ihn auch nicht sonderlich. Ich bevorzuge es aber auch wenn man mich eher mit Frau als mit Herr anspricht da ich eigentlich ein Mädchen bin. Wenn ich irgendwo online aber mein Geschlecht angeben muss wähle ich Männlich und bei Internetfreunden stelle ich mich auch mit einem anderen Namen vor als ich eigentlich heiße obwohl ich meinen echten Namen auch mag. Ich möchte auch oftmals das die Öffentlichkeit mich als einen Junge sieht und nicht als Mädchen. Kann es also sein das ich Nonbinary bin?

Hallo du,

es kann sehr gut sein, dass du nonbinary bist. Dein Geschlecht ist deins und nur du kannst entscheiden, was du daraus machst, wie du es beschreibst, wie du es präsentieren möchtest (z.B. durch Name, Kleidung, etc.) und was es für dich bedeutet.

Wenn der Begriff “nonbinary” sich für dich passend anfühlt, dann kannst du ihn gerne benutzen. “Nonbinary” bzw. “nichtbinär” ist ein Überbegriff für alle Geschlechter, die nicht ausschließlich nur männlich oder weiblich sind. Menschen, die sowohl weiblich als auch männlich sind, beschreiben sich manchmal als bigender. Auch dieser Begriff fällt unter den Überbegriff nonbinary. Um dich zu beschreiben, kannst du eins der beiden Wörter benutzen oder auch beide, oder du kannst dein Geschlecht in ganz andere Worte fassen – ganz so, wie es sich für dich am besten und passendsten anfühlt.

Auf jeden Fall machst du nichts verkehrt, und es ist schön, dass du auf unterschiedliche Art und Weise mit Geschlecht spielen kannst und dich ausprobieren kannst. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute damit! Melde dich gerne bei uns, wenn du weitere Fragen hast oder wenn du uns in einer Weile erzählen möchtest, wie es dir ergangen ist. 🙂

Viele Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 273: Ich bin gleichzeitig binär und nicht-binär trans?

Hallo! Ich versuche schon seit fast einem Jahr herauszufinden, ob ich trans bin. Irgendwie möchte ich gleichzeitig ein binärer trans Mann und nichtbinär sein… Geht das überhaupt? Ich fühle mich mit beiden Labeln wohl, und wenn ich versuche, mich für eines zu entscheiden, bin ich irgendwie enttäuscht, weil ich dadurch das andere aufgebe. Außerdem habe ich ständig Selbstzweifel, weil ich das Gefühl habe, dass ich mir das alles nur einrede und dass ich in Wirklichkeit cis bin. Ich bin schließlich schon fast 20, und wenn ich wirklich kein Mädchen bin, hätte ich das nicht viel früher merken müssen? Könnt ihr mir helfen?

Hallo du,

erstmal vorneweg: Es gibt kein richtiges Alter, um herauszufinden, dass du trans bist. Dass alle trans Menschen das schon ab ihrer Kindheit wissen, ist ein Mythos – viele finden es in ihrer Pubertät heraus, andere erst Jahre später, wenn sie Zugang zu den richtigen Begriffen und Communities bekommen, und manche merken es erst sehr spät im Leben. Du bist also keinesfalls “spät dran”, sowas gibt es dabei gar nicht.

Ich verstehe aber diese Selbstzweifel auch. Viele queere Menschen haben die, das nennt sich “Imposter Syndrome” und gibt uns oft den Eindruck, dass andere Leute viel mehr trans/queer/nonbinary sind als wir selbst, dass wir uns das vielleicht alles nur einreden, weil wir dazugehören wollen etc. Du bist mit diesen Gefühlen nicht allein, aber das macht sie nicht wahr. Wer sich so viele Gedanken ums eigene Geschlecht macht, ist in den allerseltensten Fällen cis.

Und klar ist es möglich, gleichzeitig ein trans Mann und nichtbinär zu sein! Der Youtuber Aaron Ansuini z.B. identifiziert sich gleichzeitig als trans Mann und nichtbinär. Wenn bei dir beide Begriffe passen, dann gibt es keinen Grund, sie nicht beide zu verwenden. Labels sind dafür da, dir zu helfen, damit du dich besser erklären kannst, wenn du das Gefühl hast, dass beide Labels nützlich für dich sind, um dich besser zu beschreiben, dann darfst du sie selbstverständlich benutzen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Ich wünsche dir alles Gute!

Liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 272: Bin ich nicht-binär?

Hey,

Ich bin mir nicht sicher was ich bin. Denn in letzter Zeit versuche ich sehr stark wie ein Junge rüberzukommen. Biologisch bin ich ein Mädchen, habe früher aber schon kaum Kleider getragen oder generell Mädchenhafte Sachen. In der Schule habe ich später dann aber Kleider getragen weil es mir zu dem Zeitpunkt dann gefallen hat. Jetzt ist der Wunsch ein Junge zu sein aber wieder stärker geworden, es ist so das ich mich jetzt nicht im falschen Körper fühle aber ich möchte gern ein Junge sein aber als Mädchen gibt es halt auch Sachen die ich mag. Bin ich dann Nonbinary? Denn das haben mir bereits zwei Personen vor nicht all zu langer Zeit gesagt mit denen ich darüber geredet habe, aber ich kann bin mir überhaupt nicht sicher ob das stimmt. Könnt ihr mir damit vielleicht helfen?

