Kummerkastenantwort 283 – Bin ich hetero? Lesbisch? Pansexuell?

Hey und zwar bin ich mir nicht sicher welche Sexualität ich habe und ich möchte es gerne raus finde ich bin 18 Jahre und bin Weiblich. Eine zeitlang dachte ich das ich hetero bin dann dachte ich eine Zeit lang das ich Pansexuell bin dann dachte ich eine zeit lang das ich lesbisch bin. Bei mir ist das so das mich Frauen schon immer mehr interessiert haben als Männer aber ich habe mich auch schon mal in jungs verliebt und ich finde vor allem frauen, Tomboy und Transgender (wenn Mädchen ein Junge wird) anziehend ich hoffe das jemand ein Rat für mich hat bzw mir weiterhelfen kann welche Sexualität ich habe könnte
Mit lieben Grüßen

Hallo du!

Sexualitäten und die passenden Labels dafür zu finden ist nicht immer leicht – es gibt schließlich auch sehr viele verschiedene und da kann sich eins schon mal die Frage stellen, welches wohl am besten passt und ob nicht vielleicht doch ein anderes noch zutreffender ist. Letztlich kommt es aber immer nur darauf an, welche Begriffe dir am meisten helfen, welche Communities am besten zu dir passen und womit du dich wohl fühlst. Also kannst du dich einfach fragen: Mit welchem Label fühle ich mich am wohlsten? Welches finde ich praktisch, welches hilft mir dabei, meine Sexualität und meine Gefühle zu beschreiben?

Manche Menschen benutzen z.B. den Begriff “Pansexualität” um auszudrücken, dass sie sich grundsätzlich sexuelle und/oder romantische Beziehungen mit Menschen aller Geschlechter oder unabhängig vom Geschlecht vorstellen können. “Pansexualität” fasst dabei ganz viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Präferenzen und ‘Schwerpunkten’ zusammen – es ist also nicht wichtig, wie oft sich eine pansexuelle Person zu Menschen welchen Geschlechts hingezogen fühlt, im Mittelpunkt steht nur die Tatsache, dass theoretisch alles möglich ist.

Manche Menschen benutzen auch das Label lesbisch für sich, wenn sie sich z.B. ab und zu in Männer/Jungen verlieben, sich aber keine Beziehungen mit ihnen wünschen oder vorstellen können.

Andere verwenden das Label bi– oder polysexuell, um auszudrücken, dass sie sich zwar zu Menschen verschiedener Geschlechter hingezogen fühlen, aber trotzdem Präferenzen und/oder Einschränkungen haben.

Ich bin mir sicher, dass du unter all den Labels eines (oder auch ein paar) finden wirst, mit dem (oder denen) du dich wohl fühlst und die dir helfen, dich zu beschreiben. Übrigens ist es auch gar nicht schlimm, Labels ab und zu mal zu verändern – Sexualität ist für viele Menschen fließend und wandelt sich mit der Zeit, und es ist vollkommen okay, das mit unterschiedlichen Begriffen anzuerkennen.

Alles Gute dir und liebe Grüße,
Balthazar

PS: Ich bin mir sicher, du meinst das nicht verletzend oder ausgrenzend, aber viele trans Jungen (also Jungen, die bei der Geburt für Mädchen gehalten wurden), mögen es nicht so gerne, wenn Menschen sagen, dass sie sich zu ihnen hingezogen fühlen, aber nicht (oder nicht so sehr) zu cis Jungs (also Jungen, die auch schon bei der Geburt als männlich eingetragen wurden) – das sieht dann ein wenig so aus, als wären trans Jungen keine echten Jungen (in Wahrheit lässt sich den meisten Jungen aber gar nicht ansehen, ob sie cis oder trans sind, und egal, was sie sind, sie sind immer und alle ‘echte’ Jungen).

Kummerkasten Antwort 196 – Verwirrung über passende Labels

Hey, ich bin Männlich und derzeit 18 Jahre alt.
Ich grübel mal wieder.. es geht um meiner Sexuallität.. ich bin mir unsicher.. ich fühle mich größtenteils zu Frauen hingezogen.. stelle mir aber auch immer wieder mal Sexuelle dinge mit einem Typen vor.. nur Sexuelles.. eine Beziehung mit einen Typen kann ich mir nicht vorstellen.. ich habe mich eine kurze Zeit auch als Bi identifiziert.. aber das kann ja auch nicht sein 🤷 es fühlt sich einfach nicht passend an wenn ich sage “ich bin Hetero” idk.. in meiner Schulzeit hatte ich auch drei Typen.. mit denen ich mir auch Sexuelle dinge vorgestellt habe.. ich bin verwirrt .-.
ich will wissen als was ich mich identifizieren kann.. um auch endlich das grübeln darüber zu beenden.. kann man mir hier irgendwie helfen? Danke.

