Folge 10: Polyamorie

In dieser Folge sprechen wir über Polyamorie, also, wenn sich eine Person in mehr als eine andere Person gleichzeitig verliebt oder wenn mehr als zwei Menschen miteinander in einer romantischen Beziehung sind.

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Was ist Polyamorie?

Übersetzt bedeutet Polyamorie so etwas wie ‚viele lieben‘ oder ‚mehr als eine Liebe‘. Polyamuröse Menschen können sich also in mehr als eine Person gleichzeitig verlieben oder sie sind gleichzeitig mit mehr als einer Person in einer Liebesbeziehung, oder beides. Manchmal wird Polyamorie auch verantwortungsvolle nicht-Monogamie genannt, denn damit eine Beziehung polyamourös genannt werden kann, müssen alle Partner*innen von dem Arrangement wissen und damit einverstanden sein; das ist die wichtigste Grundvoraussetzung. Jemand, der seine*n Partner*in also mit einer anderen Person betrügt, ist also nicht in einer polyamurösen Beziehung, sondern geht einfach nur fremd. Das hat nichts mit Polyamorie zu tun. Deswegen sind Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Kommunikation, Offenheit, Ehrlichkeit und Konsens wichtig für polyamuröse Menschen. Gemeinsam wird festgelegt, welche Regeln die Beziehung hat, und an die müssen sich dann auch alle Partner*innen richten. Das kann zum Beispiel so aussehen: Miro und Alex sind in einer offenen Beziehung. Beide sind polyamourös und möchten auch gerne mit anderen Leuten zusammen sein. Sie treffen die Vereinbarung, dass sie beide andere Menschen küssen dürfen oder mit anderen schlafen dürfen, ohne das vorher abzusprechen, dass sie aber zusammen darüber reden, wenn eine*r von ihnen eine weitere feste Beziehung eingehen will. Das muss natürlich auch mit neuen Partner*innen alles besprochen werden. Ihr seht also, es sollte immer abgesprochen werden, womit alle Partner*innen in einer Beziehung einverstanden sind, und unter welchen Bedingungen sie damit einverstanden sind Gemeinsam sollen außerdem alle Ängste, Unsicherheiten und Probleme besprochen werden, damit eine Lösung gefunden werden kann, mit der alle Partner*innen zufrieden sind. Wenn aber eine Person gedrängt, erpresst, manipuliert oder belogen wird handelt es sich nicht um eine freiwillige Zustimmung und ist nicht in Ordnung.

Obwohl es natürlich schon immer Menschen gegeben hat, die sich in mehr als eine Person verlieben konnten, stammt das Polyamorie-Konzept, so wie wir es gerade beschrieben haben, aus der feministischen Kritik an Monogamie und Heteronormativität der 1960er Jahre. Monogamie ist das Gegenteil zu Polyamorie – es bedeutet, sich nur in eine Person zu verlieben und immer auch nur mit einer Person in einer Liebesbeziehung zu sein.

Wie können polyamuröse Beziehungen aussehen?

Polyamuröse Beziehungen können unterschiedlich strukturiert sein: In manchen Poly*-Beziehungen sind alle Beziehungen zwischen allen Partner*innen gleichwertig, in anderen sind die verschiedenen Beziehungen unterschiedlich viel wert. In manchen gibt es sogenannte Haupt- und Nebenbeziehungen. Während in unserer Gesellschaft die Norm gilt, dass ausschließlich in einer monogamen Zweierbeziehung Sexualität, Kindererziehung, Altersvorsorge, Zusammenwohnen und ähnliches stattfinden soll, ist dies bei polyamurösen Beziehungen nicht der Fall. Wir haben da mal zwei Beispiele vorbereitet.

Ein Beispiel zu Haupt- und Nebenbeziehungen:

Kai und Maike sind in einer sogenannten Primär- oder Hauptbeziehung. Diese Beziehung hat vor allen anderen immer Priorität, das bedeutet, im Zweifelsfall ist diese Beziehung die wichtigste. Kai und Maike wohnen zusammen, verwalten ihr Geld gemeinsam und haben zusammen drei Kinder, um die sie sich kümmern. Kai hat außerdem eine Sekundärbeziehung mit Sven. Kai und Sven sehen sich mehrmals die Woche und manchmal übernachtet Kai bei Sven. Ab und zu kommt Sven auch bei Maike und Kai zum Sonntagsfrühstück vorbei. Maike weiß von der Beziehung und findet es gut, dass Kai mit Sven Sex haben kann, sie selbst ist nämlich a_sexuell und mag Sex nicht so gerne. Maike hat neben Kai auch noch eine weitere Beziehung, nämlich zu Julia und Fatima. Einmal im Jahr fahren die drei gemeinsam in den Urlaub, und haben da viel Zeit, um zu reden und zu kuscheln. Kai freut sich für Maike und darüber, dass es dann mit seinen Kindern ganz viel Unfug anstellen kann. Wenn Kai oder Maike sich in eine andere Person verlieben, dürfen sie nicht einfach eine neue Beziehung eingehen oder Sex mit der Person haben, das haben sie zusammen ausgemacht. So etwas wollen sie zuerst miteinander besprechen.

