Kummerkastenantwort 6697: Ich bin vermutlich trans aber meine Familie unterstützt mich nicht und ich habe Angst um meine berufliche Zukunft.

CN: Transfeindlichkeit, Weltpolitik

Hi!



Ich (23) denke seit 3 Jahren darüber nach, dass ich vermutlich trans bin und lieber ein Mann wäre. Ich kleide mich maskulin und habe mir insgeheim einen Namen ausgesucht, den ich gerne hätte, fühle mich aber noch nicht genug Mann, als könnte ich den mit meinem jetzigen Zustand ausfüllen. Dennoch stelle ich mir immer vor, in Zukunft diese Person sein zu können.



Als ich vor 1 Jahr mit meiner Family gesprochen hab, haben sie geweint und es nicht verstanden (sehen mich nicht als typisch männlich und finden Männer generell unangenehm). Seit dem tun alle so als wäre das vom Tisch. „Warum reicht es dir nicht eine maskuline Frau zu sein?“ Es scheint ja was zu geben, da ich den Gedanken noch immer nicht aufgeben kann, oder?



Jedenfalls brauche ich Veröffentlichungen mit meinem vollen Namen für meinen zukünftigen Job, aber was wenn ich später doch irgendwann transitioniere? Dann würde jeder wissen, dass ich trans bin… Die politische Weltlage macht mir große Angst und ich wüsche mir Sicherheit für meine Familie, ich fühle mich verantwortlich und will sie nicht belasten. Meiner Therapeutin traue ich mich nicht davon zu erzählen, da ich so lange auf den Platz warten musste.



Mir ist klar, dass mir diese Entscheidung niemand abnehmen kann. Aber trotzdem komme ich nicht weiter. Wie kann ich das ertragen? Oder gibt es einen Endpunkt der Erträglichkeit? Was soll ich tun? Ich fühle mich so lost.



Danke für eure Arbeit!

Hallo!

Das klingt nach einer ziemlich schwierigen Situation! Du verdienst es, ernst genommen und unterstützt zu werden, dass deine Familie so negativ reagiert, ist nicht in Ordnung. Du scheinst ja sehr lange drüber nachgedacht zu haben, das heißt, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass da auch was dran ist.

Zu den Veröffentlichungen: Meist kontrolliert niemand im Veröffentlichungsprozess, ob der Name, den du angibst, auch wirklich auf deinem Ausweis steht. Du könntest schauen, ob du z. B. unter einem Initial oder deinem Wunschnamen veröffentlichen kannst, wenn du das möchtest? Manche (wissenschaftliche) Publisher bieten auch die Möglichkeit, den Namen nachträglich nach der Veröffentlichung zu ändern, wahrscheinlich müsstest du dich dafür dann aber bei ihnen outen. Das ist natürlich keine perfekte Lösung, falls du in der Zwischenzeit schon von anderen Leuten zitiert wurdest.

Ich würde dir wünschen, dass du mit deiner Therapeutin oder anderen vertrauenswürdigen Menschen darüber sprechen kannst, denn es kann ganz schön belastend sein, mit diesen Gedanken allein zu sein. Wenn du magst, kannst du dich auch online in unserem QueerChat mit anderen queeren Erwachsenen austauschen, die ähnliche Fragen beschäftigen. Ich wünsche dir alles Gute!

Viele Grüße
Hannah

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