PS: Schöne Seite hier. Gefällt mir.

Hallo lieber Mensch,

danke für das Kompliment! Wir freuen uns, dass du deinen Weg hierher gefunden hast.

Zuerst mal kann ich dein Grübeln und deine Unsicherheit gut nachvollziehen. Und dann möchte ich etwas sagen, das vielleicht von einer Webseite, die sich als Lexikon versteht, etwas ironisch klingt: Es gibt nicht eine feste Definition von bi. Du schreibst, es kann nicht sein, dass du bi bist – ich vermute mal, weil du dir nur Sexuelles, aber keine Beziehungen mit Männern vorstellen kannst. Wenn du dich aber mit dem Label “bi” wohler fühlst als mit “hetero”, dann kannst du dich selbstverständlich damit beschreiben! In deinem Fall könnte die Definition von “bi” dann sowas sein, wie “(ausschließlich) sexuelle Anziehung zu Männern und Frauen (aber nicht unbedingt romantische Anziehung” – oder so ähnlich.

Andere Menschen, denen es so ähnlich geht wie dir, verwenden das sogenannte “Split Attraction Model” (auch SAM genannt); da geht es einfach nur darum, dass es verschiedene Arten von Anziehung gibt, z.B. romantische und sexuelle, und dass die verschiedenen Arten nicht unbedingt immer “zusammenpassen” müssen – du könntest dich also z.B. als bisexuell und heteroromantisch bezeichnen. Ob das passend und sinnvoll für dich ist, kannst aber nur du entscheiden. Falls dich das SAM mehr interessiert: Wir haben da mal eine Podcast-Folge dazu gemacht.

Wenn sich aber kein Label so richtig passend anfühlt: Du musst gar keins benutzen. Für manche Leute fühlen sich Labels einschränkend ein und sie beschreiben lieber mit mehr Worten, was sie wollen, was ihnen gefällt und mit welchen Menschen sie sich was vorstellen können. Auch das wäre eine vollkommen verständliche und akzeptable Option für dich. Oder du könntest auch einen Überbegriff verwenden, z.B. “queer” – queer kann alle Menschen bezeichnen, die nicht in die gesellschaftliche Norm von Sexualität und Geschlecht passen, die also z.B. nicht (oder nicht ausschließlich) hetero sind.

Ich hoffe, bei diesen Optionen ist eine für dich dabei, die passt. Und wenn nicht: Es ist immer okay, auf der Suche oder unsicher zu sein! Menschliche Sexualität ist sehr komplex und es ist mehr als verständlich, wenn sie nicht in eine kleine, verständliche Box passt, die ein Wort wie “bi” oder “hetero” sein kann.

Alles Gute!
Balth

Kummerkasten Antwort 112 – Verliebt oder befreundet?

Bin ich nur verliebt oder befreundet?

Hey Kummerkasten!

Ich weiß nicht, ob es hilft, aber ich denke, ich würde es mir gerne einfach Mal von der Seele reden, da ich sonst nicht weiß, mit wem ich darüber reden kann/will.

Ich glaube ich bin heterosexuell. Ich war in einer Beziehung mit einem Jungen (es wurde ein bisschen körperlich) und mit einem Mädchen (aber über’s Internet mit nur einem Treffen), und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Jungs sexuell anziehend finde, und bei Mädchen weiß ich es nicht wirklich.
Jetzt habe ich aber eine andere Sorge bekommen, und da ich weiß, dass man heterosexuell UND homoromanzisch sein kann (oder biromantisch), bin ich wirklich sehr verwirrt.
Denn ich weiß wirklich nicht, ob ich in meine beste Freundin verliebt sein könnte.
Manchmal denke ich, ja – wenn ich so unglaublich eifersüchtig werde, weil sie mit anderen Freunden etwas unternimmt, wenn ich daran denke, am liebsten mit ihr zusammen zu ziehen und uns eine Zukunft zu teilen, oder wenn ich manchmal mit niemandem reden möchte oder etwas unternehmen, und sie jedes Mal die Ausnahme ist, oder wenn ich sie schon nach kurzer Zeit vermisse.