Und noch ein Beispiel:

Monika, Lisa, Robyn, Alice und Luca sind zusammen ein Polycule, sie sind alle miteinander zusammen und keine Beziehung ist wichtiger als eine andere. Manche Beziehungen sind sexuell, zum Beispiel zwischen Lisa und Monika, aber auch zwischen Lisa und Alice. Robyn und Luca sind vor allem eng mit einander befreundet, kuscheln viel und wollen eines Tages gerne Kinder zusammen bekommen. Robyn und Lisa knutschen gerne miteinander und schlafen gerne nebeneinander ein und Luca und Monika überlegen sich, zusammenzuziehen, damit sie noch mehr Zeit miteinander verbringen können. Alice hat außerdem noch eine Fernbeziehung zu Rachel. Das Polycule von Monika, Lisa, Robyn, Luca und Alice ist offen, das bedeutet, jede Person darf auch mit ganz anderen Menschen schlafen oder eine Beziehung anfangen, ohne dass die anderen gefragt werden müssen.

Es gibt natürlich auch noch andere Formen von Polyamorie, zum Beispiel offene Beziehungen, bei denen die Partner*innen auch mit anderen Menschen Sex haben können, aber nur eine Liebesbeziehung führen, oder geschlossene Liebesbeziehungen zwischen drei Menschen, so genannte Triaden, bei denen nicht einfach so neue Partner*innen dazu kommen dürfen.

Was ist Mononormativität?

Mononormativität bezeichnet eine gesellschaftliche Struktur, bei der nur monogame Beziehungen als richtige und gute Beziehungen gelten. Polyamouröse Menschen werden davon diskriminiert. Zum Beispiel ist eine Ehe immer noch nur zwischen zwei Menschen erlaubt und Kinder können auch immer nur zwei Elternteile haben, obwohl sich in polyamourösen Beziehungen oft drei oder mehr Erwachsene um Kinder kümmern. Außerdem wird zum Beispiel bei einer Essenseinladung selten daran gedacht, dass Menschen mehr als nur eine Partner*in haben können, wenn sie diese*n mitbringen sollen. Oft sind auch Vermieter*innen von Wohnungen nicht mit polyamourösen Beziehungen einverstanden und vermieten Wohnungen dann nicht. Vor allem auch Frauen, die in polyamurösen Beziehungen leben, erleben viel Diskriminierung und Vorurteile, sie werden zum Beispiel als unmoralische ‚Schlampen‘ beschimpft. Polyamuröse Beziehungen gelten in einer mononormativen Gesellschaft oft als nicht-richtige Beziehungen, die außerdem schädlich für die Partner*innen und Ausdruck von einem krankhaften Sexualverhalten sind. Unsere gesellschaftliche Vorstellung der Ehe als eine monogame, lebenslange Verbindung zweier Menschen, die gemeinsam wohnen, Kinder bekommen und nur miteinander Sex haben ist die Wurzel von Mononormativität. Allerdings wird Mononormativität bisher kaum erforscht.

Mononormativität heißt auch, dass Eifersucht oft als positives Gefühl angesehen wird. Es wird gesagt, Eifersucht würde zeigen, wie wichtig eine Person dem*der Partner*in sei und es wird gefragt, wie polyamuröse Menschen mit Eifersucht umgehen. Wenn du dich das auch fragst, haben wir dazu Lesetipps in der Infobox gesammelt. Dabei kommt Eifersucht von Besitzdenken, also der Vorstellung, dass eine Person einer anderen gehört innerhalb einer Liebesbeziehung, und das ist ein Ausdruck von etwas, was wir toxic monogamy culture nennen, also giftige oder schädliche Monogamiekultur. Damit wird eine Kultur beschrieben, in der Monogamie als Norm sehr viel Schaden anrichtet.

