Kummerkastenantwort 237: Was bedeutet m-spec?

Was bedeutet m-spec?

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Soweit ich herausfinden konnte, steht m-spac für “Multiple gender attraction spectrum”, also für ein Spektrum von sexuellen Orientierungen, die sich alle auf die Anziehung zu Menschen mehrerer Geschlechter beziehen. Darunter fallen z.B. Bisexualität, Polysexualität und Pansexualität. Wir verwenden hier dafür den Begriff Bi+sexualität.

Ich hoffe, das hilft dir weiter!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkastenantwort 231 – Bin ich ace genug?

Hallo,
ich bin Mitte zwanzig und definiere mich seit meiner Teenagerzeit als Bisexuell, denn ich fühle mich romantisch zu beiden Geschlechtern hingezogen.
Allerdings habe ich Probleme damit, eine Person sexuell attraktiv zu finden. Auch an Sex als solches habe ich eigentlich kaum bis gar kein Interesse, obwohl ich körperliche Nähe wie Umarmungen und kuscheln durchaus als angenehm empfinde.
Auch empfinde ich Menschen, zu denen ich mich hingezogen fühle als schön. Aber eben nicht so, dass ich das Verlangen habe, mit ihnen zu schlafen.
Ich hatte schon sehr lange keine Partnerschaft mehr, auch keine Verabredungen, Flirts oder ähnliches in der Richtung, da ich in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht habe, was mein sexuelles Desinteresse und die Wünsche des Partners anging.
Seit einigen Monaten denke ich nun darüber nach, was das für mich bedeuten könnte. Um mich als asexuell zu identifizieren, fühle ich mich quasi nicht asexuell genug, aber wirklich “normal” fühle ich mich auch nicht.
Ich vermisse es, eine Beziehung zu führen, denn ich würde gern wieder lieben und geliebt werden, aber ich fühle mich solang diese Frage für mich im Raum steht nicht bereit, danach zu “suchen”. Erst würde ich gerne für mich selbst klären, wie ich bin und wie man so lebt und damit im Einklang ist.
Mir ist bewusst, dass mir das niemand 100%tig beantworten kann, aber vielleicht habt ihr schon von Menschen in ähnlichen Situationen gehört & könnt mir weiterhelfen.

Hallo du,

ich kenne tatsächlich sehr viele Menschen, denen es so geht wie dir, und auch ich habe schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Es geht vielen Leuten so, dass sie sich “nicht ace/bi/queer/xy genug” fühlen und befürchten, sie hätten kein Recht, dieses bestimmte Label zu verwenden. In Wahrheit gibt es aber keine bestimmten Regeln, “wie sehr” du ein bestimmtes Label erfüllen musst oder wie genau es auf dich passt. Wichtig ist nur, mit welchen Begriffen und Definitionen du dich wohl fühlst und was für dich am besten passt.

Du kannst also durchaus das Label “asexuell” für dich verwenden, wenn du das möchtest oder wenn du den Eindruck hast, dass es dich momentan am besten beschreibt (vielleicht auch nur, weil du im Moment keinen passenderen Begriff findest). Was dieses Label dann für dich bedeutet, kannst nur du entscheiden. A_sexualität ist aber auch ein Spektrum, das heißt, es gibt nicht nur die Möglichkeiten “100% asexuell” und “0% asexuell”, sondern auch ganz viel dazwischen. Es gibt z.B. Menschen, die sich als “greysexuell” bezeichnen – dieser Begriff beschreibt Menschen, die nur wenig sexuelle Anziehung empfinden, nur manchmal, oder nur unter ganz bestimmten Umständen. Es gibt auch den Begriff “acefluid”, um zu beschreiben, dass manchmal mehr, manchmal weniger sexuelle Anziehung da ist.

Was dir vielleicht helfen könnte, wäre ein Austausch mit anderen asexuellen Menschen und welchen, die sich auf dem a_sexuellen Spektrum befinden. Es gibt dafür viele online-Spaces (z.B. die Plattform AVEN), aber auch lokale Stammtische und Jugendgruppen speziell für asexuelle Menschen. Über deine Erfahrungen und Gefühle mit anderen zu reden und zu hören, wie es bei anderen Menschen so ist, kann dir vielleicht helfen zu entscheiden, was für ein Label du dir geben möchtest. Außerdem kann es dir vielleicht bei der Partner*innensuche helfen – es würde auf jeden Fall den Druck herausnehmen, der sich vielleicht ergibt, wenn du allosexuelle Menschen (also welche, die nicht asexuell sind) datest, die vielleicht andere Bedürfnisse nach Sex und Intimität in der Beziehung haben als du.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen Orientierung geben. Melde dich gern wieder, wenn du weitere Fragen hast – oder auch nur, um uns zu berichten, wie deine Selbstfindung weitergeht. 🙂

Viele Grüße und alles Gute,
Balthazar

Kummerkastenantwort 226 – bin ich noch bisexuell? Bin ich wirklich cis?