Hallo du,

ob du nonbinary bist, kann dir leider niemand sagen – das ist etwas, was nur du selbst wissen kannst. Ich kann aber ein paar vielleicht hilfreiche Dinge sagen.

Zuerst mal ist es gar nicht so wichtig, ob die Kleidung, die du trägst, oder die Sachen, die du magst, eigentlich für Mädchen oder für Jungen gedacht sind. Diese Sachen müssen nicht unbedingt etwas mit deinem Geschlecht zu tun haben – das hat sich ja auch nur irgendwer ausgedacht, dass z.B. Kleider und rosa nur für Mädchen sind und früher war rosa eigentlich eine Jungenfarbe, und auch Jungen haben Kleider getragen. Und auch heute können alle Menschen alle Kleidung tragen, was sie wollen, ohne, dass es etwas mit ihrem Geschlecht zu tun haben muss. Viele männliche Stars tragen jetzt z.B. auf dem roten Teppich Kleider, Makeup, Nagellack, Schmuck usw. Das ändert aber nichts an ihrem Geschlecht.

Wenn du den Wunsch hast, ein Junge zu sein, dann bist du vielleicht einfach ein Junge, der auch Sachen mag, die “für Mädchen” gedacht sind. Das ist vollkommen okay.

Es kann aber auch sein, dass du nonbinary bist. Dieses Wort hat ganz viele Bedeutungen: Es kann z.B. heißen, dass du kein Junge und kein Mädchen bist, sondern irgendwas dazwischen, oder außerhalb von diesen zwei Geschlechtern. Es kann aber auch bedeuten, dass du nur teilweise ein Junge bist (das wird oft als demiboy bezeichnet), oder dass dein Geschlecht sich ab und zu ändert (auch “genderfluid” genannt), oder was ganz anderes, was nur du in Worte fassen kannst.

Wenn nichts von beidem sich wirklich richtig für dich anfühlt, ist das auch in Ordnung. Du musst nicht alle Antworten auf deine Fragen finden, vor allem nicht sofort. Es ist okay, sich eine Zeitlang (oder auch für immer) unsicher zu sein, wer du bist und welche Begriffe dich gut beschreiben. Wichtig ist einfach nur, dass du tust, was dir gut tut und Freude macht – das bedeutet auch, dass du dich anziehen darfst, wie du willst, dich ansprechen lassen darfst, wie es sich für dich richtig und gut anfühlt, und sowieso einfach ausprobierst, was dir gut passt und was sich nicht richtig anfühlt.

Dafür wünsche ich dir alles Gute und sende viele liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 271: Ich bin überfordert mit den vielen Definitionen von nonbinary

Hi,
ich hab mir mehrere Artikel über die verschiedenen Arten von nonbinary/genderfluid (kann man das so sagen) durchgelesen und bin jetzt n bisschen überfordert.

Ich hab mir die Definitionen von den “Unterarten “(ich weiß nicht wie ich es sonnst nennen soll) angeschaut und konnte mich irgendwie keiner wirklich zuordnen.
Ich bin biologisch gesehen eine Frau, aber fühlen tue ich mich als Mensch. Weder die Bezeichnung Mann oder Frau trifft für mich auf mich zu. Trotzdem sehe ich mich selbst nicht als was ganz anderes.
Mir war es auch immer schon egal ob ich jetzt als Männlich oder Weiblich angesehen wurde. Ich hab da auch so nicht wirklich drüber nachgedacht, aber trotzdem hat es mich bei z.B. Anmeldungen immer gestört, dass es dort nur die Auswahlmöglichkeiten Männlich, Weiblich und Keins standen, da ich mich, wie oben schon gesagt, nicht wirklich irgendetwas von den dreien zuordnen konnte.

Mittlerweile bin ich deshalb ziemlich verzweifelt, da ich keine Ahnung hab wo ich mich unterordnen kann.
Aus diesem Grund frag ich hier mal nach ob mir jemand, der vielleicht ein bisschen mehr Ahnung hat als ich, darauf antworten kann.

PS: Ich möchte keinen mit beider Ausdrucksweise beleidigen also falls sich jemand auf den Schlips getreten fühlt tut es mir wirklich leid

Hallo du,

zuerst mal ist es vollkommen okay, wenn du dich mit den Begrifflichkeiten nicht 100% auskennst, das ist keine Beleidigung oder so, du bist ja noch dabei zu lernen. 🙂

Außerdem kann ich sehr gut verstehen, dass du von diesen ganzen Begriffen und Definitionen überfordert bist – es sind immerhin ganz schön viele, und je nachdem, wen du fragst, haben viele dieser Labels ganz unterschiedliche Definitionen.

Welches Label denn jetzt das richtige für dich ist, das kann ich dir leider nicht beantworten, das kannst nur du wissen. “Mensch” ist schonmal ein sehr guter Begriff, mit dem du dich ja anscheinend auch gut beschreiben kannst.