Es ist interessant, dass sich nur sehr wenige Menschen selbst als polyamourös bezeichnen. Gleichzeitig gehen fast die Hälfte aller Menschen in ihrem Leben fremd, leben also in einer Konstellation mit zwei Partner*innen, nur eben, ohne dass die beiden voneinander wissen. Es würde also uns allen helfen, wenn es einen offeneren und unverfälschten Umgang mit Polyamorie geben würde. Dann könnte in Beziehungen offener über Gefühle, Bedürfnisse und Probleme geredet werden, und mit Problemen wie Eifersucht oder Fremdgehen könnte ein anderer Umgang gefunden werden.

 

 

Literatur

Easton, Dossie / Hardy, Janet W. (2014): Schlampen mit Moral. Eine praktische Anleitung für Polyamourie, offene Beziehungen und andere Abenteuer. München: mgv Verlag.

Méritt, Laura / Bührmann, Traude / Boris Schefzig, Nadja (Hrsg.) (2005): Mehr als eine Liebe. Polyamuröse Beziehungen. Berlin: Orlanda.

Pieper, Marianna / Bauer, Robin (2014): Polyamourie: Mono-Normativität – Dissidente Mikropolitik – Begehren als transformative Kraft? In: Journal für Psychologie. 22/1.

Schroedter, Thomas / Vetter, Christina (2010): Polyamoury. Eine Erinnerung. [2. Auflage]. Stuttgart: Schmetterling Verlag.

Folge 9: Safer Sex für queere Menschen

In dieser Folge haben wir Safer Sex Tipps gesammelt, die vor allem für lesbische, schwule, bi+sexuelle, a_sexuelle, trans*, inter*, polyamuröse und queere Menschen wichtig sind.

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Unsere Folge richtet sich vor allem an Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurden, also trans* sind. Außerdem verstehen wir darunter ein bisschen mehr als nur der Schutz vor übertragbaren Krankheiten und Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften. Hier sind sechs wichtige Tipps für safer sex:

1) Konsens

Konsens bedeutet, dass alle beteiligten Menschen, wissen was passiert und damit einverstanden sind. Kinder, Tiere, betrunkene Menschen, Menschen, die Drogen intus haben, schlafen oder ohnmächtig sind können keine Zustimmung zu Sex geben. Vor und während Sex ist es also wichtig, dich selbst und deine Partner*innen zu fragen, ob sie einverstanden sind, mit dem, was passiert. Wenn jemand nein oder stop sagt, muss das respektiert werden, denn Sex ohne Zustimmung ist sexualisierte Gewalt beziehungsweise Vergewaltigung. Du und deine Partner*innen haben jederzeit die Möglichkeit Nein oder Stop zu sagen und sich eine Entscheidung anders zu überlegen. Das muss von allen anderen respektiert werden.

Konsens sollte informiert und enthusiastisch sein, das heißt, die zustimmende Person sollte über alles informiert sein, was passieren wird und freudig zustimmen, also nicht unter Druck stehen oder sich nicht sicher sein.

Noch eine Anmerkung: Sex sollte nicht wehtun. Schmerzen können dann ausgelöst werden, wenn eine Person noch nicht bereit ist, nicht mit dem einverstanden ist, was passiert oder nicht entspannt genug sind. Wenn eine Person Schmerzen empfindet ist es wichtig, eine kurze Pause zu machen und herauszufinden, wie Sex weniger wehtun kann, also zum Beispiel durch eine andere Sexpraktik oder mehr Gleitgel oder ganz aufzuhören.

2) Emotionale Sicherheit

Viele Trans*Personen erleben Dysphorie. Dysphorie beschreibt einen Zustand des Unwohlseins mit dem eignen Körper, sehr oft mit den eigenen Genitalien und kann dazu führen, dass manche Trans*Personen sich manchmal nackt unwohl fühlen oder keinen Sex wollen. Außerdem erleben Trans*Personen viel Gewalt in unserer Gesellschaft. Sich vor neuen Sexpartner*innen zu outen kann gefährlich sein. Wir würden empfehlen, dies an einem öffentlichen Ort zu machen, wo dir gegebenenfalls Menschen zur Hilfe kommen können. Bereite dich darauf vor, gegebenenfalls einige Fragen beantworten zu müssen. Eine gute andere Variante, die auch für alle Frauen hilfreich sein kann, ist ein Buddy-System, das bedeutet: ein*e Freund*in sollte wissen, mit wem du wohin gegangen bist und du solltest dem*der Freund*in Bescheid geben, dass es dir gut geht oder dass du gut zuhause angekommen bist.

