Kummerkasten Antwort 199 – Ich möchte einen neuen Namen, wie sag ich das meinem Umfeld?

Hallo,
ich habe mich schon seit einer ganzen Zeit für mich als Genderfluid geoutet, nur habe ich noch niemandem davon erzählt, da ich von meinem Umfeld immer so aktzeptiert wurde. Jedoch habe ich schon seit einigen Monaten das Bedürfnis mit einem anderen Namen angeprochen zu werden. Ich weiß nur icht, wie ich es meinem Umfeld sagen soll, da ich mich noch nie erklären musste und angst habe, dass wenn ich mich erkläre dann doch blöde Sprüche kommen
LG

Hallo lieber unbekannter Mensch,

es ist schön, dass dein Umfeld dich bisher so akzeptiert hat, wie du bist. Ein Outing kann trotzdem ein großer Schritt sein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit so einer Situation umzugehen, und welche für dich die richtige ist, kannst du wohl selbst am besten beurteilen.

Du könntest dich z.B. zuerst mal nur bei einer oder zwei Personen aus deinem Freund*innenkreis oder aus der Familie outen, bei denen du am ehesten das Gefühl hast, dass sie dich verstehen und unterstützen. Es ist immer leichter, sich zu outen, wenn du Leute hast, die dir dabei den Rücken stärken. Das müssen aber auch nicht unbedingt Leute aus deinem engsten Kreis sein – Unterstützung findest du z.B. auch in queeren Gruppen bei dir vor Ort oder online. Es hilft manchen Menschen auch, sich erst bei einer Person zu outen, mit der sie nicht so eng sind, weil dann das Risiko, verletzt zu werden, auch geringer sein kann.

Möglich wäre z.B. auch, deinem Umfeld einfach nur den neuen Namen zu sagen, mit dem du angesprochen werden willst, ohne dich sofort zu erklären. Viele Leute ändern aus verschiedenen Gründen ihre Namen oder Spitznamen, und du kannst ja auch einfach nur sagen, dass du mal was neues ausprobieren willst, dich mit dem alten Namen nicht mehr wohl fühlst, oder so was ähnliches – ohne Wörter wie “genderfluid” o.ä. zu verwenden.

Irgendwelche Sprüche oder unangenehme Nachfragen können immer kommen, weil die meisten Leute noch nie eine genderfluide Person getroffen haben. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, deinem Umfeld ein Zeitfenster zu geben, in dem du auf Fragen antwortest, z.B. einen Tag oder eine Woche – dann können die Leute alle ihre Fragen auf einmal loswerden, und das ist dann zwar für einen kurzen Zeitraum sehr anstrengend für dich, aber danach kannst du es dann hoffentlich auch abhaken. Oder du lässt jemensch anderes die Beantwortung aller Fragen übernehmen, z.B. uns. 😉 Dann musst du dir das alles nicht anhören und wir kümmern uns drum. Hier könnte dann dein Umfeld nochmal genau nachlesen, was welche Griffe bedeuten, und wir können auch Fragen beantworten und Unsicherheiten klären.

Ich wünsche dir alles Gute und drücke die Daumen, dass dein Umfeld dich auch weiterhin so akzeptiert, wie du bist!
Balth

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