Folge 5: Sexuelle und romantische Orientierungen

Hallo und Herzlich Willkommen zur neuen Folge unseres Podcasts. Dieses Mal wollen wir über verschiedene Orientierungen reden, also über verschiedene Arten und Weisen, wie wir uns zu anderen Menschen hingezogen – oder eben nicht hingezogen – fühlen. Wir wollen euch erklären, welche verschiedenen Arten von Orientierung es gibt, und warum es manchmal wichtig ist, sie voneinander zu trennen. Mit dieser Folge zusammenhängend werden wir später in diesem Monat eine Folge über Aromantik machen, aber ihr könnt auch beide Folgen unabhängig voneinander anschauen.

Mehr als Sex 💚 Andere Arten von Anziehung 💛

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Welche verschiedenen Arten von Orientierungen gibt es? 
Den Begriff der sexuellen Orientierung hast du sicher schon einmal gehört. Die sexuelle Orientierung beschreibt, mit Menschen welchen Geschlechts oder Menschen welcher Geschlechter jemand gerne Sex hat oder haben möchte. Asexuell zum Beispiel bedeutet, dass jemand keine sexuelle Anziehung zu anderen Menschen verspürt, homosexuell sind Menschen, die sich nur zu Personen ihres eigenen Geschlechts sexuell hingezogen sind.
Es gibt aber noch andere Orientierungen. Die sensuelle Orientierung beschreibt, von wem man gerne angefasst werden möchte. Es geht also darum, von wem jemand gerne umarmt wird oder mit wem jemand gerne kuschelt. Ist eine Person also homosensuell, lässt sie sich also gerne von Menschen des gleichen Geschlechts anfassen.
Die ästhetische Orientierung beschreibt, Menschen welches Geschlechts oder welcher Geschlechter eine Person attraktiv, aber nicht unbedingt sexuell anziehend, findet. Eine panästhetische Person kann also Menschen aller Geschlechter attraktiv finden. „Attraktiv“ bedeutet hier nur, dass jemand eine andere Person als schön empfindet, oder eben ästhetisch, wie der Begriff ja auch schon sagt.
Zuletzt gibt es noch die romantische Orientierung. Diese beschreibt, mit Menschen welchen Geschlechts oder welcher Geschlechter jemand gerne eine romantische Beziehung eingehen möchte beziehungsweise, in Menschen welcher Geschlechter x sich verliebt. Eine heteroromantische Person verliebt sich also in Menschen eines anderen Geschlechts. Außer heteroromantisch gibt es noch folgende romantische Orientierungen: homoromantisch heißt, dass jemand sich in Menschen des gleichen Geschlechts verliebt , bi- beziehungsweise panromantische Menschen können sich in Menschen mehrerer oder aller Geschlechter verlieben, aromantische Menschen verlieben sich in niemanden. Außerdem kann hier noch zwischen monoromantisch und polyromantisch unterschieden werden. Monoromantische Menschen verlieben sich immer nur in eine Person, polyromantische Menschen, die meistens polyamurös genannt werden, können gleichzeitig in mehr als eine Person verliebt sein. Darüber machen wir bald noch eine eigene Folge.
Ist das nicht viel zu kleinkariert? Wieso ist das überhaupt wichtig?
Auf den ersten Blick erscheint es vielleicht komisch, die Orientierung eines Menschen in so viele kleine „Häppchen“ aufzuteilen. Eigentlich kennen wir das ja überall her, dass alle Arten von Anziehung anscheinend auf einmal kommen, und das fassen wir dann alles zusammen als „verliebt sein“. Im Film sieht der Junge das Mädchen zum ersten Mal, es ist die so genannte „Liebe auf den ersten Blick“ [hier fände ich zwecks Animation Luft-Häkchen ganz cool, wisst ihr, was ich meine?], und schwupps, er findet sie attraktiv, sexy, will sie gerne umarmen, küssen, Sex mit ihr haben und mit ihr in einer romantischen Beziehung sein.
So einfach ist es im echten Leben aber meist nicht – das ist nur ein Stereotyp, das wir aus Romanen und aus Hollywood so kennen. Vor allem queer_feministische Menschen haben aber angefangen, das aus verschiedenen Gründen zu hinterfragen.
Es gibt nämlich bestimmte gesellschaftliche Vorstellungen, wie Menschen sein müssen. So erwartet die Gesellschaft eigentlich von allen von uns, dass wir nicht nur heterosexuell sind, sondern auch noch heteroromantisch, heterosensuell und heteroästhetisch. Menschen, die nicht in dieses Muster passen, weil sie in einer oder mehrerer dieser Ebenen anders sind, werden diskriminiert. Wenn zum Beispiel ein heterosexueller Junge sagt, dass er eine andere männliche Person gutaussehend findet, wird er oft zumindest komisch angeschaut, weil viele der Meinung sind, dass heterosexuelle Männer nicht bewerten können, wie gut eine andere männliche Person aussieht – sie denken, das würde einen Mann automatisch schwul machen. Mal ganz abgesehen davon, dass es leider oft als „unmännlich“ gesehen wird, als Mann andere Männer schön zu finden, wäre es doch viel einfacher, die Orientierungen voneinander zu trennen. Damit kann ein Mann komplett heterosexuell und heteroromantisch sein, und trotzdem Menschen verschiedener Geschlechter gutaussehend finden, ohne sich Sex oder eine Beziehung mit ihnen zu wünschen.
Ein anderes Beispiel: Eine Person, die mehrere Sexualpartner*innen hat, ohne in einer romantischen Beziehung zu sein, wird oft als Macho oder Schlampe abgestempelt. In der Gesellschaft gibt es oft, vor allem gegenüber Frauen, die Erwartungshaltung, dass Sex nur innerhalb einer geschlossenen, romantischen Beziehung stattfinden sollte, und ansonsten unmoralisch ist. Es kann aber gut sein, dass Menschen sich sexuell zu anderen hingezogen fühlen, aber keine romantische Anziehung zu irgendwem empfinden. Auch in diesem Fall wäre es hilfreich, romantische und sexuelle Orientierung voneinander zu trennen.
Zusammenfassung 

Aber keine Panik, wenn das jetzt alles furchtbar kompliziert und umständlich klingt – es geht nicht darum, dass alle Menschen sich in Zukunft in allen verschiedenen Arten von Orientierungen in eine Schublade stecken sollen oder müssen. Niemand ist verpflichtet, all diese verschiedenen Labels für sich zu benutzen. Es geht nur darum zu wissen, dass es verschiedene Arten von Orientierungen gibt, und dass diese nicht immer und automatisch deckungsgleich sind. Nur, weil eine Person zum Beispiel bisexuell ist, heißt das nicht, dass sie auch automatisch biromantisch ist.
Das sind jetzt alles ganz schön viele Informationen, die wahrscheinlich für die meisten von euch neu sind. Falls ihr also noch mehr Fragen dazu habt, beantworten wir die euch gern – in den Kommentaren, per Mail oder in der anonymen Feedbackbox.
Und nicht vergessen, nächstes Mal erklären wir euch alles über Aromantik! Bis dann!

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