Zu deiner eigenen emotionalen Sicherheit kann auch gehören, dass deine Sexpartner*innen dich mit dem richtigen Namen, den richtigen Pronomen und den richtigen Bezeichnungen für deine Genitalien ansprechen. Kläre dies am besten vor dem Sex ab. Wer all das nicht respektiert, respektiert dich als Person nicht und hat es nicht verdient, mit dir zu schlafen.

Gerade nach dem Sex ist emotionale Sicherheit ein wichtiges Thema. Es ist normal und okay sich nach dem Sex emotional oder verwundbar zu fühlen. Klärt am besten vorher, was ihr nach dem Sex braucht und euch wünscht. Kuschelst du zum Beispiel gerne oder möchtest du nicht angefasst werden? Frag nach dem Sex, wie sich alle Beteiligten fühlen und hört aufmerksam zu.

 

3) Vorgespräche

Wir empfehlen vor Sex mit einer neuen Person, aber auch immer mal wieder mit regelmäßigen Sexpartner*innen, ein Gespräch zu führen.

Dabei könnt ihr abklären, welche Sexpraktiken ihr mögt, wo ihr gerne angefasst werdet und was ihr euch überhaupt nicht vorstellen könnt, beziehungsweise wo ihr nicht angefasst werden wollt. Ihr könnt auch ein STOP-Zeichen vereinbaren, zum Beispiel ein Wort oder eine Geste, wie zum Beispiel zwei Mal auf die Schulter tippen, die bedeuten, dass die andere Person stoppen soll. Um herauszufinden, wie du gerne angefasst werden möchtest ist Selbstbefriedigung eine gute Idee.

Zu einem Vorgespräch gehört auch, abzuklären, welchen Krankheitsstatus alle Beteiligten haben und welche Safer Sex Strategien alle Beteiligten sich wünschen. Geh nicht davon aus, dass die anderen Personen dies automatisch ansprechen oder einfach machen werden, sondern ergreif selbst die Initiative! Wenn dir das peinlich ist, dann stell einfach Kondome, Gleitgel und alles, was du sonst noch brauchst, in Sichtweite, um klar zu machen, dass du das benutzen möchtest, beziehungsweise habe sie dabei, wenn du denkst, dass du Sex haben könntest.

Für ein Vorgespräch kann auch Thema sein, welche Sexpraktiken ihr mögt. Dazu gibt es die Möglichkeit, dass ihr alle eine Ja/Nein/Vielleicht-Liste anlegt, die ihr dann miteinander vergleichen könnt. Auf der Ja-Liste stehen Sachen, die du sehr gerne machst oder machen möchtest. Auf der vielleicht-Liste Sachen, die du unter bestimmten Umständen machen möchtest oder eventuell ausprobieren willst, auf der Nein-Liste stehen Sachen, mit denen du dich unwohl fühlst und die du nicht machen möchtest. Auf der Nein-Liste können auch deine Trigger stehen, das heißt zum Beispiel Wörter, Themen, Berührungen oder Praktiken, die dich an ein Trauma erinnern könnten und deshalb vermieden werden sollen. Außerdem könnt ihr darüber sprechen, was ihr jeweils braucht, um euch wohl und sicher zu fühlen.

Ein letztes Thema für ein Vorgespräch kann der Beziehungsstatus aller Personen sein, insbesondere dann, wenn Menschen in nicht-monogamen Beziehungen sind. Alle Beteiligten sollten wissen, worauf sie sich einlassen und welche Sexpraktiken innerhalb der Beziehungsvereinbarung mit anderen Menschen okay sind.

Manchmal ist es schwierig und peinlich über Sex zu sprechen. Deswegen ist es natürlich auch möglich, sich gegenseitig einen Brief zu schreiben. Während eins Sex hat, ist es auch möglich über Geräusche, Körpersprache oder zum Beispiel das Wegziehen von Händen kommunizieren. Das kann allerdings missverstanden werden.

4) Kondome und Lecktücher

Jetzt kommt das, was normalerweise unter safer sex verstanden wird: Der Schutz vor übertragbaren Krankheiten, wie HIV und die Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften. Dazu findet ihr an anderer Stelle sehr viele Informationen, deswegen halten wir uns kurz.