Viele Menschen, die nicht so genau wissen, wohin mit sich, verwenden auch oft einen Überbegriff wie “genderqueer” oder “nonbinary”/”nichtbinär”, um sich zu beschreiben. Weil die meisten Leute eh nicht so genau wissen, was diese Begriffe bedeuten, kannst du ein mögliches Coming Out auch immer gleich benutzen, um zu erklären, was der gewählte Begriff für dich bedeutet. Zum Beispiel: “Ich sehe mich nicht als männlich oder weiblich, deshalb benutze ich das Wort ‘nonbinary’, um mich zu beschreiben.” Oder: “Ich bin genderqueer; das bedeutet für mich, dass es mir egal ist, als welches Geschlecht mich andere Leute sehen, weil ich einfach nur ich bin.”

Wenn sich aber diese Labels nicht gut anfühlen, musst du sie auch nicht benutzen. Du kannst dich auch z.B. entscheiden, vorerst oder für immer ganz auf Labels zu verzichten, oder du kannst dir auch selbst einen Begriff ausdenken, der dich gut beschreibt.

Was vielleicht helfen auch könnte wären Gespräche mit anderen Personen, die nonbinary sind. Oft hilft es, über eigene Erfahrungen zu reden, sie mit anderen zu vergleichen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu sehen. Das kann dir zeigen, was sich für dich passend anfühlt und in welcher Community du dich wohl fühlst. Möglichkeiten, mit anderen nonbinary Leuten in Kontakt zu kommen, gibt es z.B. in lokalen queeren Jugendgruppen, in Gruppenchats oder auf Social Media.

Ich wünsche dir alles Gute für deine weitere Suche und hoffe, du findest Worte, mit denen du dich wohl fühlst und die dir helfen.

Liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 270 – Wie funktioniert nonbinary top surgery in Deutschland?

TW: In dieser Nachricht geht es um Dysphorie, Operationen und die Darstellung von Trans-sein als Krankheit/psychische Störung.

Hey, ich bin L. und nonbinary. Zuerst einmal wollte ich euch danke sagen, dass ihr das alles hier macht, ich glaube das hat schon vielen Leuten extrem geholfen und man fühlt sich auch einfach ein bisschen weniger allein, einfach danke
Ich bin im weiblichen Körper geboren, aber kann mich damit überhaupt nicht identifizieren. Wenn, dann eher noch damit ein junge/Mann zu sein, aber auch das nicht wirklich. Ich identifiziere mich seit einiger Zeit jetzt schon als nonbinary, einfach weil es das einzige ist was sich wirklich vollkommen richtig anfühlt. Aber ich hab ein Problem. Ich hab extrem mit dysphoria zu kämpfen vorallem chest-dysphoria. Ich hätte nichts lieber als eine top surgery um eine flache Brust zu bekommen. Allerdings finde ich nirgendwo wirklich etwas darüber wie das in Deutschland ist, wenn man nicht eindeutig ein transmann ist und auf testosteron. Ich weiß dass man z. b. in Amerika teilweise auch als nicht binäre Person (und ohne testo) eine top surgery bekommen kann, aber wie ist das hier? Hab ich überhaupt eine Möglichkeit oder mach ich mir all die Hoffnungen total umsonst? Und vor allem wie und wo fange ich an? Ich weiß gar nicht was ich tun soll, nur dass ich das Gefühl habe so nicht mehr leben zu können, es muss sich etwas ändern, ich brauche diese top surgery, wirklich.

Ich hoffe ihr könnt mir irgendwie helfen, und danke schon mal im voraus, allein schon für’s bis hier hin durchlesen

Hallo L.,

Es gibt in Deutschland 2 Optionen, was eine Mastektomie (also top surgery) angeht:

Du kannst die Operation selbst zahlen, was teuer ist, aber in anderer Hinsicht weniger Barrieren hat. Die Kosten liegen in Deutschland je nach Operateur*in/Krankenhaus zwischen ca. 3500 und 8000 €. Als selbstzahlende Person macht es keinen Unterschied, ob du auf Testosteron bist oder nicht. Die meisten Ärzt*innen operieren auch Personen, die nicht auf Testo sind. Mit den genauen Anforderungen für eine Mastektomie als selbstzahlende Person kenne ich mich nicht aus und ich glaube es variiert auch von Ärzt*in zu Ärzt*in, was gefordert wird.

Die zweite Option ist, die Operation von der Krankenkasse zahlen zu lassen. In dem Fall entstehen für dich sehr viel weniger Kosten, weil die Krankenkassen Mastektomien übernehmen, wenn sie medizinisch notwendig sind. Dafür kann es sein, dass es um einiges länger dauert, bis zur OP, weil die Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragt werden muss und du dafür einiges an Unterlagen sammeln und erstellen musst.

Eine wichtige Info vorab: grundsätzlich können so viele Anträge auf Kostenübernahme gestellt werden, wie mensch will. Wenn die Krankenkasse einen Antrag ablehnt, kann Widerspruch eingelegt werden. Tipps dazu und Mustervorlagen finden sich in der Broschüre „Praxistipps“ vom Bundesverband Trans*.