Aber ich Frage mich, ob das nicht auch einfach heißen kann, dass sie mir sehr, sehr wichtig ist, als beste Freundin.
Ich konnte mir damals mit dem Jungen nicht vorstellen, meine Zukunft zu verbringen, bei ihr schon.
Aber vielleicht sind das ja nur Freundschaftsgedanken, weil ich den Richtigen noch nicht gefunden habe, oder weil ich gerne Bi sein möchte, und es mir deswegen versuche einzureden.

Deswegen interessiert es mich, ob ihr irgendwelche Tipps habt, wie man unterscheiden kann, wann die Gefühle rein freundschaftlich sind, und ab wann man vom verliebt sein sprechen kann?

Danke im Vorraus. 🙂

Hallo du,

danke, dass du uns deine Situation anvertraut hast. In unserer Gesellschaft gilt es als ganz selbstverständlich, dass wir alle eine romantische Beziehung suchen, die dann automatisch die wichtigste Beziehung im Leben wird und nach der wir unser Leben und unsere Zukunft ausrichten. Das nennt sich dann “Amatonormativität” und es bedeutet gleichzeitig, dass platonische (also freundschaftliche) Beziehungen als weniger wichtig eingestuft werden als romantische, dass eine Zukunftsplanung mit Freund*innen als kindisch gesehen wird und als was, wo ein Mensch rauswächst, sobald x “dien richtige*n Partner*in” (also eine romantische Beziehung) gefunden hat, und dass alle Freundschaften, die so eng und wichtig wie eine romantische Beziehung sind, automatisch als romantisch gelesen werden.

Für viele Menschen passt das aber so nicht, und diese Norm ist auch gar nicht immer so gewesen. Zur Zeit unserer Großeltern war es teilweise ziemlich normal, (auch) mit Freund*innen zusammenzuleben, die ein Teil der Familie waren. Schon immer hat es Menschen gegeben, für die freundschaftliche Beziehungen wichtiger waren als romantische oder sexuelle.

Es kann durchaus sein, dass das für dich und deine beste Freundin auch so ist. Vielleicht sind deine Gefühle rein freundschaftlich, vielleicht sind sie romantisch – manchmal ist das schwierig zu unterscheiden – auf jeden Fall hängt das nicht davon ab, wie intensiv deine Gefühle sind. Menschen, die ähnlich fühlen wie du, gehen zum Beispiel sogenannte “queerplatonische” (auch “quasiplatonische”) Beziehungen ein – das sind Beziehungen, die im Kern freundschaftlich sind, aber die gleichzeitig verschiedene Aspekte haben, die sonst nur romantischen Beziehungen zugeschrieben werden, z.B. gemeinsame Lebens- und Zukunftsplanung, emotionale Nähe oder Intimität, oder die Tatsache, dass dier queerplatonische Partner*in die wichtigste Person im Leben ist. Vielleicht kannst du ja mal mit deiner besten Freundin darüber reden, wie wichtig sie dir ist, und vielleicht kann sie sich ja auch so eine queerplatonische Beziehung mit dir vorstellen. Was genau das für euch bedeutet, könnt ihr dann gemeinsam aushandeln.

Ob deine Gefühle romantisch oder freundschaftlich sind, kannst letztlich nur du entscheiden. Vielleicht sind sie ja auch irgendwo zwischendrin, oder vielleicht bist du dir gar nicht so genau sicher, was der Unterschied ist – auch dafür gibt es einen Begriff, er heißt “quoiromantisch” (oder auch “wtfromantisch”) und beschreibt Menschen, die nicht zwischen romantischen und freundschaftlichen Gefühlen unterscheiden können oder eine Unterscheidung gar nicht so wichtig finden. Ob du diesen Begriff für dich passend findest und verwenden möchtest, kannst aber nur du entscheiden.

Letztlich ist es gar nicht so wichtig, welches Label du deinen Gefühlen und deinen Beziehungen gibst – viel wichtiger ist, dass du tust, was dich glücklich macht und dein Leben mit den Menschen verbringst, die dich glücklich machen.

Dabei ganz viel Erfolg und alles Gute!
Balthazar