Benutzt auf jeden Fall Verhütung, wenn ihr eure Sexpartner*innen nicht gut kennt, eine involvierte Person schwanger werden könnte und das nicht möchte, oder eine Person eine sexuell übertragbare Krankheit hat oder haben könnte. Sexuell übertragbare Krankheiten können über Sperma, Blut, Vaginalflüssigkeit, Analflüssigkeit, und Stillmilch übertragen werden. Die sicherste Verhütungsmethode bei Vaginal- oder Analsex ist das Kondom. Benutzt immer nur Kondome, die noch haltbar sind und sicher gelagert wurden, das heißt zum Beispiel nicht im Geldbeutel mit sich herumgetragen wurden. Außerdem sollen Kondome immer nur einmal verwendet werden, das heißt: Wenn ihr ein zweites Mal mit einer Person Sex habt, die Sexpraktik ändert oder mit einer anderen Person Sex habt, müsst ihr das Kondom wechseln. Menschen, die eine Neovagina haben, also eine Vagina die medizinisch hergestellt wurde, sollten mindestens zwei Jahre lang keinen Analsex praktizieren, da dies zu Komplikationen führen kann. Außerdem haben Neo-Vaginas insgesamt ein höheres Ansteckungsrisiko für sexuell übertragbare Krankheiten. Neo-Vaginas sollten, gerade am Anfang, nur sehr vorsichtig penetriert werden, da es zu Schmerzen kommen kann.

Menschen mit kleinem Penis können sich gegebenenfalls ein Kondom aus dem Daumen eines Silikonhandschuhs basteln. Wichtig ist dabei, dass die Harnröhre geschützt ist, damit keine Bakterien o.ä. eindringen können.

Noch ein paar Sätz zu Schwangerschaften: Auch Trans*Männer, die Testosteron nehmen und ihren Uterus noch haben, können schwanger werden. Falls ihr das nicht wollt, könnt ihr zur Sicherheit zum Beispiel über eine Spirale nachdenken. Fragt dazu eure*n Gynäkolog*in. Trans*Frauen dagegen können noch eine ganze Weile nachdem sie angefangen haben, Hormone zu nehmen, andere Menschen schwängern, irgendwann ist das aber vorbei. Die Einnahme von Östrogen führt außerdem dazu, dass eins weniger Erektionen bekommen kann und ejakuliert.

Auch bei Oralsex ist es wichtig, sich vor Krankheiten zu schützen, auch wenn das Risiko, sich anzustecken, geringer ist. Dazu gibt es sogenannte Lecktücher. Sie sind relativ teuer, lassen sich aber aus Plastikfolie, einem Silikon-Handschuh oder einem Kondom relativ einfach selbst herstellen. Das Lecktuch wird einfach z.B. auf die Vulva einer Person gelegt und festgehalten. Auch Lecktücher dürfen nicht mehrmals verwendet werden und dürfen nicht gedreht werden.

Wenn dein*e Partner*in und du Scissoring ausprobieren wollt, das heißt eure Vulven aneinanderreibt, könnt ihr euch absichern, in dem ihr eure Unterwäsche anbehaltet.

Die gute Nachricht: Beim Knutschen und Kuscheln kann eins sich nicht mit HIV anstecken.

Aber Vorsicht: Viele Menschen wissen nicht, dass sie eine sexuell übertragbare Krankheit haben. Sei deswegen vorsichtig und lass dich selbst regelmäßig auf HIV und andere Krankheiten testen. Das ist bei Gesundheitsämter, Ärzt*innen und AIDS-Hilfen teilweise auch anonym möglich.

5) Gleitgel für Alle!

Gleitgel ist eine großartige Erfindung: Es kann für alle Beteiligten den Spaß erhöhen und vermindert schmerzvolle Reibung. Gleitgel sollte bei Analsex immer verwendet werden, bei Vaginalsex ist es auch empfehlenswert, vor allem für Trans*Personen, die Testosteron nehmen, da dies die Selbstbefeuchtung der Vagina verringert. Außerdem ist Gleitgel ein Muss für alle Menschen, die eine chirurgisch angelegte Vagina haben, also Trans*Frauen und Inter*Personen, da diese sich nicht selbst befeuchten kann.

Wenn ihr mit einem Kondom oder Lecktuch verhütet, benutzt nur Gleitgel auf Wasser- oder Silikonbasis, denn wenn ölbasiertes Gleitgel verwendet wird, kann das Kondom kaputt gehen.

Und zuletzt: Spucke ist kein sicherer Gleitgel-Ersatz, denn darüber kann die Krankheit Tripper übertragen werden.