Als Nachweis für diese Notwendigkeit fordern die Krankenkassen ein psychiatrisches/psychotherapeutisches Indikationsschreiben. Der erste Schritt ist also, eine*n Therapeut*in bzw. Psychiater*in zu finden, die*der dir ein Indikationsschreiben ausstellen kann, idealerweise eine Person, die schon mal mit trans Personen gearbeitet hat. Auf transmann.de/adressen/ findet sich eine Liste von Therapeut*innen, die Indikationsschreiben erstellen. Es lohnt sich aber auf jeden Fall auch, in lokalen trans und nicht-binären Gruppen nach Empfehlungen zu fragen, auch um einzuschätzen, ob die*der Therapeut*in nicht-binär-freundlich ist.

Für die Kostenübernahme ist es in der Regel notwendig, eine Diagnose gestellt zu bekommen. In Deutschland verwenden die Krankenkassen momentan noch die ICD-10, ein Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation. Es gibt schon ein Update, die ICD-11, aber die soll frühestens 2022 in der Praxis verwendet werden. Die Diagnosen für Transgeschlechtlichkeit im ICD-10 sind veraltet und pathologisierend (d.h. sie betrachten Trans-Sein als eine Krankheit bzw. psychische Störung). Die Diagnose, mit der du die besten Chancen hast, dass dein Antrag beim ersten Versuch angenommen wird, ist F64.0 „Transsexualismus“. Diese Diagnose wird oft als binäre Diagnose verstanden, weil darin von „dem anderen Geschlecht“ die Rede ist, sie kann aber so ausgelegt werden, dass es sich bei der trans Person nicht um „die andere Geschlechtsidentität“ sondern um „eine andere Geschlechtsidentität“ geht.

Die Sache mit dem Testosteron ist folgende: Wenn du einen Kostenübernahmeantrag an die Krankenkasse schickst, dann geben die den Antrag an eine Gruppe von Ärzt*innen weiter, die einschätzen sollen, ob die OP medizinisch notwendig ist. Das ist der so genannte Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK). Der MDK hat Richtlinien, an die er sich halten muss. Die Richtlinien zu trans OPs sind seit 2009 nicht mehr erneuert worden und deswegen steht dort noch drin, dass trans Personen vor einer Mastektomie mindestens 6 Monate auf Testosteron gewesen sein sollen – es sei denn, es gibt einen medizinischen Grund, der dagegenspricht. Hiergegen kann im Antrag argumentiert werden, denn in den aktuellen Behandlungsleitlinien, die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung 2018 veröffentlicht hat, wird eine Hormontherapie nicht als Voraussetzung gefordert. (Quelle, Seite 62) Das ist so auch in den Standards of Care festgehalten, die 2009 von der WPATH (World Professional Association for Transgender Health) veröffentlicht wurden. (Quelle, Seite 71)

Liebe Grüße,
Noah

Nachtrag von Balthazar: Ich hoffe, das war für einen ersten Überblick hilfreich. Melde dich gern wieder, wenn du noch mehr Fragen hast, und alles Gute für dich! <3

Kummerkastenantwort 265 – Bin ich nonbinary oder ein trans Mann?

TW: Hier geht es unter anderem um Dysphorie und Perioden

Hi Kummerkasten team hier ist C. 19 Jahre alt und afab.

Ich bin mir nicht sicher wie ich meine Frage ganz formulieren soll also beschreibe ich einfach mein Problem. Ich habe mich vor ca. nem halben Jahr als non binary geoutet und benutzte seit dem männliche Pronomen.

Ich stelle mir nun schon länger die Frage ob ich vllt doch ein Mann bin. Ich benutzte z.B. einen Binder und fühle mich damit sehr wohl. Ich trage auch maskuline Kleidung, Boxershorts und versuche als typ wahrgenommen zu werden.

Ich freue mich wenn mich andere für einen Jungen halten. Und habe Disphoria im Bezug auf meine Hüfte, Brust und meine Stimme.

So weit so gut aber es gibt auch dinge die nicht ganz dazu passen
z.B. habe ich eher wenig bis keine Disphoria mit meiner Periode ich mochte sie zwar noch nie und wäre glücklicher wenn sie nicht mehr da wäre aber ich bin an sie gewöhnt. Auch mein Verhalten passt nicht immer ganz denn ich mag es vom Charakter her eher ein Softboi zu sein als der maskulinste im Raum.

Ich habe einen nichtbinären Bruder und einen guten Trangender (ftm) freund. Ich vergleiche mich oft mit ihnen und bin noch viel verwirrter. Oft passt das was mein Bruder sagt gut zu dem wie ich mich fühle aber auch andersrum wenn mein ftm freund beschreibt wie er sich fühlt kann ich das nachempfinden.

Es ist wirklich schwer zu erklären aber ich wäre gerne ein Junge, bin mir aber nicht sicher ob ich auch einer bin. Ich weiß das ich eine Mastek möchte und das ich Testo nehmen will (eher eine kleine Dosis) aber weiß nicht ob das so gut ist bevor ich mir nicht 100% sicher bin.

Ich finde ebenfalls meinen Namen gut (er ist Unisex) weiß aber nicht ob ich ihn ändern soll weil er sehr feminin klingt und mich das manchmal stört oder ob ich mir nur einen maskulineren zweitnamen zulegen soll.

