Kummerkastenantwort 3.314: Wo kann ich mich anonym ärztlich beraten lassen wegen der Schmerzen beim binden?

Hi, ich bin 14, Non-binary und bei meinen Eltern aber nicht geoutet (werde ich aber auch nicht so bald machen). Ich habe vor einigen Jahren (mit ca. 10-12), u.a. wegen Dysphorie und weil ich schon ziemlich früh relativ große Brüste hatte, häufig einen viel zu kleinen Bustier getragen habe, der einen Binderähnlichen Effekt hatte (damals wusste ich noch nicht was ein Binder ist usw.). Das halt fast die ganze Woche pro Tag 10-12 Stunden. Irgendwann hat das halt angefangen ein bisschen wehzutun, ich habe das aber fast nie damit in Verbindung gebracht, erst als ich schon längere Zeit jeden Abend starke Schmerzen an den Rippen und in der Brust hatte habe ich langsam aufgehört den Bustier zu tragen. Danach ist es besser geworden, aber halt nie ganz gut, einen Binder hab ich deshalb auch nie getragen. Jetzt hat es halt wieder mehr angefangen zu schmerzen und ich kann teilweiße nicht mal mehr einen Sport-BH anziehen, ohne dass es unangenehm wird, deshalb trage ich auch fast nie mehr einen. Das ist jetzt für mich nicht so schlimm, weil meine Dysphorie nicht so groß ist. Ich weiß nicht, ob ich nicht mal besser zu einem*r Ärzt*in gehen sollte, würde das aber sehr sehr ungern meinen Eltern erzählen und wenn dann halt auch nur unvollständig, weil ich ja nicht geoutet bin, gibt es die Möglichkeit da mal anonym ärztlich beraten zu werden? An welche Art von Ärzt*in muss mensch sich dann wenden? Oder habt ihr sonst irgendwelche Vorschläge, was ich tun könnte?

Hallo,

Erstmal: Es ist sehr gut, dass du das ärztlich abklären lassen willst.

Anonym bei Ärzt*innen behandeln/beraten lassen ist sehr schwierig, wenn du U18 bist, weil du höchstwahrscheinlich bei deinen Eltern mitversichert bist, das heißt, über die Krankenkasse besteht eine Chance, dass deine Eltern das mitbekommen. Und weil Ärzt*innen für ihre Arbeit ja auch Geld verdienen müssen, muss deine Behandlung über deine Krankenkasse abgerechnet werden. Gleichzeitig gilt aber trotzdem: deine Ärzt*innen haben eine Schweigepflicht – auch deinen Eltern gegenüber.

Das bedeutet: du kannst deinen Eltern gegenüber z.B. sagen, dass du erkältet bis, Bauchweh hast, Kopfweh hast, Periodenkrämpfe hast, was auch immer für eine Ausrede dir hier am glaubwürdigsten erscheint, und dass du das gerne abgecheckt hättest. Und dass es dir unangenehm ist, sie mit zu nehmen, dass du ihnen nicht zur Last fallen willst ö.ä.

Wenn du dann mit deine*r Ärzt*in alleine bist, kansnt du richtig stellen, warum du da bist, und sagen, dass dir das Thema sehr uanngenehm ist. Das ist auch nichts, was dich sofort als nicht cis outen würde – sehr vielen Jugendlichen sind ihre Körper unangenehm. Da wird höchstwahrscheinlich niemand auch nur eine Augenbraue heben. Wenn du deine*r Ärzt*in vertraust, kannst du auch nochmal klar stellen, dass du nicht möchtest, dass darüber mit deinen Eltern gesprochen wird.

Du könntest damit entweder erstmal zu deiner Hausärztlichen Praxis, oder zu deine Kinderärztlichen Praxis gehen. Oder du gehst direkt zu einer gynäkologischen Praxis, die befassen sich auch mit Sachen rund um Brüste. Falls du spezifisch transfreundliche Praxen suchst, kannst du mal hier schauen.

So oder so: falls dir in der Praxis, zu der du gehst, nicht geholfen werden kann (weil das Problem z.B. das hausärztliche Wissen übersteigt), wird man dich weiter verweisen können.

Viel Glück!

Elias

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