Kummerkastenantwort 4.220: Ich habe Fragen zu Coming Out und zu meinem neuen Namen

Ich bin transmasc nichtbinär und bin mittlerweile schon an einigen Orten geoutet. Ich habe gestern erst festgestellt, dass ich manchmal schon besser auf meinen neuen Namen höre als auf meinen alten, den ich als Zweitnamen weiterverwende.

Aber es gibt Spaces, wo sich ein Outing komisch anfühlt. An einer Stelle hab ich mich geoutet und es wurde super aufgenommen und er gibt sich Mühe, meinen neuen Namen zu verwenden, aber es fühlt sich so negativ seltsam an, dort so genannt zu werden! Vor dem Outing war es aber auch unangenehm. Irgendwie brauche ich an unterschiedlichen Orten anscheinend sehr unterschiedlich lange, um mich selbst umzugewöhnen…
Und ich habe festgestellt, dass ich oft sehr angespannt bin, wenn ich mir nicht sicher bin, ob eine Person es schafft, meinen neuen Namen zu benutzen und es sehr, sehr schwierig finde, damit umzugehen. Wie kann ich damit umgehen? Wie schaffe ich es, mich da etwas zu entspannen?

In einer anderen Gruppe bin ich so halb geoutet, sie benutzen meinen neuen Namen nicht und ich sage nichts, weil ich denke, dass es sich dort auch so anfühlen würde – aber gleichzeitig mag ich es auch so wie es jetzt ist nicht.
Das ist auch einer der Gründe, warum ich es nicht so richtig schaffe, mich im erweiterten Familienkreis (Tanten/Großeltern) zu outen, obwohl 2 von ihnen es vmtl. schon ahnen und es immer schwieriger wird zu verheimlichen. Ich bin mir relativ sicher, dass es ähnlich laufen würde wie in dieser einen Gruppe: sie wären mir als Person lieb gegenüber, aber sie würden es nicht verstehen und meinen neuen Namen nicht benutzen. Manche von ihnen würden es eher akzeptieren, manche würden sich aber evtl auch Sorgen machen, dass ich auf irgendwelchen “Irrwegen” gelandet sei.

Aber ich bin mir nicht sicher, welche Möglichkeit ich hier am angenehmsten fände: out zu sein, aber bei altem Namen genannt zu werden – out zu sein und bei neuem Namen genannt zu werden – nicht out zu sein. Irgendwie fühlen sich alle drei unangenehm und komisch an.

Hi!

Wir haben wirklich lange gebraucht, um dir zu antworten. Das tut uns leid.

Ich glaube du hast des Pudels Kern schon auf den Kopf getroffen: dein neuer Name ist erstmal sehr ungewohnt für dich. Gerade, wenn er nicht überall für dich genutzt wird. Ich denke, dass sich das geben wird, wenn dein Name öfter für dich genutzt wird.

Mein Rat an dich ist deshalb, dich zu trauen und auch zu dir zu stehen. Erklär es deinen Verwandten ausfürlich und beantworte auch mal dumme Fragen (wenn sie in Good Faith sind!) und wenn du merkst, dass sie es gar nicht verstehen wollen, überleg dir wieviel deiner Zeit sie wirklich wert sind. Deine Existenz als Trans Person ist nicht schwierig zu begreifen, lass dir das nicht einreden.

Veränderung ist immer komisch, aber leider ist Stillstand auch nicht das Richtige. Trau dich, das Pflaster abzureißen. Viel Erfolg dir!

Liebe Grüße,
Kim

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