Hi,
ich bin Anastasia und in einigen Tagen 18.
Ich habe mich mit 13 geoutet als Bisexuell, allerdings bin ich mir nicht sicher ob das noch so stimmt?

Ich habe momentan ein Freund, fühle mich zu ihm jedoch nicht sexuell angezogen, aber eine romantische Beziehung führen wir trotzdem und fühle mich auch wohl.
Frauen hingegen ziehen mich Sexuell und romantisch an.

Mein Geschlecht weiß ich auch nicht so richtig. Ich bin Weiblich, bin auch so groß geworden. Hab viel gezockt in meiner Jugend bis jetzt und Shoppe auch gerne Männersachen die ich selber Trage, genauso gut wie Frauen Sachen. Jenachdem wie ich halt in der Stimmung zu bin beziehungsweise wie es mir gerade gefällt.
Ich habe schon überlegt ob ich nicht noch zusehr in dem alten muster stecke von wegen Frauen dürfen nur dies und nur das, männer dürfen dies und jenes was frauen wieder nicht dürfen. (Alles eine frage der erziehung? Oder bin ich wirklich nur unsicher?)

Hallo Anastasia,

Zuerst zur Sache mit der Bisexualität: Es gibt zum Glück keine Pobizei, die kommt und Menschen verbietet, sich als bisexuell zu bezeichnen, wenn sie das wollen. Du kannst das Label also weiter nutzen, auch wenn du zweifelst, wie gut es tatsächlich passt. Wenn du tatsächlich betonen willst, dass du zu Männern nicht sexuell angezogen fühlst, ist biromantisch vielleicht ein gutes Label. Das könntest du auch kombinieren zu etwas wie „biromantische Lesbe“ oder „homosexuell und biromantisch“. Immer vorausgesetzt, es passt für dich als Begriff besser. Nur weil ich da etwas in den Raum stelle, heißt das nicht, dass du das benutzen musst oder dass es für dich richtig ist.

Auch bei deinem Geschlecht ist die Message eine ganz ähnliche. Du darfst das, ausprobieren ist erlaubt und es ist okay, unsicher zu sein und die eigenen Label zu hinterfragen.
Du hast die Freiheit, die Klamotten zu tragen, die du magst, egal ob sie irgendwer für Männer oder für Frauen verkauft hat. „Nur“ weil du Männerklamotten trägst, bedeutet das nicht automatisch, dass du trans bist. Andersrum, zwingt trans-sein auch nicht dazu, entsprechend gelabelte Klamotten zu tragen.
Am einfachsten ist vielleicht, dir das mal durch den Kopf gehen zu lassen, ob du eine Frau bist, ob du, falls ja, eine binäre Frau bist. Vielleicht fühlt sich „nicht-binäre Frau“ oder „queer“ als Beschreibung für dein eigenes Geschlecht richtiger und besser an. Dabei lohnt es sich auch, über Pronomen nachzudenken. Ist „sie“, das, was sich stimmig anfühlt? Passt ein Neopronomen wie „xier“ vielleicht besser? Oder „er“? Gegebenenfalls auch: möchtest du einen anderen Namen ausprobieren?
Bei allem davon ist es ok, das nicht zu wissen oder zu merken, dass es so passt, wie es ist. Es ist immer ok, gute Freund*innen um Rat zu fragen und sich da auszutauschen. Das ist alles auch nichts, wo eins sicher immer sicher sein muss.

Aber: zu finden, was passt heißt hier auch, zu sich selbst zu finden. Das kann unglaublich wertvoll sein, und deshalb lohnt es sich, da Zeit hinein zu investieren. Bei dieser Suche wünsche ich dir viel Erfolg.

Liebe Grüße
Xenia

Kummerkasten Antwort 176 – bin ich lesbisch statt bi?

