Kummerkastenantwort 2.528: Ich trauere meiner Jugend hinterher.

Ich habe vor zwei Wochen die Netflix-Serie „Heartstopper“ geschaut und danach mich so traurig gefühlt. Es war für mich so bitter-süß. Es sollte doch so im normalen Alltag sein: Zwei sich liebende Menschen die glücklich sind. Die Protagonisten sind beide ca. 15 Jahre alt. Ich hatte da mein erstes „Coming-Out“ bei meinen Eltern und das wurde nur als Phase und Hirngespinst abgetreten. Acht Jahre danach sitze ich hier und trauere der Zeit nach in der ich so vieles hätte machen können. Mich verlieben, ausprobieren und auch aktiv was der LGBTQ+ – Community beitragen können aber nein. Ich habe mir eingeredet hetero zu sein. Habe bis jetzt auf Zwang immer versucht mit Frauen auszugehen und versucht den „Regenbogen in mir“ zu unterdrücken- natürlich vergebens. Jetzt wo ich älter bin bereue ich es sehr. Die Fassade ist so schwer zu tragen aber den Mut zu fassen und so zu sein wie ich bin verliere ich sobald ich nur meinen Eltern gegenüber stehe. Natürlich muss ich mich ja nicht bei denen outen aber ich will es einfach. Ich will ehrlich und offen leben aber das ch habe solche Angst davor. Ich will endlich frei sein. Einfach ICH sein. Leider bin ich einfach – wie es aussieht- zu dumm dafür. Wird jemals meine Befreiung kommen?

Hallo!

Wenn ich richtig nachgerechnet habe, sind wir ungefähr gleich alt. Ich frage mich auch oft, was gewesen wäre, wenn ich mich selbst früher gefunden hätte. Dann rede ich mit anderen, älteren queeren Menschen, und die sehen mich verwundert an und sagen “Ich wünschte, ich hätte das in deinem Alter schon so beisammen gehabt.” Die Zeit läuft dir also nicht davon, auch wenn es sich für dich so anfühlt. Leider ist es sehr häufig, dass junge queere Menschen ihre Teenager-Erfahrungen erst in den 20ern nachholen. Das macht diese Erfahrungen und ersten Male aber nicht weniger wertvoll. Du kannst sie immer noch haben, und sie sind immer noch deine, auch wenn du nicht mehr 15 bist. Die Community ist mit 15 genauso für dich da wie mit 23 – und auch du kannst dich in der Community engagieren! Mit 23 vielleicht sogar besser als mit 15.

Ich verstehe, dass es schwer ist, dich bei deinen Eltern zu outen. Aber wie du schon richtig gesagt hast, musst du das nicht. Das heißt aber auch, dass du es jetzt nicht musst. Vielleicht wird es dir später leichter fallen? Du kannst dich ja in der Zwischenzeit bei Freund*innen outen, und dich unabhängig von deinen Eltern in queeren Spaces bewegen. Denn wenn du dir ein Netzwerk aufbauen kannst, das dir den Rücken stärkt, werden auch schwierigere Situationen, wie sich bei den Eltern zu outen etwas leichter.

Ich hoffe, ich konnte dir damit etwas weiter helfen
LG Lily ^-^

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