 6) Sexspielzeug

Sexspielzeug kann alleine oder zusammen mit anderen viel Spaß machen. Wichtig zu beachten ist, dass es immer hygienisch gereinigt werden muss, vor allem, bevor eine andere Person es benutzt. Sexspielzeug kann teilweise auch mit Kondomen verwendet werden. Silikonspielzeug sollte bis zu fünf Minuten in Wasser ausgekocht oder mit antibakterieller Seife gewaschen werden.

Sexspielzeug aus Silikon darf nicht zusammen mit Silikonbasiertem Gleitgel verwendet werden, es kann sonst porös werden.

Das waren die wichtigsten Tipps und Tricks. In der Infobox haben wir noch weitere Informationen, vor allem für Trans*Personen gesammelt, schaut doch mal rein!

 

Literatur und Quellen

Brazen: Trans Women’s Safer Sex Guide. Abrufbar unter: https://t.co/R1mDktOnfV (Abruf: 19.12.2016).

BZgA: HIV-Übertragung und AIDS-Gefahr. Wo Risiken bestehen und wo nicht. Situationen/Risiken / Ratschläge. Abrufbar unter: http://www.bzga.de/pdf.php?id=22b23569439cb92bbfc292766b625bbf (Abruf: 18.12.2016).

Moore, Allison / Diamond, K.D: Girl Sex 101. 2. Auflage 2016.

Stegemann, Daniela: Safer Sex – und wie machst du das so? Praktisch. Sicher. Sexy. Ein Handbuch. Bestellbar unter: www.daniela-stegemann.de

Primed². A Sex Guide for Trans Men into Men. Abrufbar über: https://t.co/7XRrVYPiu5 (Abruf: 19.12.2016).

Safer Sex for Trans Bodies. Abrufbar über: https://t.co/MWrhU59hfd (Abgrfufen: 19.12.2016).

http://www.queer.de/detail.php?article_id=25815 (Abruf: 18.12.2016)

http://fuckyeahsexeducation.tumblr.com/post/41049495543/masturbation-relationships-and-sex-a-guide-for (Abruf: 18.12.2016).

Folge 8: Heteronormativität

In dieser Mini-Folge geht es um Heteronormativität. Wir schauen uns an, was der Begriff bedeutet, was der Unterschied von Heterosexualität und Heteronormativität ist und wer von Heteronormativität benachteiligt wird.

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Was ist Heteronormativität?

Um zu erklären, was Heteronormativität ist, müssen wir uns zuerst fragen, was Männer und Frauen sind und welche Eigenschaften und Unterschiede ihnen in der Gesellschaft zugeschrieben werden. Wir haben da mal eine Tabelle vorbereitet:

Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es auf vier verschiedenen Ebenen. Die erste Ebene ist der Körper. Laut der Gesellschaft haben Männer einen Penis, Hoden, einen Adamsapfel und mehr Testosteron als Frauen. Frauen dagegen haben eine Vagina, Gebärmutter, Eierstöcke, Brüste und mehr Östrogen.

Auf der Straße können wir die meisten dieser körperlichen Merkmale nicht sehen – und wissen meistens trotzdem, wer ein Mann oder eine Frau ist. Dies liegt daran, dass wir uns als Gesellschaft auf verschiedene Zeichen und Symbole geeinigt haben, wie beispielswiese Kleidung, Make-Up, Hobbies und Verhaltensweisen, mit denen eine Person als männlich oder weiblich einsortiert werden kann. In der Wissenschaft wird das als soziales Geschlecht, oder gender bezeichnet. Frauen tragen also Röcke und schminken sich, Männer stehen auf Fußball, sind die Hauptverdiener in der Familie und eher aggressiv, Frauen mögen shoppen und pink und so weiter.

Eine weitere Ebene ist die Sexualität. Während von Männern erwartet wird, dass sie auf Frauen stehen, immer den ersten Schritt machen und viel Sex haben sollen, sollen Frauen eigentlich nur auf einen einzigen Mann stehen, sie sollen außerdem eher passiv sein und Kinder bekommen anstatt viel Spaß an Sex zu haben.

Eine letzte Ebene ist die der Identität, also die Frage danach, wer ich bin. Männer sollen sich als männlich identifizieren und Frauen als weiblich.

