Kummerkastenantwort 5.837: Ich bin in eine Freundin verliebt.
Heyy, ich (afab,15) bin in eine sehr gute Freundin von mir verliebt. Wir hatten bis vor 4 Monaten ehr weniger mit einander zu tun, sind seitdem aber sehr eng, schicken uns täglich super viele, meistens sehr lange, Sprachnachichten über wirklich alles mögliche, halten oft Händchen, sie macht mir oft komplimente zu meinem Charakter und wir erwischen uns beide recht regelmäßig dabei wie eine die andere anguckt, grinsen dann und schauen weg und generell fühlt es sich vom Vibe her ganz anders an, als Freundschaften mit anderen. Sie sagt aber über sich selber, dass sie total verwirrt ist über ihre Sexualität ist, hat mir mal zugestimmt, dass sie auch nicht weiß wie man Freundschaft und Liebe auseinander halten soll und sagt, dass sie sich nicht sicher ist, ob sie vlt asexuell ist (ich bin mir nicht sicher ob das auch im romantischen Sinne gemeint war).
Ich bin mir desshalb nicht sicher, ob es gut wäre ihr jetzt von meinen Gefühlen zu erzählen. Glaubt ihr, das könnte ihr zu viel Druck dabei machen sich über sich selbst sicher zu werden?
Vielen Dank für eure Arbeit! Liebe Grüße Lili
Heyyo Lili,
vielen Dank für deine Frage und entschuldige bitte, dass die Antwort so lange gebraucht hat!
Es ist sehr verständlich, dass du gerade unsicher bist, wie du mit deinen Gefühlen umgehen sollst. Die Verbindung zwischen euch klingt intensiv, besonders und auf eine Art auch romantisch – zumindest im zwischenmenschlichen Vibe, den du beschreibst.
Dass ihr so viel Kontakt habt, euch gegenseitig sehr nahe seid, Händchen haltet, euch lange anschaut und miteinander über tiefere Themen redet, kann definitiv über eine typische Freundschaft hinausgehen. Gleichzeitig erwähnst du, dass sie selbst im Moment noch unsicher ist, was ihre Sexualität betrifft, vielleicht asexuell ist oder generell Schwierigkeiten hat, zwischen Freundschaft und romantischen Gefühlen zu unterscheiden. Genau das macht die Situation kompliziert.
Du fragst dich, ob es gut wäre, ihr deine Gefühle zu sagen, oder ob das zu viel Druck für sie bedeuten könnte. Das ist eine berechtigte Sorge. Es gibt gute Gründe, ehrlich über deine Gefühle zu sprechen – zum Beispiel, weil es dich innerlich entlasten kann und weil es vielleicht auch ihr hilft, ihre eigenen Empfindungen besser einzuordnen. Es kann Klarheit schaffen, die euch beide weiterbringt. Andererseits kann ein direktes „Ich bin in dich verliebt“ auch emotional viel auf einmal sein, wenn die andere Person selbst gerade erst beginnt, sich zu sortieren.
Ein möglicher Weg wäre, nicht direkt von „Verliebtsein“ zu sprechen, sondern ihr erstmal mitzuteilen, dass du über eure Beziehung viel nachdenkst, weil sie sich für dich anders anfühlt als andere Freundschaften – und dass du selbst manchmal verwirrt bist, was du fühlst. So öffnest du dich ihr gegenüber, ohne von ihr eine sofortige Einordnung oder Entscheidung zu verlangen. Wenn du ein gutes Gespür dafür hast, wie sie auf so etwas reagieren könnte, wirst du wahrscheinlich merken, ob der Moment passt.
Es ist völlig in Ordnung, damit vorsichtig und behutsam umzugehen. Es zeigt, dass dir nicht nur deine Gefühle, sondern auch ihre wichtig sind. Und ganz unabhängig davon, wie sie reagiert, darfst du stolz auf dich sein, dass du so reflektiert und achtsam mit der Situation umgehst.
Queere Grüße, Kay