Ihr seht ich habe viele Probleme und Bin sehr verwirrt ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen
Danke im voraus für die Antwort
Lg. C.

Hallo C,

es ist voll okay, dir nicht ganz sicher zu sein – manchmal verschwimmen die Grenzen, die wir zwischen den Geschlechtern gezogen haben, und es stellt sich heraus, dass wir vielleicht alle gar nicht so verschieden sind und dass Geschlecht nur ein Faktor von vielen ist, der uns ausmacht.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die nichtbinäre Erfahrungen und die trans Mann Erfahrungen sehr viele Überschneidungen für viele Menschen haben. Es gibt viele Menschen, die nichtbinär sind und Zugriff auf OPs und Hormone brauchen, um sich wohl zu fühlen. Es gibt außerdem trans Männer, die z.B. vor einer OP zurückschrecken oder sich bewusst gegen eine entscheiden. Es gibt nicht die eine Art und Weise, trans oder nichtbinär zu sein, und alle wählen unterschiedliche Wege, haben unterschiedliche Empfindungen und gehen unterschiedlich damit um. Es ist z.B. auch nicht zwingend so, dass alle trans Männer Dysphorie wegen ihrer Periode haben, oder dass eine solche Dysphorie ein Zeichen dafür ist, dass eine Person ein trans Mann ist. Manche trans Männer haben recht wenig Dysphorie, manche nichtbinäre Menschen sehr viel. Manche nichtbinäre Menschen möchten gern super maskulin oder feminin sein, manche trans Männer möchten nicht dem männlichen Stereotyp entsprechen, sondern lieber selbst bestimmen, was es für sie bedeutet, ein Mann zu sein. Wenn wir so lange dafür gekämpft haben, dass Männer auch Kleider, Makeup und Nagellack tragen dürfen, auch Gefühle zeigen und einfühlsam sein dürfen, auch verletzlich sind – warum sollte das dann nur für cis Männer gelten und nicht erst recht für trans Männer?

Ob du nun nichtbinär oder ein trans Mann bist, das kann ich dir leider nicht beantworten, da musst du herausfinden, was sich am besten anfühlt. Vielleicht was dazwischen, wie z.B. “demiboy“? Oder vielleicht kann dir der Youtuber Aaron Ansuini helfen – er bezeichnet sich als beides, trans Mann UND nichtbinär, und sagt, dass seine Nichtbinarität etwas ist, was er zusätzlich zu seiner trans Männlichkeit in sich trägt. (Aaron ist sowieso ganz toll und macht super videos!)

Was solche Maßnahmen wie Mastek und Testo betrifft: Zum einen ist es vielleicht gut, wenn du dich über beides ausführlich informierst, bevor du da irgendwelche Schritte einleitest. Die Wirkungen von Testosteron sind größtenteils wieder rückgängig zu machen, wenn du damit aufhörst, aber bei einer Mastek ist das schon was anderes. Testosteron kann ganz verschiedene Auswirkungen haben und du solltest dir Gedanken darüber machen, ob du mit allen einverstanden bist. Ich traue dir allerdings zu, dass du dich gut informierst und auch schon informiert hast. Und dann frage dich: Hängt die Entscheidung, was für Maßnahmen du ergreifen willst, denn überhaupt davon ab, welches Label du für dein Geschlecht verwendest? Es klingt für mich so, als wäre die Entscheidung mit der Mastektomie und dem Testosteron für dich schon getroffen und du klingst sehr sicher darüber, obwohl du über dein Geschlecht unsicher bist. Die Maßnahmen, die du ergreifen willst, können für dich gut und richtig sein, egal wie du dich bezeichnest. Es ist aber gut, dass du deine Unsicherheit nicht einfach ignorierst, sondern zu Wort kommen lässt. Es ist gut, erst mehr Sicherheit für diese Entscheidungen zu gewinnen, bevor du diese Schritte machst.

Und zuletzt zu deinem Namen: Wie wäre es, wenn du dir z.B. einen Zweitnamen zulegst, der etwas maskuliner ist als dein jetziger, und eine Weile lang ausprobierst, ob der neue Name sich besser anfühlt als dein bisheriger? Dann hast du in Zukunft beide Optionen und kannst dir aussuchen, ob Leute dich lieber mit deinem bisherigen Namen oder mit deinem neuen Zweitnamen ansprechen sollen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig bei deinen Fragen helfen und ich wünsche dir alles Gute!

Viele Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 252 – Bin ich ein Junge oder will ich nur einer sein?

Hallo Queerkumerkasten-Team,

ich bin 15 Jahrealt und biologisch gesehen ein Mädchen aber ich denke zurzeit oft darüber nach ob ich vielleicht ein Junge bin.
Ich sehe äußerlich wegen meinen kurzen Haaren und meinem Klamottenstyle aus wie ein Junge. Also alle Personen die ich neu kennenlernen denken ich wär männlich und sprechen mich auch mit männlichen Pronomen und allem an. Was mich verwirrt:
Ich sah als Kind schonmal aus wie ein Junge(hatte früher kurze dann lange und jetzt wieder kurze Haare) und es hat mich damals immer gestört wenn andere dachten ich wäre ein Junge. Teilweise stört es mich heute immernoch. Vor paar Monaten hab ich erst angefangen mein Geschlecht zu hinterfragen. Aber wenn ich ein Junge bin würde es mich dann stören wenn fremde mich für einen Jungen halten?