Hey,
Ich (22) bin total verwirrt, was meine Sexualität betrifft.
Ich hatte bis jetzt vier feste Freunde und auch dazwischen ein paar ONS mit Männern aber, noch nie einen Orgasmus.
Vor kurzem ist mir aufgefallen dass, die Berührungen mir zwar gefallen haben aber, die Männern an sich, haben mich nicht erregt.
Seit 2017 weiß ich dass, ich bisexuell bin und hatte bis jetzt nur positive Erfahrungen mit Frauen.
Klar, ab und zu denke ich beim masturbieren auch an Männern, trotzdem macht der Gedanke es mit einer Frau zutun mehr an als das mit Männern.
Kann es sein dass, ich lesbisch bin ohne es gewusst zu haben all die Jahre ?

Ich würde mich wahnsinnig über eine Antwort freuen und vielen Dank !

Hallo du,

wir sagen das hier immer wieder: Wir können dir leider nicht einfach sagen, was deine Sexualität ist. Hier sind aber meine Gedanken zu deiner Situation:

Zum einen kann es durchaus sein, dass du lesbisch bist und es erst jetzt bemerkst. Es gibt einen enormen gesellschaftlichen Druck auf Frauen, dass sie sich zu Männern hingezogen fühlen sollen – das wird oft als “compulsory heterosexuality” bezeichnet, also ‘zwanghafte’ oder ‘verpflichtende’ Heterosexualität. Daher kommt es, dass viele lesbische Frauen vor ihrem inneren Coming Out Beziehungen mit Männern hatten oder ihre Gefühle gegenüber Frauen nicht erkennen. Vielleicht ist das auch für dich der Fall.

Vielleicht bist du aber auch einfach weiterhin bi und musst nur deine eigene Definition dafür etwas anpassen. Bi sein bedeutet ja nicht, dass du genau die gleiche  (Art von) Anziehung gegenüber Männern und Frauen (oder Menschen anderer Geschlechter) empfinden musst. Vielleicht empfindest du ja gegenüber Männern vllt. keine sexuelle Anziehung, sondern nur romantische? Es könnte z.B. möglich sein, dass du lesbisch bist, was sexuelle Anziehung betrifft, und biromantisch.

Welches Label für dich am besten passt, kannst nur du entscheiden. Labels sollen Hilfsmittel sein, die dir helfen, dich bestmöglich zu beschreiben – keine zwei Menschen auf der Welt empfinden ihre Sexualität komplett gleich, d.h. es ist immer auch in Ordnung, ein Label zu verwenden, das nur zu 97% passt oder das andere Leute vllt. etwas anders definieren.

Alles Gute und viel Erfolg bei der Label-Findung!

Balthazar

Kummerkasten Antwort 169: Gender Questioning?

Hallo liebes Queer-Lexikon-Team,
als erstes möchte ich einmal sagen, dass ich eure Seite echt mag und sie mir auch schon echt geholfen hat, mich als Bi zu identifizieren.
Jetzt frage ich mich aber noch, welches Geschlecht ich habe. Ich weiß, dass ihr mir das natürlich nicht sagen könnt, aber ich hätte gerne eure Meinung zu meiner Situation.
Also ich bin weiblich und konnte mich damit bisher eigentlich immer identifizieren, auch wenn ich nie wirklich auf Kleider und “Mädchenfarben” (ich hasse diese Einteilung) gestanden habe. Seit einiger Zeit, bin ich mir da jedoch nicht mehr so sicher. Ich fühle mich in meinem Körper (vor allem mit meiner Brust, etc.) sehr unwohl. Binding hat auch schon mein Interesse geweckt, allerdings muss ich mich momentan mit einer “Notlösung” zufrieden geben und mir mit Sport-BH´s behilflich sein. Es ist zwar nicht sonderlich bequem, aber ich fühle mich so schon etwas wohler. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich immer mehr das Bedürfnis habe, wie ein Junge auszusehen (aber ich möchte mich nicht komplett als Junge identifizieren). Mit meinem weiblichen Namen und weiblichen Pronomen habe ich jedoch kein Problem (vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich es mir anders nicht wirklich vorstellen kann).
Ich überlege in letzter Zeit wirklich oft, was genau das bedeuten soll, finde aber leider keine Lösung. Ich hoffe, ihr könnt mir helfen oder mir zumindest einen Denkanstoß geben.

Viele Grüße

Hallo liebe unbekannte Person,

danke für deine Frage und dein Lob! Es freut uns sehr, dass wir dir schon so gut helfen konnten. Ich versuche gerne, dir noch ein wenig mehr zu helfen, auch wenn du natürlich recht hast: Ich kann dir leider nicht sagen, welches Geschlecht du hast. Ich kann dir allerdings ein paar Begriffe geben, die dir vielleicht helfen.