Was genau wollen wir mit dieser großen Liste eigentlich zeigen? Es geht uns darum, dass Heteronormativität etwas mit gesellschaftlichen Erwartungen und Regeln zu tun hat. In einer heteronormativen Gesellschaft gelten für die Menschen folgende Regeln:

  • Es gibt nur zwei Geschlechter, die sich jeweils sexuell zueinander hingezogen fühlen, Männer zu Frauen und Frauen zu Männern. Sie sind extrem unterschiedlich und eine Person kann nur ein Geschlecht haben und nicht zum Beispiel mehrere, keins oder zwischen den Geschlechtern stehen.
  • Das Geschlecht einer Person lässt sich an ihrem Körper ablesen. Der Körper, die Identität, die Präsentation des Geschlechts nach außen und die Sexualität einer Person hängen so eng miteinander zusammen, dass sie eigentlich nicht zu trennen sind.
  • Alle Menschen sind heterosexuell – zumindest so lange bis sie sich als zum Beispiel als schwul, lesbisch, bisexuell oder a_sexuell outen – und dann werden sie gesellschaftlich diskriminiert.
  • Heterosexualität wird als etwas Natürliches, Biologisches und gottgewolltes angesehen.

Dass viele dieser Annahmen nicht stimmen – weil es zum Beispiel mehr als zwei Geschlechter gibt und weil nicht alle Männer Penisse haben – und dass diese gesellschaftlichen Regeln vielen Menschen schaden, könnt ihr in unseren Videos immer wieder erfahren.

Wer wird von Heteronormativität benachteiligt?

Im Prinzip erstmal alle Menschen, die sich nicht so einfach in diese Tabelle einsortieren lassen, also schwule, bisexuelle und a_sexuelle Männer sowie lesbische, bisexuelle und a_sexuelle Frauen. Aber auch Trans*-Personen, also Personen, deren Geschlecht von dem abweicht, dem sie bei der Geburt wegen ihres Körper zugewiesen wurden und Inter*-Personen, also Personen, deren Körper sich in einem Spektrum zwischen männlich und weiblich bewegt.

Letztendlich schadet dieses System aber noch mehr Menschen. Zum Beispiel Frauen die gerne und viel Sex haben. Oder Männern, die shoppen auch gut finden. Oder Frauen, die keine Kinder bekommen wollen. Oder Männern, die nicht immer stark sein wollen, die gerne mal Schnulzenfilme schauen und weinen. Und deswegen ist es wichtig, darüber zu reden und letztendlich die Grenzen zwischen den Geschlechtern aufzuheben. Damit alle so sein können, wie sie wollen, ohne ausgelacht zu werden oder Gewalt zu erfahren.

Was ist denn der Unterschied zwischen Heterosexualität und Heteronormativität?

Heterosexualität ist eine sexuelle Orientierung – also wenn Männer auf Frauen stehen und andersrum. Heteronormativität ist ein gesellschaftliches System, in dem Heterosexualität privilegiert wird, das heißt, heterosexuelle Menschen haben Vorteile und nicht-heterosexuelle Menschen werden diskriminiert. Die Diskriminierung findet auf vielen verschiedenen Ebenen statt und bewirkt immer gleichzeitig, dass Heteronormativität als System bestehen bleibt. Auf der gesellschaftlichen Ebene finden sich zum Beispiel viele Vorurteile gegenüber schwulen, lesbischen, bisexuellen, a_sexuellen, trans*, inter*, poly* und queeren Menschen. Da kommt es dann oft auch zu körperlicher, psychischer, sexualisierter Gewalt und Mobbing gegenüber Menschen, die von der Norm abweichen. Auf der rechtlichen Ebene gibt es zum Beispiel immer noch Gesetze, die Menschen diskriminieren, die von der Heteronormativität abweichen, – wie beispielsweise die Tatsache, dass gleichgeschlechtliche Paare immer noch nicht heiraten dürfen, sondern nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen können. In den Medien, also zum Beispiel in romantischen Filmen und ganz besonders oft in der Werbung, werden immer nur heterosexuelle Paare gezeigt; und wenn tatsächlich mal schwule oder lesbische Menschen auftauchen, werden sie stereotyp und lächerlich dargestellt, und sie bekommen quasi nie ein Happy End. Oder noch ein Beispiel ist die Medizin, in der unter anderem Inter*-Kinder, also Kinder deren Körper sich auf einem Spektrum zwischen männlich und weiblich bewegt, zu einem der „beiden“ Geschlechter operiert werden, obwohl das medizinisch nicht notwendig wäre. Mehr dazu gibt es in unserer Folge zu Intersex zu erfahren.

Eine kurze Zusammenfassung:

Heteronormativität ist also ein gesellschaftliches System, in dem es nur zwei Geschlechter gibt die sich sexuell aufeinander beziehen – also in dem Heterosexualität die Regel oder eben „das Normale“ ist. Wer von diesen gesellschaftlichen Regeln abweicht, wird diskriminiert. Das muss sich ändern, denn letztendlich bedeutet Heteronormativität eine Einschränkung von Freiheit für uns alle.