Weshalb ich mir auch nicht sicher bin onöb ich Trans bin: Ich wäre gerne ein Junge aber das bedeutet ja nicht gleich das ich Trans bin weil Trans bedeutet ja das man sich so fühlt und ich bin mir nicht sicher ob ich mich wie ein Junge fühle oder nur gerne einer wär.
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen
Lg J

Hallo J,

deine Frage ist schwer zu beantworten – niemand außer dir weiß, ob du ein Junge bist oder ob du trans bist, das kannst nur du wissen. Es ist auch sehr schwierig zu beschreiben, wie es sich denn anfühlt, ein Junge zu sein – ich glaube, das ist für alle anders, egal, ob sie cis Jungen sind (also auch bei der Geburt schon männlich zugewiesen) oder trans Jungen. Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied für dich gibt, ob du “nur” gerne ein Junge wärst oder ob du einer bist. Es kann gut sein, dass das das gleiche ist.

Du sagst allerdings auch, dass du dich früher wie heute nicht immer ganz wohl fühlst, nur als Junge gesehen zu werden. Das könnte vielleicht daran liegen, dass du zwar trans bist, aber vielleicht nichtbinär? Das bedeutet dass du nicht ganz, nicht immer, oder nicht ausschließlich ein Junge oder ein Mädchen bist. Manche Menschen bezeichnen sich z.B. als “demiboy”, wenn sie zeigen möchten, dass sie sich zwar als Junge sehen oder so präsentieren, aber eben nicht immer 100% Junge sind, sondern nur manchmal oder nur teilweise. Es kann ja durchaus sein, dass das besser für dich passt.

Vielleicht hilft es dir am ehesten, dich einfach mal auszuprobieren: Du kannst z.B. Leute bitten, dich auf eine bestimmte Weise anzusprechen, mit einem bestimmten Namen oder Pronomen (z.B. “er”) und zu schauen, ob du dich damit wohl fühlst, und wenn nicht, was sich für dich besser anfühlen würde.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deiner Suche und wünsche dir alles Gute!
Liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkasten Antwort 248 – Kann ich mehrere Identitäten/Labels haben?

TW: In diesem Beitrag wird sexuelle Gewalt erwähnt (aber nicht im Detail).

Hallo liebes Team vom Queer Lexikon,
ich finde euch einfach Klasse, wie ihr den Menschen helft ist einfach genial.
Heut bräuchte ich mal eure Meinung/Hilfe.

1. Ich habe schon einige Beziehungen mit Frauen und Männern geführt. Auch mit Trans – Boys, schwulen, bisexuellen. Mir ist eigentlich egal, solange mir die Person gefällt und mir guttut.

2. Geboren bin ich als Mann, möchte mich nicht um operieren, fühle mich aber nicht in allen Situationen so. In vielen Situationen verhalt ich mich lieber Weiblich. Aber es gibt auch Situationen, wo ich mich männlich verhalte. Oder sogar gar nicht weiß, was ich genau bin. Ich trage auch selten heimlich zuhause Kleider und schmink mich, würde auch gern so auf die Straße gehen, trau mich das aber nicht. Diesen Zustand von Schminken möchte ich nicht in allen Situationen ausleben. Ich fühl mich oft einfach in dieses Geschlecht der Männlichkeit hineingestopft (Ich hoffe man kann verstehen was ich meine).

3. Ich hatte auch mit einigen Geschlechtern sex. Nur dieser gefällt mir bei allen nicht besonders, dies kann vielleicht auch an der sexuellen Gewalt, die ich von Fremden, im Alter von 16 erfahren musste, liegen. Also ich fühle mich schon zu Menschen hingezogen, also Kuscheln, Küssen, streicheln etc. gefällt mir, nur alles was weiter geht, das geht irgendwie nicht.

Meine Frage ist jetzt eigentlich was bin ich?
Kann ich mehreres gleichzeitig sein, da ja Punkt 1,2 und 3 vollkommen andere Dinge sind?
Es wäre toll, wenn ihr das Beantworten könntet.

Liebe Grüße ?.

Postskriptum: Dankeschön im Voraus.

Hallo du,

um deine wichtigste Frage zuerst zu beantworten: Selbstverständlich kannst du “mehreres gleichzeitig” sein – es gibt keine Begrenzung, wieviele Labels du benutzen darfst und kannst. Du kannst einfach so viele verwenden, wie du brauchst, um dich gut zu beschreiben. Es gibt sogar einige Menschen, die in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Labels verwenden. Alles, was dir hilft, dich zu beschreiben, ist in Ordnung.

