Kummerkastenantwort 1.334: Wie kann ich mit den Anforderungen an meine Wokeness klarkommen?

Moin,
ich habe eine ernsthafte Frage, die häufig als Troll/Provokation wahrgenommen wird; hoffentlich von euch nicht, da sie mir wichtig ist. Sie geht um die ganze Hand beim gereichten Finger.

Ich bin Künstler und Spieleentwickler und probiere, alle möglichen Spielenden einzubinden. Nun ist es passiert, dass ich ein System entwickelt habe, dass erlaubt, einen Charakter mit jedem selbst eingetragenen Geschlecht/Pronomen/Anrede zu spielen, nicht nur am Anfang, sondern das ganze Spiel über und auch online. Ich habe sehr viel positives Feedback bekommen, dass dieses Feature ziemlich cool und auch wichtig ist.

Allerdings habe ich auch negatives Feedback erhalten, verhältnismäßig wenig, aber es war dar und hat in den Communities große Wellen geschlagen, weswegen mein Spiel auch gemeldet und fast offline genommen wurde. Einige Menschen haben mich gefragt, wo Features sind, um z.B. Charaktere (besser) als BiPOC oder mit körperlichen Behinderungen darzustellen. Auf meine Antwort, dass dies zur Zeit nicht geplant ist/nicht oben auf der Liste steht aus Gründen (siehe unten), habe ich eben diese Meldungen und Drohungen bekommen, genau wie, dass ich als rassistisch, ableistisch und auch teilweise als transfeindlich bezeichnet wurde; letzteres weil einigen Spielenden das Feature nicht genug war, obwohl alles wie oben genannt eingetragen werden kann.

Ich stelle diese Frage nun nicht, um Tipps zum Spiele entwickeln zu bekommen, sondern möchte wissen, wie ich am besten mit solchen Reaktionen umgehe. Ich muss lernen, arbeiten, Haushalt, Mental Health aufrecht erhalten etc. und das Spiel ist nur ein Hobby, für das ich wenig Ressourcen habe. Wie kann ich am besten zu einer Gruppe Menschen, welche sich angegriffen fühlt, sagen “Ich will/muss (für mich und die Spielenden) ein Spiel entwickeln, dass Gameplay/Story/Mechaniken bietet und ich kann nicht all meine eh schon begrenzten Ressourcen rein in Repräsentation stecken.”

Danke für eine Antwort 🙂

Hallo!

Das ist eine schwierig zu beantwortende Frage, die du hier stellst. Zuerst einmal ist mir wichtig zu sagen: Wir (und auch niemand sonst) kann dir Absolution erteilen – ich lese deine Nachricht ein bisschen so, als würdest du dir das wünschen.

Ich kann aber gut nachvollziehen, wie es dir damit geht und deine Position ist verständlich. Gleichzeitig ist es natürlich auch verständlich, dass Menschen, die Teil von unterrepräsentierten Minderheiten sind, sich selbst (gut) repräsentiert sehen wollen. Ich glaube ein erster wichtiger Schritt ist, zu verstehen, wieso diese Kritik geäußert wird und die Wünsche dieser communities anzuerkennen. Damit zeigst du, dass du diese Kritik ernstnimmst und anerkennst. Du darfst dann natürlich auch trotzdem darauf aufmerksam machen, dass du das als Hobby machst / wenig Zeit / wenig Ressourcen hast und das deswegen vielleicht (noch) nicht umsetzen kannst. Möglich wäre aber ja vielleicht auch, dass Menschen mit Expertise dir da helfen könnnen, wenn es ihnen wichtig ist, dass sie (gut) repräsentiert werden. Denn: du willst ja ein gutes Spiel machen und dazu gehört ja auch, Feedback ernstzunehmen.

Um Strategien für deine mentale Gesundheit zu entwickeln würde es sich vielleicht lohnen mit einer Fachperson zu sprechen, z.B. eine*n Therapeut*in oder eine Beratungsstelle, das können wir hier nicht leisten.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Liebe Grüße,

Annika