Dein Wunsch, maskuliner auszusehen und wahrgenommen zu werden, kann bedeuten, dass du trans bist. Allerdings schreibst du auch, dass du dich nicht komplett als Junge identifizieren möchtest (oder kannst?) – das könnte bedeuten, dass du möglicherweise ein demiboy bist oder nichtbinär. Vielleicht bist du ja nicht vollkommen männlich, sondern nur teilweise, oder vielleicht ändert sich dein Geschlecht manchmal, oder vielleicht hat es auch gar nichts mit Männlichkeit oder Weiblichkeit zu tun, weil du einfach nur du bist? Das alles kann unter dem Überbegriff “nichtbinär” zusammengefasst werden.

Eine andere Möglichkeit ist, dich als Butch zu identifizieren. Maskuliner wirken zu wollen, ist nicht unbedingt etwas, was nur trans Männern oder trans männlichen Personen vorbehalten ist – es gibt viele Butches, die sich als weiblich oder als Frauen identifizieren, aber gerne maskulin aussehen und/oder eine männliche Geschlechterrolle einnehmen.

Die beiden Optionen – also nichtbinär sein und Butch sein – schließen sich nicht unbedingt gegenseitig aus: Du kannst auch beides gleichzeitig sein. Beispiele für nichtbinäre oder trans Butches sind Leslie Feinberg und Rhea Butcher. Viele Butches haben ein kompliziertes Verhältnis zu Geschlecht oder hinterfragen Geschlechterkategorien überhaupt – so wie du auch selbst sagst, die Einteilung von allem von Farben über Namen bis hin zu Körpern in “männlich” und “weiblich” sind vielleicht gar nicht nötig, und viele Butches zeigen Wege dazwischen oder drumherum auf.

Egal, ob du ein Label für dich findest oder nicht: Deine Gefühle und Gedanken zu deinem eigenen Geschlecht sind vollkommen gut und in Ordnung. Ich hoffe, dass du deinen Weg findest.

Noch ein paar Tipps zum Binden: Das Abbinden von Brüsten mit Sport-BHs kann gefährlich sein, wenn du einen zu engen BH oder zwei übereinander trägst. Achte gut auf deinen Körper und die Warnsignale, die er dir sendet. Solange du keinen Binder hast, sind weite, locker sitzende Oberteile oder mehrere Schichten (z.B. ein T-Shirt, ein Hoodie und eine Jacke) auch immer gute Möglichkeiten, um deine Brust zu kaschieren. Weitere Infos zu sicherem Binden und dazu, wo du wie (auch günstig oder kostenlos) an einen Binder kommen kannst, findest du in unserer Binder-Broschüre.

Viele Grüße und alles Gute,

Balthazar

Bisexual Health Awareness Month

Der Bisexual Health Awareness Month, also der Monat, in dem auf bi+sexuelle Gesundheit aufmerksam gemacht werden soll, wird jährlich im März begangen. Der BHAM wurde vom Bisexual Resource Center gestartet und soll Aufmerksamkeit darauf lenken, dass bi+sexuelle Menschen ein erheblich höheres Risiko für schlechte physische und psychische Gesundheit haben als schwule, lesbische oder hetero Menschen, sowie mehr Diskriminierung im medizinischen und psychologischen Sektor erfahren. Jedes Jahr finden online und offline verschiedene Aktionen statt, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen. 

Bisexualität

Bisexualität, bisexuell: Eine bisexuelle Person fühlt sich romantisch und/oder sexuell zu Menschen zweier oder mehrerer Geschlechter hingezogen oder erleben sexuelle Anziehung zu Menschen unabhängig von deren Geschlecht. Allerdings sind Definitionen von Bisexualität sehr verschieden und umstritten.

Bifeindlichkeit

Bifeindlichkeit: Bifeindlichkeit bezeichnet die Diskriminierung gegen bisexuelle Menschen. Dies äußert sich z.B. durch Ablehnung, Wut, Intoleranz, Vorurteile,  Unbehagen oder körperliche bzw. psychische Gewalt gegenüber bisexuellen Menschen oder Menschen, die als bisexuell wahrgenommen werden. Als internalisierte Bifeindlichkeit wird Feindlichkeit bezeichnet, die gegen die eigene bisexuelle Orientierung und damit gegen sich selbst gerichtet ist. Dies passiert oft in einer homofeindlichen und bifeindlichen Umgebung und/oder vor dem eigenen inneren Coming out. Auch die queere Szene ist teilweise ein bifeindlicher Ort.