Folge 7: Coming Out

Hallo und Herzlich Willkommen zu unserer neusten Folge. Heute wollen wir über das Thema Coming Out sprechen. Dabei sind für uns vor allem folgende Fragen interessant: Was ist ein Coming Out? Wieso ist es immer noch wichtig, sich zu outen? Und wie geht es Jugendlichen in und nach ihrem Coming Out in Deutschland?

Coming Out 📣Gegen ein Leben im Schrank (unter der Treppe) 🏳️‍🌈

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Folge 6: A_Romantik

Hallo und Herzlich Willkommen zur neuen Folge unseres Podcasts. Heute geht es um Aromantik und um das aromantische Spektrum, also um Menschen, die keine romantische Anziehung zu anderen Menschen verspüren. Letztes Mal haben wir gezeigt, dass es verschiedene Arten gibt, sich zu Menschen hingezogen zu fühlen, und dass romantische Anziehung eine davon ist. Ihr müsst die letzte Folge nicht gesehen haben, um diese hier schauen zu können, aber es gibt euch sicher eine gute Grundlage. Dieses Mal erklären wir ausführlich, was A_romantik ist und was es mit dem aromantischen Spektrum auf sich hat. Danach geht es noch um den Zusammenhang zwischen Asexualität und Aromantik und zuletzt schauen wir uns an, welche gesellschaftlichen Strukturen dafür verantwortlich sind, dass aromantische Menschen diskriminiert werden.

A_romantik 🏹 Ah! Romantik? Nix für mich. ¯\_(ツ)_/¯

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Folge 5: Sexuelle und romantische Orientierungen

Hallo und Herzlich Willkommen zur neuen Folge unseres Podcasts. Dieses Mal wollen wir über verschiedene Orientierungen reden, also über verschiedene Arten und Weisen, wie wir uns zu anderen Menschen hingezogen – oder eben nicht hingezogen – fühlen. Wir wollen euch erklären, welche verschiedenen Arten von Orientierung es gibt, und warum es manchmal wichtig ist, sie voneinander zu trennen. Mit dieser Folge zusammenhängend werden wir später in diesem Monat eine Folge über Aromantik machen, aber ihr könnt auch beide Folgen unabhängig voneinander anschauen.

Mehr als Sex 💚 Andere Arten von Anziehung 💛

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Folge 4: Rape Culture

Hallo und herzlich Willkommen zu unserer neuen Folge. Heute sprechen wir über ein ziemlich schwieriges Thema: sexualisierte Gewalt. Wir wollen dabei verschiedene Begriffe erklären und darüber reden, wie in unserer Gesellschaft mit sexualisierter Gewalt umgegangen wird. In der Infobox findest du Informationen und Anlaufstellen, falls du oder jemand aus deiner Familie oder deinem Freundeskreis sexualisierte Gewalt erfahren hat.

Was kannst du gegen Rape Culture tun?

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Folge 3: Diskriminierung

Hallo und Herzlich Willkommen zur dritten Folge unseres Podcasts Buchstabensuppe. Heute wollen wir uns mit dem Thema Diskriminierung beschäftigen. Das Wort hast du bestimmt schon mal gehört. Aber: was bedeutet der Begriff überhaupt? Und: welche Formen und welche Ebenen von Diskriminierung gibt es? Das wollen wir heute klären und auch erzählen, was du gegen Diskriminierung tun kannst – wenn es dir passiert, aber auch, wenn es anderen passiert. Diskriminierung ist ein sehr großes Thema, deswegen müssen wir in dieser Folge auch manchmal Sachen weglassen. Wenn du aber dieses Symbol siehst, gibt es dazu mehr Informationen in einer anderen Folge oder in der Infobox.

 

Diskriminierung Teil 1 📦 Schubladendenken und Intersektionalität?!

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Folge 2: Geschlecht und Sprache

Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge unseres Podcasts „Buchstabensuppe“. Heute geht es um das Thema Geschlecht und Sprache. Was diese beiden Themen miteinander zu tun haben, klären wir gleich am Anfang. Dann werden wir uns drei wichtige Ebenen anschauen, in denen Sprache und Geschlecht zusammenwirken, nämlich geschlechtergerechte Sprache, Pronomen und Sprachhandeln. Keine Sorge, wir erklären ganz von vorne, was das überhaupt ist.

 

Geschlecht und Sprache ✨ Generisches Maskulinum wegglitzern! ✨

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