  1. Viele Menschen, denen das Geschlecht (und die Sexualität) ihrer Partner*innen egal ist, verwenden den Begriff “pan”, bzw. “pansexuell” oder “panromantisch” für sich. Pan sind Menschen, die sich grundsätzlich zu allen Menschen hingezogen fühlen können, ganz unabhängig vom Geschlecht. Panromantik beschreibt dabei die romantische Anziehung, also den Wunsch, mit diesen Menschen in einer Beziehung zu sein und/oder romantische Nähe zu erleben, Pansexualität beschreibt die sexuelle Anziehung, also den Wunsch, diesen Menschen sexuell/intim näher zu kommen. Für manche Menschen ist es sinnvoll, die romantische und die sexuelle Ebene zu trennen, für andere nicht. Du kannst selbst entscheiden, was für dich besser passt.
  2. In unserer Gesellschaft sind Geschlechterrollen sehr eng definiert, und vor allem Männern werden nicht viele Freiheiten darüber gegeben, wie sie ihr Geschlecht ausdrücken dürfen. Aber auch Männer können und dürfen Makeup und Kleider tragen, wie z.B. Stars wie Keiynan Lonsdale und Billy Porter uns vormachen – die sind trotzdem immer noch Männer, aber definieren neu, was es bedeutet, ein Mann/männlich zu sein. Du darfst gerne jederzeit alle diese Dinge, zu denen du ein Bedürfnis hast – Makeup und Kleider tragen, dich feminin/weiblich verhalten etc. – tun, und dich trotzdem noch als Mann bezeichnen. Wenn du das möchtest. Wenn du aber den Eindruck hast, dass das nicht ganz passt, gibt es vielleicht andere Begriffe, die besser passen. Du beschreibst z.B. dass deine Art, dein Geschlecht auszudrücken, sich je nach Situation ändert; das könnte z.B. dafür sprechen, dass du genderfluid bist. Genderfluid sind Menschen, deren Geschlecht sich je nach Situation oder mit der Zeit immer wieder ändern kann. Viele Menschen, die Männlichkeit (und Weiblichkeit) zu einengend finden und sich darin nicht wiederfinden, bezeichnen sich auch als genderqueer, gender-nonconforming oder nichtbinär. Oder es kann sein, dass du evtl. eine trans Frau bist. Nicht alle trans Frauen wollen ihren Körper verändern, und viele trauen sich nicht, ihre Weiblichkeit offen auszuleben, weil sie Angst haben vor Diskriminierung und Gewalt. Vielleicht horchst du einfach mal ganz tief in dich hinein und schaust, welcher dieser Begriffe sich für dich richtig und passend anfühlt – oder du kannst sie auch alle mal für eine Zeit ausprobieren, wenn du dir noch unsicher bist, ob irgendwas davon passt, und wenn ja welches. Wichtig ist dabei immer, dass du auf dich achtest und nichts tust, was sich nicht gut und richtig anfühlt.
  3. Es ist schwierig, die sexuelle Anziehung von den negativen Erfahrungen zu unterscheiden, die du in der Vergangenheit im Bezug auf sexuelle Gewalt gemacht hast – für manche Menschen ist das auch ganz untrennbar. Es klingt für mich, als könntest du asexuell sein – du schreibst, du fühlst dich zu Menschen hingezogen und magst auch Intimitäten wie Kuscheln, aber dir gefällt Sex nicht so. Asexuell sein bedeutet, dass du keine sexuelle Anziehung gegenüber anderen Menschen empfindest. Wenn es dir wichtig ist zu unterscheiden, dann kannst du tief in dich hineinhören und überlegen, ob du tatsächlich kein sexuelles Interesse an anderen hast, oder ob du nur vorsichtig geworden bist im Bezug auf sexuelle Aktionen, weil du Angst davor hast, verletzt oder benutzt zu werden. Wichtig ist aber so oder so, dass du wiederum auf dich achtest und einfach schaust, was dir wirklich gut tut und was du möchtest.

Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen und wünsche dir alles Gute! Danke auch für das liebe Kompliment – wir sind gerne für euch da und Kommentare wie deiner motivieren uns immer total und bestärken uns in unserer Arbeit. <3

Liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 245 – Geschlecht ist verwirrend

Hi Leute.
Ich stelle mich jetzt einfach mal kurz vor, ich bin ein 18 Jahre altes Mädchen, bin asexuell und panromantik. So viel weiß ich mittlerweile aber mir stellt sich immer die Frage was für ein Geschlecht ich bin. Ich weiß ich bin eine Frau aber fühle mich so nicht wohl. Also ich akzeptiere größtenteils meinen Körper aber das wars auch schon. Ich hatte schon immer kurze Haare, wollte mich nie schinken und fühle mich in Frauen Klamotten unwohl. Ich trage meist weite pullover weil ich meinen zum Glück sehr kleinen Vorbau nicht so mag und am liebsten einen Binder tragen würde. Aber dann gibt es vereinzelt Tage wo ich wiederum voll das Mädchen raushängen lasse mit Kleid schminke ect. Ich bin sogar mit meinem Namen zufrieden (Nadine) der ja keine neutrale oder männlich version hat. Ich bin einfach richtig verwirrt. Ich hoffe ihr könnt mir helfen und so grob sagen was ich bitteschön bin, es belastet mich nämlich ziemlich und gibt mir zu denken.

