Kummerkastenantwort 316: Meine Eltern halten meine Nicht-Binarität für eine Phase.

Hallo,
Ich bin Sam.
Ich bin Genderfluid und habe mich vor einiger Zeit bei meinen Eltern geoutet. Sie haben nicht abweisend reagiert, nennen mich aber immer noch bei meinem Deadname. Ich habe versucht, ihnen mit einem Brief begreiflich zu machen, wie ich mich fühle. Ausserdem habe ich Ihnen gesagt, das ich gerne Sam genannt werden möchte.
Sie haben darauf mit einem Brief reagiert, in dem sie mich am Anfang mit meinem Deadname Ansprechen und (indirekt) sagen, dass sie das Ganze für eine Phase halten.
Was soll ich jetzt machen?
Wie kann ich Ihnen erklären, das sie mich Sam nennen sollen?

Noch Einen andere Sache die mich beschäftigt:
Gibt es Therapeuten, die sich mit Nonbinary/ Gender non confirming Menschen beschäftigen?
Ich habe nach längerm suchen nämlich nur welche für Transsexuallität gefunden und das hilft nicht mir wirklich…
Danke fürs Lesen.
Sam

Hallo Sam,

danke für deine beiden Fragen. Ich fürchte, wir haben keine definitiven Antworten, aber ich denke, ich kann einen guten Anfang geben.

Wie die eigenen Eltern überzeugen?

Was du beschreibst, wie deine Eltern mit deinem Coming Out umgehen, ist traurig. Menschen sind keine Maschinen, daher gibt es auch keine genaue Anleitung von Schritten, die du befolgen kannst und am Ende deine Eltern überzeugt hast. Es gibt ein paar Ansätze, die du in Betracht ziehen kannst, je nach dem, wie deine Eltern so drauf sind und wie viel Geduld und Energie du hast.

Du kannst ankündigen, dass du nur noch reagierst, wenn du Sam genannt wirst. Und das dann -mehr oder weniger- durchziehen. Das macht Arbeit, kostet Energie und bietet auch Potential zur Eskalation. Also je nach dem wie die Situation in deiner Familie ist, vielleicht nicht die beste Möglichkeit.

Du kannst das Gespräch suchen und rausfinden, was deine Eltern glauben macht, dass das nur eine Phase sei. Rausfinden, warum es ihnen schwer fällt, deinen Namen zu benutzen. Kompromisse finden ist hier schwierig. Es ist keine vernünftige Lösung, wenn du jeden zweiten Tag mit Deadname angesprochen wirst. Aber: Wenn wir als Menschen uns gegenseitig verstehen, werden Dinge manchmal einfacher.

Du kannst deine Eltern verbessern, wenn sie deinen Deadname oder falsche Pronomen für dich benutzen. Ähnlich wie beim nicht-mehr-reagieren hat das auch Konfliktpotential, da ist also auch Vorsicht geboten. Wenn du Geschwister hast, und dich damit wohlfühlst, kannst du sie auch bitten, deine Eltern entsprechend zu korrigieren.

Ich hab noch einen übergeordneten Gedanken dazu. Ich gehe nicht davon aus, dass das für dich eine Phase ist, Sam, aber selbst wenn es eine wäre, wäre das kein Argument, deinen Wunsch, mit einem anderen Namen angesprochen zu werden, nicht nachzugeben.

Gibt es Therapeut*innen, die sich mit Personen, die nicht binär oder non-conforming sind, befassen?

Die kurze Antwort ist: Ja. Aber nur sehr wenige. Und wahrscheinlich kennen wir die auch alle nicht. Falls es bei dir in der Stadt einen Stammtisch gibt, an dem sich nicht-binäre Personen treffen oder ein queeres Jugendzentrum kannst du dort vielleicht mal reinschauen und dich erkundigen, ob jemand vielleicht einen Tipp hat. Ansonsten kannst du einmal hier schauen:

https://www.vlsp.de/beratung-therapie

Liebe Grüße und noch viel Erfolg mit deinen Eltern und deiner Therapiesuche
Xenia

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