LG eure Nadine

Hallo Nadine,

Ich verstehe deine Verwirrung sehr gut – Geschlecht kann echt kompliziert sein. Du schreibst, dass du eine Frau bist, dich damit aber nicht wohl fühlst. Woran machst du es denn fest, dass du eine Frau bist? An deinem Körper? Der Art und Weise, wie du aufgewachsen und erzogen worden bist? Wie du aussiehst? All das kann dein Geschlecht beeinflussen, muss es aber nicht, wenn du den Eindruck hast, dass es nicht passt. Was Geschlecht wirklich ist, ist nur sehr schwer zu beschreiben, aber es muss jedenfalls nichts damit zu tun haben, wie dein Körper aussieht oder mit welchem Spielzeug du als Kind gern gespielt hast oder so. Geschlecht ist tief in dir drin, und deshalb kannst letztlich nur du sagen, ob du eine Frau bist oder nicht.

Wichtig ist zuerst mal: Du bist nicht alleine. Es gibt super viele Menschen, die genauso verwirrt sind wie du, die auch nicht so richtig klar kommen mit den Kategorien und Schubladen, in die wir alle gesteckt werden, und die sich genauso fragen wie du, was das alles bedeutet. Und es ist voll okay, so zu sein.

Es kann absolut sein, dass du eine Frau bist. Frauen dürfen maskuline Kleidung tragen, ihre Brust abbinden wollen, kurze Haare tragen und das alles, und trotzdem immer noch Frauen sein. In lesbischen Communities werden solche Frauen oft als Butches beschrieben. Es ist vollkommen egal, wie du aussiehst, was du tust und wie du dich verhältst – solange du dich als Frau fühlst, bist du eine Frau.

Wenn du aber merkst, dass der Begriff “Frau” sich einfach nicht richtig für dich anfühlt, dann kann es auch sein, dass du z.B. trans und/oder nichtbinär bist. Trans sind alle Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde – in deinem Fall weiblich. Das muss aber nicht gleich bedeuten, dass du deshalb ein Mann bist. Es gibt super viele Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, oder nur ein bisschen weiblich, oder nur manchmal maskulin, oder vielleicht beides, oder ein ganz anderes Geschlecht, das nichts mit Männlichkeit und Weiblichkeit zu tun hat. Diese Menschen nennen sich oft nichtbinär.

Du schreibst, dass es sich bei dir manchmal ändert, mit welcher Kleidung und mit welchen Teilen deines Körpers du dich wohl fühlst. Das könnte darauf hinweisen, dass du genderfluid bist. Genderfluid sind Menschen, deren Geschlecht sich ändert, entweder nur ab und zu oder sehr oft, und manchmal auch je nach Situation.

Vielleicht hilft dir einer dieser Begriffe weiter. Falls dir noch irgendetwas unklar ist, kannst du gern jederzeit weiter nachfragen. Am wichtigsten finde ich immer, dass du einfach tust, was sich für dich gut und richtig anfühlt, und dass du immer so gut wie möglich auf deine Instinkte hörst. Wenn du gerne mal einen Binder tragen möchtest, dann kannst du das ganz einfach ausprobieren, ohne erst zu überlegen, ob das jetzt zu deinem Geschlecht oder deiner Identität passt. Wenn du Lust hast auf Makeup und Kleider, dann kannst du das genauso machen, wie du Lust hast. Du musst dich nicht in irgendeine enge Schublade zwängen, sondern verdienst immer Respekt und Akzeptanz, egal, ob du deinen Begriff schon gefunden hast oder nicht.

Viele Grüße und alles Liebe,
Balthazar

Kummerkasten Antwort 208 – Ich finde Geschlechterrollen unnötig!

Hey
Ich denke in den letzten Tagen öfter über mein Geschlecht nach. Mir ist es egal ob man mich als weiblich oder männlich bezeichnet, auch ist es mir egal, wenn ich “weibliche” oder “mänliche” Kleidung trage. Ansich finde ich die genderrules unnötig. Ich habe mich ne Zeitlang als genderfluid bezeichnet, was aber meiner Meinung iwie nicht passt. Ich denke, das ich Non-binäry oder Agender bin, bin mir nicht sicher. Es wäre echt net, wenn ich damit Hilfe bekommen würde.

Hallo du,

wenn es dir egal ist, was du trägst, wie du angesprochen oder gesehen wirst und du insgesamt nicht so viel Wert auf dein Geschlecht legst, dann könntest du dich z.B. als gender indifferent bezeichnen.  Das ist eine Bezeichnung für alle Menschen, denen es auch so geht und die ihr eigenes Geschlecht nicht wirklich wichtig finden.

Agender oder nonbinär/nichtbinär/nonbinary passt aber auch, und wenn du dich mit einem dieser beiden Begriffe wohler fühlst, dann kannst du natürlich auch einen dieser beiden oder beide für dich verwenden. Agender beschreibt in der Regel Menschen, die kein Geschlecht haben oder die mit dem Konzept von Geschlecht nichts anfangen können. Nichtbinär/nonbinary ist ein Überbegriff für alle Leute, die nicht oder nicht ausschließlich männlich oder weiblich sind. Es kann aber auch als Selbstbezeichnung verwendet werden. Ich finde übrigens, du hast vollkommen Recht – alle Regeln, die für Geschlechter gemacht werden, sind vollkommen unnötig und können in den Müll!

Ich hoffe, das konnte dir ein wenig helfen. Ich wünsche dir alles Gute!
Balthazar